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Sagen aus Wien
"Zum Fischertrühel"
© Citype
Im unteren Werd in Wien hab es in früherer Zeit bei der Schlagbrücke ein Dörfchen, in dem Fischer hausten. Diese Fischer hatten im Donaukanal Fischbehälter, kleine, am Ufer vertäute Schiffe, die nicht selten die Fahrrinne einengten. „Fischertrühel“ nannte der Volksmund sie. In diesem Dörfchen lebte eine arme Witwe mit ihrer hübschen Tochter. Seit dem Tode des Vaters lebten beide recht kümmerlich, das Mädchen übernahm Näharbeiten, die Mutter half da und dort in den Häusern wohlhabender Leute aus. Die einzige Hoffnung auf ein besseres Leben war der Bräutigam des Mädchens, ein fleißiger Fischer. Die jungen Leute wollten bald heiraten, doch fehlte es noch arg am nötigen Hausrat, das machte allen große Sorgen. Einmal kam die Nachbarin, wie das oft so ist, hatte mehr Glück in allem, obwohl sie auch nur nähte und in den reichen Häusern helfen ging. Der Fleiß ihrer Hände trug höheren Lohn, und während die arme Witwe an allem Not litt, waren die Kasten der Nachbarin voll mit schönem Linnen, und auch das bare Geld, ging ihr niemals aus. Die Witwe beklagte ihr bitteres Los, da meinte die Nachbarin, es sei schon einmal so auf der Welt, dass es glückliche und weniger glückliche Leute gebe. Das Glück hinge von überirdischen Wesen ab, die müsse man anrufen, dann kämen Geld und Gut ganz von selber herbei. „Schrein und Truhe müssen einen gesegneten Boden haben“, sagte sie. Seit dieser Unterredung war die Witwe wortkarg. Was konnte die Nachbarin mit „einem gesegneten Boden“ gemeint haben? Hatte sie vielleicht etwas getan, um den Boden ihres Leinenkastens zu segnen und dadurch den Hausrat zu vermehren? So grübelte die abergläubische Frau und konnte kaum mehr schlafen. Und als sie einmal bemerkte, dass die Nachbarin spätabends mit einem schweren Korb nach Hause kam, war sie davon überzeugt, dass in dem Korb nur geweihte Erde sein konnte. Wohl bemerkte die Tochter, dass irgend etwas die Mutter bedrücke. Aber wie liebevoll sie sich auch bemühte, zu erfahren, was es sei, um ihr nach Kräften zu helfen – die Mutter schwieg oder winkte ab und sagte: „Lass nur, mein Kind, es ist nichts.“ Eines Abends sagte sie zu der Tochter, dass beim Bürgermeister des Ortes ein Fest gefeiert werden, da müsse sie in der Küche aushelfen und hätte so viel zu tun, dass sie wohl erst gegen Morgen heimkommen werde. Das Mädchen konnte dies aber nicht recht glauben, sie ging ein Weilchen nach der Mutter auf die Straße und sah, dass im Hause des Bürgermeisters kein Licht mehr brannte. Das machte ihr arge Sorgen, so dass sie die ganze Nacht keinen Schlaf finden konnte. Am Morgen kam die Mutter bleich und erschöpft heim. Sie trug einen schweren Deckelkorb unter dem Arm, stellte ihn in ein leeres Fischertrühel, schloss dieses zu und steckte den Schlüssel zu sich. Die Tochter wagte nicht zu fragen, was die Mutter da mache. Von nun an wurde die Witwe wieder etwas gesprächiger und heiterer, fiel aber nach einiger Zeit wieder in ihre alte Schwermut zurück. Es hatte den Anschein, als ob sie irgendein begangenes Unrecht bereute. Um diese Zeit erschien der Totengräber von Sankt Stephan eines Tages beim Stadtrichter und sagte, eine Frau käme allabendlich auf den Friedhof, mache sich an die frisch aufgeworfenen Gräber heran und fülle einen Deckelkorb mit der geweihten Erde. Dann verschwinde sie hinter den Grabsteinen. Sie sei im Unteren Wird zu Hause und eine arme Witwe. Der Stadtrichter berief seine Räte zu sich und trug ihnen die Angelegenheit vor. Der Fall schien den Herren recht bedenklich und verdächtig, und sie einigten sich darüber, die Sache zu untersuchen. Also trat der Stadtvogt eines Morgens mit seinen Knechten in die Hütte der Witwe und nahm alles in Augenschein. Er ließ sich alle Laden und Truhen öffnen und kam zuletzt auf das Fischertrühel. Und siehe da, in dem Trühel fand sich unter allerlei Wäschezeug eine dünne Lage Erde, die wohl vom Kirchhof zu Sankt Stephan stamme. Das genügte dem Vogt, er nahm die Witwe in Haft und ließ sie in den Kerker werfen. Schon am nächsten Tag wurde sie verhört. „Ja“, gestand sie, „ ich habe vom Kirchhof zu Sankt Stephan geweihte Erde genommen. Durch die Rede meiner Nachbarin kam ich auf den Gedanken, es mehre sich das Eigentum im Hause, wenn man geweihte Erde von Sankt Stephan auf den Boden eines Kastens legt, damit er gesegnet werde. Nichts anderes habe ich im Sinn gehabt.“ Man traue ihr aber nicht; und weil man damals stark im Aberglauben lebte, warf man ihr vor, sie sei eine Zauberin, die mit geweihten Dingen Teufelskünste treibe, und verurteilte sie zum Tode. Um die arme Mutter zu retten, erwirkte die verzweifelte Tochter eine Audienz beim Herzog und flehte diesen um Gnade für die Unglückliche an. Der Fürst, der keineswegs an Zauberei glaubte, hatte Mitleid und befahl, die Hinrichtung aufzuschieben. Daraufhin eilte das Mädchen in den Kerker zur Mutter, ihr Trost und Hoffnung zu bringen. Es war aber zu spät, sie fand die Verurteilte nicht mehr am Leben, die ausgestandene Angst hatte sie getötet. Die Hütte, in der die Witwe gewohnt hatte, wurde von dieser Zeit an „Zum gesegneten Fischtrühel“ genannt; und als man sie niedergerissen hatte und an ihrer Stelle ein Haus baute, brachte man über dem Tor ein Gemälde an, das ein Fischtrühel zeigte. Obwohl schon wieder ein Neubau aufgeführt wurde, gibt es dennoch Leute in der Leopoldstadt, die die Stelle zeigen können, wo das Gebäude „Zum gesegneten Fischtrühel“ gestanden ist.
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