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Sagen aus Wien
"Der Hecktaler"
© alfred koch - Fotolia.com
Ritter Jörg von Rauhenstein war ein toller Trunkenbold, der so lange in Saus und Braus dahinlebte, bis er die Burg seiner Väter vertrunken hatte und arm wie eine Kirchenmaus samt Weib und Kind in die Fremde ziehen musste. Sein Weg führte ihn nach Wien, wo er als Waffenmeister der Stadt Verdienst und Unterkunft fand. Damals rückten gerade die Türken gegen Wien an, da konnte man einen Mann, der die Waffenknechte zu meistern und in strenger Zucht zu halten versprach, wohl brauchen. Ritter Jörg war ein alter Haudegen mit wetterfesten Fäusten, die mit Waffen umzugehen wussten, und er war trefflich dazu geeignet, die Leute zum Kriegshandwerk auszubilden. Mit Feuereifer ging er an die Arbeit und brachte es in kurzer Zeit auch wieder zu einigem Wohlstand. Eine geraume Zeit lebte er zurückgezogen und war glücklich und zufrieden im Kreise seiner Familie. Als jedoch die guten Freunde lockten, fiel der Ritter in seine alte Sünde zurück und brachte bei Becherklang und Würfelspiel mit seinen Kumpanen die Nächte durch. Oft kam er erst heim, wenn die Hähne krähten. Solange er die Taler in seiner Tasche klimpern hörte, gab es ihm keine Ruhe, er verfiel dem Spielteufel und verlor in kurzer Zeit wieder alles, was er sich im Lauf von Jahren erworben hatte. Nun war wieder Schmalhans Küchenmeister im Haus, und das brach der Frau das Herz; sie starb im Elend. Auch die Wangen der Kinder wurden bleicher und bleicher, bis sie der Tod von aller Not erlöste; auf dem Stephansfriedhof fanden sie ein allzu frühes Grab. Weil Jörg sein Amt vernachlässigte, wurde ihm von der Stadt der Dienst aufgekündigt. So kam er ganz an den Bettelstab und war gezwungen, von Haus zu Haus um Almosen zu bitten. Als er wieder einmal so bettelnd unterwegs war, traf er eine Magd, die einst bei ihm in Dienst gewesen war, Burgl mit Namen. Das traurige Los ihres ehemaligen Herrn ging der Frau zu Herzen, sie wollte ihm helfen und gab ihm den Rat, es einmal mit einem Hecktaler zu versuchen. „Was ist ein Hecktaler?“ fragte Jörg. „Ein Hecktaler ist ein gar wunderbares Ding“, antwortete die Burgl, „und wer ihn gewinnt, der leidet sein Lebtag keine Not mehr. Ihr müsst nur in der Nacht zum Sonntag, sobald die Turmuhr von Sankt Stephan die Mitternachtsstunde zu schlagen beginnt, mit dem ersten Schlag loslaufen, rund um den Dom herum, und beim zwölften Schlag dreimal herumgelaufen sein, dann klimpert auf einmal ein funkelnagelneuer Taler in Eurer Tasche, der sich immer wieder erneuert, sooft man ihn auch ausgibt!“ Das klang dem heruntergekommenen Ritter gar lieblich in den Ohren, und er beschloss, sein Glück zu versuchen. Lange vor Mitternacht stand Jörg auf dem Friedhof, der damals noch die Stephanskirche umgab, und wartete. Unheimlich war die Nacht, der Wind säuselte um den Turm, der Mond warf sein fahles Licht auf die Grabsteine, die gespenstische Schatten warfen. Aber trotz mancher Schauer hielt der Ritter wacker durch. Als die Turmuhr das dritte Viertel vor Mitternacht schlug, machte er sich zum Laufen bereit, damit er ja keine Sekunde versäume. Punkt zwölf Uhr knarrte das Räderwerk, und der erste Glockenschlag dröhnte durch die Nacht. Im selben Augenblick begann Jörg den verhängnisvollen Lauf. Wie rasend rannte er zwischen den Grabhügeln und Kreuzen dahin. Schon war er zweimal um den Dom herumgelaufen und setzte keuchend zur dritten, letzten Runde an, da zischte es plötzlich - knapp vor dem Ziel - über seinem Haupt auf, und eine Fledermaus flog ihm gegen die Stirne. Er stürzte zu Boden, während gerade der letzte Glockenschlag verhallte. So endete Ritter Jörg, so büßte er sein Lotterleben. Ob er, wenn die Fledermaus nicht gekommen wäre und der Schrecken ihn nicht getötet hätte, in den Besitz des Hecktalers gelangt wäre, kann niemand sagen.
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