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| Sagen aus Oberösterreich |
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| "Wie der Hias den
Teufel prellte" |
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| Vor vielen Jahren stand in Hinterstoder am
Waldrand die windschiefe, kleine Hütte eines einschichtigen
Bauern. Aber der Hias war froh um seine Einsamkeit. Da konnte er
ganz ungestört hausen. Die Leute des Dorfes gingen ihm ja auch
aus dem Weg, denn sein Ruf war nicht der beste. Nie sah man ihn
in der Kirche. Dafür pirschte er Tag und Nacht im Wald herum.
Wovon er wohl lebte? Er hatte ja kein Handwerk erlernt, kein
Vieh stand in seinem Stall, und auf dem Stück Grund, das ihm
gehörte, gedieh nichts als Unkraut. Ja, der Förster wusste es
schon, womit der Hias sein Dasein bestritt. Vom Beerenpflücken,
Holzklauben und Schwammerlsuchen, wie er immer treuherzig
beteuerte, bestimmt nicht. Aber er konnte ihm nichts nachweisen.
Wie viele Nächte hatte er schon geopfert, wie oft den Schüssen
nachgespürt, und wenn er dann dem verwegenen Burschen begegnete,
lachte der ihm frech ins Gesicht. Der Hias war schlau und flink
wie ein Wiesel. Der ließ sich nicht so leicht erwischen. Es war
ein freies, aber auch ein gefährliches Leben, das er führte;
denn Wildfrevel wurde damals mit sehr schwerer Strafe gesühnt.
Als der Wildschütz eines Nachts wieder seinem lichtscheuen
Treiben nachging, erschien ihm der Teufel in der Gestalt eines
Schwarzen Jägers. „Na, Hias, was ist mit uns beiden? – Ich
könnte es dir richten, dass du dein Leben lang kein Ziel
verfehlst. – Und wie wär´s, wenn du dich bei drohender Gefahr in
einen Baumstumpf verwandeln könntest? – Gib mir nur dafür deine
Seele, und du wirst nichts bereuen!“ Der Wilderer kannte keine
Angst, und der Handel gefiel ihm. „Gut“, sagte er, „ich schlag
ein, aber nur unter einer Bedingung, dass du mich erst in
zwanzig Jahren an dieser Stelle, zwischen zwölf und ein Uhr,
holen wirst.“ Der Schwarze Jäger war einverstanden, und der Hias
unterschrieb den Pakt mit drei Blutstropfen. Welch ein
herrliches Leben hatte jetzt für ihn begonnen. Er war Herr im
Wald, und kein Aufseher, kein Förster konnte ihm etwas anhaben;
denn kam ihm ein Verfolger auf die Spur, verwandelte er sich
einfach in einen Baumstumpf. Der Graf, dem die ausgedehnten
Wälder rings um Hinterstoder gehörten, tobe. Sein Bestand an
jagdbarem Wild lichtete sich seit kurzem beträchtlich, aber
gegen den Hias schien ein jeder machtlos. So lebte der Wilddieb
in Sicherheit und Wohlstand volle zwanzig Jahre. Doch die Stunde
seiner Höllenfahrt kam unweigerlich heran, und dem sorglosen
Schützen wurde es immer ungemütlicher. Er fühlte sich noch
kräftig und gesund und wollte diese schöne Welt nicht so ohne
weiteres verlassen. Als er wieder einmal angestrengt nachdache,
wie er sich wohl am besten aus der Schlinge ziehen könnte,
sprang er plötzlich auf und lachte schallend. Ihm war ein
glänzender Einfall gekommen. Am letzten Tag vor Ablauf seine
Vertrages mit dem Teufel ging er eine Stunde vor Mitternacht mit
seinem Knecht, den er jetzt hielt, recht zuversichtlich in den
Wald. Der Mond erhellte ihren Weg und ließ sein Silberlicht auf
Moosen und Farnen spielen, doch die beiden hatten keinen Blick
für solche Schönheit. Ihre Gedanken verfolgten jetzt nur das
eine Ziel, den Schwarzen Jäger um seine Beute zu prellen. An der
vereinbarten Stelle angekommen, verwandelte sich der Hias in
einen knorrigen Baumstumpf, sein Knecht zeichnete mit geweihter
Kreide drei Kreuze drauf und sprengte überdies noch Weihwasser
darüber. Dann lief er schnell wieder nach Hause. Punkt zwölf
erschien der Satan, aber nicht als Jäger, sondern umzuckt von
roten Flammen und so schrecklich anzuschauen, wie er von Natur
aus war. Oh, wie gierig lechzte er schon nach der schwarzen
Seele des Wildschützen! „Wo bist du, Hias?“ brüllte er in die
Stille des Waldes hinein. Nichts rührte sich. „Wo bist du?“
gellte es noch einmal drohend. Wieder Stille. Da sah er den
Baumstumpf, auf dem drei weiße Kreuze im Mondlicht leuchteten,
und ein furchtbarer Geruch wie von Weihwasser zog von dorther in
seine empfindliche Nase. „Ha, da bist du! Na warte, dich werde
ich schon kriegen!“ Und er schlug mit seinen Hufen gegen das
Holz, dass es ächzte und die Späne nur so flogen. Aber
vergebens. Er wütete und stieß und kratzte. Umsonst. Unentwegt
während einer vollen Stunde bearbeitete er wild und hartnäckig
das Holz. Um ein Uhr endlich musste er, brüllend und fauchend
vor Wut und Enttäuschung, allein zur Hölle fahren. In der
Morgendämmerung aber wankte ein völlig zerschundener und
verbeulter Hias seiner Hütte zu, wo der Knecht schon auf ihn
wartete und viele Tage zu tun hatte, um seinen Herrn wieder auf
die Beine zu bringen. Er hat dann wohl noch ein paar Jahre
gelebt, aber so munter und frech wie früher wurde der Hias nie
mehr. Ihm war der Geschmack am Wildern gründlich vergangen.
Grüblerisch und grantig hinkte er durch den Wald und war sich
selbst zuwider. Und man weiß nicht, ob er vor seiner
Sterbestunde noch rechtzeitig zu Kreuz gekrochen ist. Sicherlich
hat ihn doch noch der Teufel geholt. |
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