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Sagen aus Salzburg
"Das Kasmandl und der Jäger"
© Georgsteph - Fotolia.com
Auf den Bergen und in den einsamen Alpentälern des Lungaues geht das Kasmandl um. Es ist ein kleines Männlein von eisengrauer Farbe und erdfarbenen, runzeligem Gesicht. Von diesem Geistchen wissen die Leute allerhand Merkwürdiges zu erzählen. Manchmal ist es schon Hirten, Jägern und Holzhackern begegnet und hat sich ihnen zugestellt. Für gewöhnlich aber hält es sich in finsteren Wäldern, Bergschluchten und in der unzugänglichen Felsenwildnis auf, wo es sich von Wurzeln, Kräutern und allerhand kleinem Getier, wie Fröschen, Schlangen und Würmern ernährt. Im Herbst, zu Martini, wenn die Menschen die Almen verlassen haben und mit ihrer Herde heimwärts gezogen sind, kommt das Kasmandl aus seinem Versteck hervor und sucht die verlassenen Almhütten auf. In ihnen haust es dann den ganzen Winter über. Hier sammelt und sucht es alle Überreste, welche die Almbewohner weggeworfen, verloren oder zurückgelassen haben, käset sie und lebt davon den ganzen langen Winter über. Im Frühjahr, zu Georgi, wenn die Zeit zur Almfahrt naht, verlässt dass das Kasmandl die Almhütten und sucht wieder seine einsamen Schlupfwinkel in der schaurigen Bergwildnis auf. Ein Jäger hatte einst tief drinnen im Lessachtal eine Gämse erlegt. Nach langem, beschwerlichem Abstieg erreichte er endlich mit seiner Beute eine Almhütte. Es dämmerte bereits, und der Jäger beschloss daher, hier zu nächtigen. Er legte die Gämse in einen Winkel der Hütte und ging daran, da er schon großen Hunger verspürte, sich ein gutes Nachtmahl zu bereiten. Am offenen Herd schürte er ein mächtiges Feuer an, nahm ein Stück Gämseleber und legte es ans Feuer. Unterdessen war stockdunkle Nacht geworden, doch durch das mächtig emporlodernde Feuer war es in der Hütte fast so hell wie am Tag. Da kam plötzlich aus der nebenan liegenden Milchkammer ein kleines, eisengraues Männlein heraus und schritt zu dem in der Ecke befindlichen Abwaschtrog, um dort die „Schtötz“ zu waschen. Den Jäger, der mit der Zubereitung des Nachtmahles vollauf zu tun hatte, focht die Gegenwart des Kleinen nicht an; er schürte das Feuer, dass die Funken stoben, und drehte dabei den leckeren Braten. Da näherte sich das Kasmandl dem Herd, nahm eine Kröte aus seiner Tasche und legte sie ebenfalls ans Feuer. Dabei blickte es den Jäger mit seinen grauen Äuglein gar verwunderlich an, als wollte es fragen, wieso er sich getraue, zu solch nächtlicher Stunde in seine Behausung einzudringen. Schließlich fragte es ihn, wer er sei. „I bin da Jaga-Lipp“, antwortete der Jäger, ohne auf den Kleinen viel zu achten. „Ist so dein Name?“ forschte das Männlein weiter. „Jo, i bin derselbe!“ entgegnete kurz der Jäger. Während dieser Rede schaut das Kasmandl voll Begierde nach dem Gemsbraten, der am Spieße bereits tüchtig zu schmoren anfing, und sagte, indem es das saftige Stück betastete: „Dein Fleisch siedet und schmilzt, meines nicht.“ Dabei berührte es wieder den Braten, als wolle es ein Stück davon haben. Der hungrige Jäger war über die Zudringlichkeit des Kasmandls aufgebracht und schlug diesem so derb auf die Finger, dass es vor Schmerz laut aufschrie. Dann sprang es vor die Almhütte und rief in die Berge hinaus: „Derselbe do hot mi g´schlogn!“ Daraufhin kehrte es wieder in die Hütte zurück und sagte mit zorniger Miene zum Jäger. „Hättest du nicht deinen vieräugigen Beißa und deinen einäugigen Heißa bei dir, ich wollte dir, ich wollte dir´s anders machen!“ und verließ die Hütte. Auch der Jäger, dem nach diesen Vorkommnissen der Aufenthalt in dieser Almhütte nicht mehr recht geheuer schien, verließ den unheimlichen Ort und machte sich trotz des Dunkels der Nacht schleunigst auf den Heimweg. Fortan vermied er es, auf seinen Pirschgängen in den einsamen Hochalmen zu übernachten. Die Drohung des Kasmandels blieb ihm, obwohl er ein furchtloser Mann war, immer in Erinnerung. Aber auch aus dem Tale wagte es fortan keiner mehr, noch eine Nacht in dieser Alm zuzubringen.
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