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| Sagen aus Salzburg |
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| "Das Kasmandl und
der Jäger" |
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| Auf den Bergen und in den einsamen Alpentälern
des Lungaues geht das Kasmandl um. Es ist ein kleines Männlein
von eisengrauer Farbe und erdfarbenen, runzeligem Gesicht. Von
diesem Geistchen wissen die Leute allerhand Merkwürdiges zu
erzählen. Manchmal ist es schon Hirten, Jägern und Holzhackern
begegnet und hat sich ihnen zugestellt. Für gewöhnlich aber hält
es sich in finsteren Wäldern, Bergschluchten und in der
unzugänglichen Felsenwildnis auf, wo es sich von Wurzeln,
Kräutern und allerhand kleinem Getier, wie Fröschen, Schlangen
und Würmern ernährt. Im Herbst, zu Martini, wenn die Menschen
die Almen verlassen haben und mit ihrer Herde heimwärts gezogen
sind, kommt das Kasmandl aus seinem Versteck hervor und sucht
die verlassenen Almhütten auf. In ihnen haust es dann den ganzen
Winter über. Hier sammelt und sucht es alle Überreste, welche
die Almbewohner weggeworfen, verloren oder zurückgelassen haben,
käset sie und lebt davon den ganzen langen Winter über. Im
Frühjahr, zu Georgi, wenn die Zeit zur Almfahrt naht, verlässt
dass das Kasmandl die Almhütten und sucht wieder seine einsamen
Schlupfwinkel in der schaurigen Bergwildnis auf. Ein Jäger hatte
einst tief drinnen im Lessachtal eine Gämse erlegt. Nach langem,
beschwerlichem Abstieg erreichte er endlich mit seiner Beute
eine Almhütte. Es dämmerte bereits, und der Jäger beschloss
daher, hier zu nächtigen. Er legte die Gämse in einen Winkel der
Hütte und ging daran, da er schon großen Hunger verspürte, sich
ein gutes Nachtmahl zu bereiten. Am offenen Herd schürte er ein
mächtiges Feuer an, nahm ein Stück Gämseleber und legte es ans
Feuer. Unterdessen war stockdunkle Nacht geworden, doch durch
das mächtig emporlodernde Feuer war es in der Hütte fast so hell
wie am Tag. Da kam plötzlich aus der nebenan liegenden
Milchkammer ein kleines, eisengraues Männlein heraus und schritt
zu dem in der Ecke befindlichen Abwaschtrog, um dort die „Schtötz“
zu waschen. Den Jäger, der mit der Zubereitung des Nachtmahles
vollauf zu tun hatte, focht die Gegenwart des Kleinen nicht an;
er schürte das Feuer, dass die Funken stoben, und drehte dabei
den leckeren Braten. Da näherte sich das Kasmandl dem Herd, nahm
eine Kröte aus seiner Tasche und legte sie ebenfalls ans Feuer.
Dabei blickte es den Jäger mit seinen grauen Äuglein gar
verwunderlich an, als wollte es fragen, wieso er sich getraue,
zu solch nächtlicher Stunde in seine Behausung einzudringen.
Schließlich fragte es ihn, wer er sei. „I bin da Jaga-Lipp“,
antwortete der Jäger, ohne auf den Kleinen viel zu achten. „Ist
so dein Name?“ forschte das Männlein weiter. „Jo, i bin
derselbe!“ entgegnete kurz der Jäger. Während dieser Rede schaut
das Kasmandl voll Begierde nach dem Gemsbraten, der am Spieße
bereits tüchtig zu schmoren anfing, und sagte, indem es das
saftige Stück betastete: „Dein Fleisch siedet und schmilzt,
meines nicht.“ Dabei berührte es wieder den Braten, als wolle es
ein Stück davon haben. Der hungrige Jäger war über die
Zudringlichkeit des Kasmandls aufgebracht und schlug diesem so
derb auf die Finger, dass es vor Schmerz laut aufschrie. Dann
sprang es vor die Almhütte und rief in die Berge hinaus:
„Derselbe do hot mi g´schlogn!“ Daraufhin kehrte es wieder in
die Hütte zurück und sagte mit zorniger Miene zum Jäger.
„Hättest du nicht deinen vieräugigen Beißa und deinen einäugigen
Heißa bei dir, ich wollte dir, ich wollte dir´s anders machen!“
und verließ die Hütte. Auch der Jäger, dem nach diesen
Vorkommnissen der Aufenthalt in dieser Almhütte nicht mehr recht
geheuer schien, verließ den unheimlichen Ort und machte sich
trotz des Dunkels der Nacht schleunigst auf den Heimweg. Fortan
vermied er es, auf seinen Pirschgängen in den einsamen Hochalmen
zu übernachten. Die Drohung des Kasmandels blieb ihm, obwohl er
ein furchtloser Mann war, immer in Erinnerung. Aber auch aus dem
Tale wagte es fortan keiner mehr, noch eine Nacht in dieser Alm
zuzubringen. |
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