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| Sagen aus Salzburg |
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| "Die Sage vom
Lamprechtsofenloch" |
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| Nahe dem Ort Weißbach, ist der Eingang zu einer
Höhle zu sehen, die heute noch von den Fremden viel besucht
wird. Kreuze an den Wänden erinnern in ihr noch da und dort an
die Zeit, da Schatzgräber in das dunkle Reich des Berges
eindrangen, sich verirrten und einen elenden Tod fanden. Dieses
Lamprechtsofenloch wurde in alter Zeit von den Einheimischen nur
mit Grauen betrachtet, und zur Nachtzeit war jeder froh, wenn er
die Stelle, die doch so nahe der Landstraße ist, hinter sich
hatte, denn es ging die Sage, dass eine Schwarze Frau darin
büßen muss, weil sie ihre blinde Schwester um ihre Erbteil
betrogen. Viele Sagen gehen von dieser Frau im Volksmund um. Von
Mittersill zog einmal ein armes Weib mit ihrem kleinen
vaterlosen Mädchen zur Wallfahrt in das Kirchental. Als es
zurückkam, sah es beim Lamprechtsofenloch eine Tür offen. Das
Weib dachte sich: Da gehe ich hinein, vielleicht schenkt mir die
Schwarze Frau etwas für mein Kind. Gedacht, getan! Es ging
hinein und fand drinnen ein recht trauliches Stübchen. Beim
Tisch saß eine schwarzgekleidete Frau und las in einem Buch. Das
Weib nahm sich ein Herz und bat um ein Almosen für das Kind. Die
Frau stand auf und nahm aus einer Kiste einen Schurz voll Taler,
die sie dem Weib in die Schürze schüttete. Das Weib setzte das
Kind auf den Boden, vergaß aus Freude an dem Geld auf die Kleine
und ging mit vielen Dankesworten hinaus. Als die Frau draußen
war, fiel ihr erst das Kind ein; sie wollte schnell zurück,
konnte aber zu ihrem Schrecken die Tür nicht mehr finden. Tief
betrübt begab sie sich heim und klagte dem Mittersiller Pfarrer
ihr Leid. Der gab ihr den Rat, sie solle am Jahrestag, zu
derselben Stunde wieder hingehen, vielleicht dass sie die Tür
wieder finde. Das Jahr wurde dem armen Weib entsetzlich lang,
und das Geld freute es längst nicht mehr. Als aber Tag und
Stunde nahten, stand das Weib auch pünktlich am Ort, und
richtig, die Tür war wieder sichtbar. Da saß das Mädchen in
einem schönen rosa Kleid auf dem Boden und spielte, während ihm
die Schwarze Frau lächelnd zusah. Das Weib stürzte auf das Kind
zu und küsste es. Doch dieses schrie und schlug ihm ins Gesicht.
Die Schwarze Frau hingegen bat das Weib mit gefalteten Händen,
ihr das Kind zu lassen. Sie wollte es reich und glücklich
machen; auch versprach sie dem Weib nochmals eine Schürze voll
Geld. Aber das Weib wollte ihr Kind nicht mehr lassen. „Was
hilft mir das Geld“, sprach es, „wenn ich mein Kind nicht mehr
habe“, und im Nu sprang es bei der Tür hinaus. Die Schwarze Frau
jedoch weinte so bitterlich, dass dies noch draußen vor der Türe
zu hören war. Das Weib aber hatte kein Glück; das Kind
verblödete und musste sich später als Bettlerin durchs Leben
schlagen. Im Oberpinzgau wurde es Zeit seines Lebens „die
Lamprechtsofenlochlappin“ genannt. |
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