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Sagen aus der Steiermark
"Perchtlnacht"
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In unseren Alpenländern wird die Nacht vor Dreikönig heute noch vielfach die Perchtlnacht genannt. Nach dem Abendläuten, so erzählt man sich, wandert Frau Perchta über das Land. Uralt, mit schneeweißem Haar, in ein flickenbedecktes Gewand gekleidet, zieht sie über Berg und Tal, und ihr nach trippeln in unabsehbarem Zug die Seelen ungetaufter Kinder. Viele von ihnen tragen Krüglein mit den Tränen ihrer Mütter. Dem zufälligen Beobachter scheint diese nächtliche Prozession nur langsam voranzukommen. In Wahrheit aber zieht sie so schnell dahin wie die Wolken am Himmel. Ein steirischer Waldbauer, der in bitterer Armut lebte, traf einst in der Dreikönigsnacht, als er gerade einen Paten für sein Neugeborenes suchte, auf diesen Zug. Im Zwielicht der Abenddämmerung ließ er die armen Seelchen an sich vorüberziehen. Ganz zuletzt kam noch ein winzig kleines und zartes Kind in einem zerrissenen Hemdchen gegangen. Als er das sah, tat es ihm so von Herzen leid, dass er unwillkürlich ausrief: „O du arm´s Zodawascherl!“ Da huschte ein seliges Lächeln über das Kindergesicht. Frau Perchta aber wandte sich zu dem Mann und sprach: „Ich danke dir, du hast diesem Kleinen einen Namen gegeben. Jetzt ist es erlöst. Die gute Tat wird dir noch Glück bringen!“ Bei diesen freundlichen Worten wurde es dem Armen so wohl, dass er einen Weg voll Zuversicht fortsetzte. Nach kurzer Zeit traf er einen reichen Bauern. Der sprach ihn an: „Wohin des Wegs so spät am Abend?“ „Ach“, antwortete der Arme, „meine Frau hat heute das siebte Kind zur Welt gebracht und jetzt such ich einen Paten. Willst du mir vielleicht den Gefallen tun?“ „Ja warum nicht? Wann soll denn die Taufe sein?“ „In einer Woche.“ „Gut, verlass dich auf mich! Ich werde kommen.“ Und er kam wirklich und legte seinem Patenkind nach der Taufe ein wertvolles Geschenk in die Wiege. Das war Frau Perchtas Dank. Im folgenden Jahr war die Geisterschar wieder auf der Wanderschaft. Um Mitternacht erreichte sie Kalwang und verschwand für kurze Zeit in einem Bauernhof. Dort deckte alljährlich die Bäuerin in der Stube den Tisch mit frischem, weißem Leinen, stellte eine brennende Kerze darauf und eine Schüssel voll Milch, neben die sie ein paar Löffel legte. Dann sagte sie noch: „Gsegn´s enk Gott, Frau Perchtl, und enk ormen Seeln!“ Und das geheimnisvolle Wesen setzte sich zu Tisch und nahm ein paar Tröpfchen von der Milch, ebenso taten der Reihe nach die Kinder. Mehr brauchten sie nicht für ihre Wanderung auf Erden. In einem Haus, das der Perchtl so gastfreundlich offenstand, gab es nicht Zank noch Streit. Das ganze Jahr hindurch wurde in Frieden gearbeitet, und Mensch, Korn Vieh gediehen. Eines Tages aber machte sich ein junger Knecht über die Perchtl lustig: „Ja, Bäuerin“, spottete er, „wie kannst du denn so einen Unsinn glauben! Wart nur bis Dreikönig, dann beweis ich dir, dass das ein Aberglaube ist.“ „Glaub du, was du willst, und lass mich in Frieden!“ wies ihn die Frau zurecht. Am Vorabend der Perchtlnacht richtete sie den Tisch wieder so, wie sie es gewohnt war, sagte ihren frommen Spruch und ging schlafen. Der neugierige Knecht aber schlüpfte vor Mitternacht in den großen Zimmerofen, bohrte ein Loch durch die Kacheln, damit er beobachten konnte, was in der Stube vorging, und wartete. Vom Kirchturm schlug es zwölf. Da öffnete sich lautlos die Tür, ein heller Schein erstrahlte, und eine uralte, gebückte Frau, mit Runzeln und schneeweißem Haar, trat langsam in die Stube. Ihr folgte eine unabsehbare Schar kleiner, zarter Kinder. Dem Knecht schien es ganz unglaublich, dass so viele überhaupt Platz haben konnten in der Stube. „Jetzt ist sie also wirklich gekommen, die Perchtl mit ihrer Kinderschar“, dachte er staunend. Es war ihm gar nicht mehr geheuer in seinem Versteck. Plötzlich hörte er ganz deutlich, wie eine Stimme sagte: „Deck d´Luckn zua!“ Und es ward finster vor seinen Augen. Er war blind! War das die Strafe für seine frevelnde Neugier? Entsetzen hatte ihn gepackt. Was sollte er tun? Er war nun gänzlich hilflos und unbrauchbar für jede Arbeit. Die Bäuerin, so gut sie auch war, behielt ihn wohl kaum mehr. So jagten die Gedanken durch seinen Kopf, während er mühsam die steile Treppe in seine Kammer hinauf tappte. Am nächsten Morgen klagte er zur Magd: „ Die Perchtl hat mich hart bestraft für meinen Unglauben und für meine Neugier. Ich bin über Nacht blind geworden. Ich bitt dich, Liesl, führ mich zum Pfarrer, vielleicht kann er mir helfen!“ Die Magd ging mit ihm zum Pfarrhof, und der Knecht erzählte alles, was er in der Perchtlnacht erlebt und gesehen hatte. Der Priester hatte sein ganzes Leben unter dem Landvolk verbracht, und so war es natürlich, dass er sich über Aberglauben, Überlieferungen und Bräuche der Bauern so seine eigenen Gedanken machte. „Ja, Sepp“, sprach er nach langem Überlegen, „ich glaub, es wird das beste sein, wenn du jetzt einmal ruhig wartet, bis das Jahr vorüber ist. Aber in der nächsten Perchtlnacht kriechst du wieder in den Ofen. Vielleicht kann dir die Perchtl selber helfen.“ Dank schön, Herr Pfarrer, dann werde ich eben warten müssen“, sagte Sepp, und er reichte dem Priester die Hand und ging zu seiner Bäuerin zurück, die ihn in ihrer Gutmütigkeit das ganze Jahr über behielt. In der Nacht vom fünften zum sechsten Jänner kroch er wieder in den Ofen. Diesmal wartete er mit klopfendem Herzen und voll Hoffnung, dass vielleicht ein Wunder geschehe. Als die Turmuhr Mitternacht schlus, hörte er das langsame Schlurfen der Perchtl und hinterher das Trippeln der unzähligen Kinderfüßchen. Und eine Stimme sprach: „Deck d´Luckn wieder auf!“ Die Dunkelheit wich einem hellen Schein, und ganz überwältigt von seinem Glück, erkannte der Knecht die brennende Kerze auf dem weiß gedeckten Tisch und daneben die Milchschüssel mit den Löffeln. In der Stube aber war niemand mehr zu sehen. Seit dieser Zeit war der Bursch wie umgewandelt. Dankbar, dass ihm das Augenlicht neu geschenkt war, spottete er nie mehr über Dinge, die wir Menschen mit unserem Verstand nicht begreifen können.
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