Sehenswürdigkeiten in Wien
Kurkonditorei Oberlaa
Werbeflaeche1
 
  
Sagen aus Wien
"Nächtlicher Spuk"
© Paul Lampard - Fotolia.com
Früher war es in den Donauauen bei Nußdorf nicht recht geheuer. Namentlich vor einem Gewitter entstiegen den Fluten des Stromes seltsame Gestalten und rasten mit wüstem Geschrei über die Erlen und Schwarzpappeln am Ufer, dass sie ächzten und ihre Äste tief herabbogen. Da krachte es recht unheimlich im Gehölz, die Haustiere in den wenigen Gehöften schrien vor Angst, und die Hunde winselten gottserbärmlich vor den Türen und drängten ins Haus, wo sie sich unter den Tischen und Betten verkrochen. Indessen fuhr draußen die Wilde Jagd unter Tosen und Lärmen über die Gegend dahin, man hörte in den Lüften Pferdegewieher, Hundegebell und Peitschenknallen, und oft schien es, als ob sich in den Spitzen der Weiden und Birken etwas verfangen hätte. Darauf ließ das Getöse nach, und es war so ruhig wie zuvor. Zuweilen zeigten sich in den sumpfigen Stellen der Auen kleine Lichter. Sie flimmerten und gaukelten und hüpften über den Boden und lockten den nächtlichen Wanderer, der zufällig dort vorbeigehen musste, in die Irre. Dabei kam es vor, dass er in einem Tümpel geriet, aus dem er keinen Ausweg mehr fand und elend zugrunde gehen musste. Manchmal stürzte einer in den Seitenarm der Donau, wo ihn Schlingpflanzen in die Tiefe zogen. In solcher Gefahr gab es nur ein Mittel, um den Zauber zu bannen: Den Rock ausziehen, ihn umstülpen und mit der Innenseite außen wieder anlegen; wer das tat, der war gerettet und konnte dem Heimweg finden. Der gefürchtetste aller Donaugeister aber war das He-Männlein, ein böser Neckgeist, der seine größte Freude am Schaden der Leute hatte. Auf seinem riesigen Leib hockte ein im Verhältnis viel zu großer Kopf, in dem zwei feurige Augen staken. Dieser Geist rauschte beim Gehen wie ein starker Wind, und mitunter schoss er wie ein Pfeil dahin. Die Leute rief er mit „Hehe!“ an, und wenn ihm einer darauf antwortete, so setzte er sich ihm so gewaltig auf den Kopf, dass er den Tod erlitt. Wer jedoch still weiterschritt, dem tat er nichts zuleide. Ein junger Bursch ging einmal nach dem Gebetläuten vom Kirchentag heim. Er hatte ein Gläschen über den Durst getrunken, verirrte sich und geriet in die Au. Da stach ihn der Fürwitz, und er rief selber: „Hehe!“ Auf einmal fuhr der He-Mann durch die Luft daher, hockte sich mit aller Schwere auf den Rücken des Spötters und jagte ihn eine weite Strecke kreuz und quer durch den Busch, bis dem Armen die Zunge heraushing. Erst um Mitternacht verließ er ihn, und der Bursche konnte wieder aufatmen. Halbtot vor Schreck war er sich ins Gras und schlief ein. Als er am nächsten Morgen erwachte, fand er sich auf einem ganz anderen Weg, über zwei Stunden weit von Nußdorf entfernt. Dabei hatte er noch Glück gehabt, dass er vom He-Männlein nicht zerfetzt worden war. Trotzdem konnte der Bursche von diesem Tag an nicht mehr lachen und nicht mehr singen; er welkte dahin wie ein Blatt im Herbst.
Bücher bei Amazon zum Thema
Sagen
Weitere Ergebnisse zum Thema
Sagen
seite weiterempfehlen seite drucken nach oben nach oben
alle Ärzte in Wien   diensthabende Apotheken in Wien   Notdienste Wetter
wien-vienna auf facebook   wien-vienna auf twitter   Buchtipps Veranstaltungstipps
Newsletter abonnieren   rss-feed abonnieren   Mail an die Redaktion Kunden-Login
 
Wien Bilder
Die Bilder stehen mit
929 x 622 Pixel in 72 dpi
zum Download bereit.
Folge wien-vienna.at auf Facebook
Folge wienviennaat auf Twitter
design by gaube - 2011
 
 
© Citype Internet-Portal BetriebsgesmbH A-1020 Wien, Praterstrasse 40/V (Lokal)

Impressum     Quellenverweise     FAQ     Ihre Ansprechpartner     E-Mail an die Redaktion
  wien-vienna.at in Englisch      RSS Feed      Kunden Log in      Newsletter abonnieren     Werbung in wien-vienna.at