Die Bewohner der schönen Salzachstadt führen
seit altersher den Namen „Die Stierwascher“, und mit dieser
kuriosen Bezeichnung verbindet sich eine gar lustige Sage: In
früheren Jahrhunderten wurde einmal die Stadt von einem
feindlichen Kriegsherr belagert. Salzburg war damals gut mit
Mauern bewehrt, die konnte der Feind so leicht nicht bezwingen.
Deshalb suchte er einen Ausweg. Er wollte die Stadt so lange
aushungern, bis sie von selber zur Übergabe bereit war! So
schlossen die Feinde einen festen Ring um die Stadt, so dass
keine Maus mehr ein und aus konnte. Die Salzburger erkannten
bald die Absicht der Feinde. Wenn sie bisher auf ihre starken
Mauern vertraut hatte, so gerieten sie nun dich in arge Sorgen.
Denn wenn die Belagerung länger dauern sollte, dann würde bald
eine große Hungersnot ausbrechen. Deshalb schrieb der
Stadtkommandant ein strenges Fasten aus. Aber es kam doch so,
dass eines Tages nur noch ein einziger Stier übrigblieb, der
noch nicht geschlachtet war. Er war schön braun gefleckt und gut
genährt. Da verfiel der Stadtkommandant auf eine feine List: Am
frühen Morgen des nächsten Tages wurde der Stier auf die breite
Stadtmauer getrieben und von dort oben dem Feind gezeigt, damit
der nicht etwa meinte, die Salzburger litten schon Hunger! In
der kommenden Nacht aber strichen die Salzburger den scheckigen
Stier weiß an und zeigten ihn am Morgen darauf wieder den
Belagerern. Am dritten Morgen trabte ein pechschwarzer Stier
über die Stadtmauer. Die Feinde rissen die Augen auf, weil sie
meinten, die Salzburger müssten noch auf lange Zeit mit guter
Nahrung versorgt sein, und in einer dunklen Nacht, bei grobem
Wind und Wetter, zogen die fremden Kriegsknechte heimlich ab. In
der Stadt aber herrschte über die gelungene List großer Jubel.
Die Bürger führten den Stier hinab in die Salzach und wuschen
ihn nun so lange, bis er wieder schön braungefleckt war. Der
Fluss aber soll bis gegen Oberndorf hin mit Seifenschaum bedeckt
gewesen sein. Seit dieser Zeit nennt man die Salzburger die „Stierwascher“.