Sehenswürdigkeiten in Wien
Kurkonditorei Oberlaa
Werbeflaeche1
 
  
Sagen aus Wien
"Stoß im Himmel"
© Dream-Emotion - Fotolia.com
Im alten Wien lebte einmal eine reiche Frau, die sehr hochmütig und eitel war. Jahraus, jahrein ging sie in Samt und Seide, ihre Kleider waren mit kostbaren Schleppen und auserlesenen Spitzen versehen, dazu trug die Frau stets prächtigen Schmuck, Gold und Edelsteine. Stolz wie ein Pfau rauschte sie an den Leuten vorüber und ließ sich von ihnen bewundern. Es gab damals keine Fürstin, die es ihr an Prunk hätte gleichtun können. Statt wie andere Frauen im Haus die Wirtschaft zu führen, stand sie vor dem Spiegel, putzte und schmückte sich und betrachtete oft stundenlang ihre herrlich gekleidete Gestalt. Sie konnten sich an ihrem Bild nicht sattsehen. Als wieder einmal der Fasching vor der Tür stand, nahm sie sich vor, alle anderen Frauen an Pracht und Glanz zu überstrahlen; sie wollte auf jedem Fest als Ballkönigin gefeiert werden. Um diese Zeit ging sie einmal an einer Muttergottesstatue vorbei, deren Kleid ihr viel zu einfach vorkam. Übermutig begann sie Maria zu verspotten und rief: „Das will die Himmelskönigin sein? Die ist ja gekleidet wie eine Bettlerin! Nein, sie kann mir das Wasser nicht reichen, ich bin hundertmal schöner als sie!“ Dieser Frevel sollte nicht ungestraft bleiben. Die Fastnacht kam, in jedem Wiener Haus schmückte man sich zu Tanz und Unterhaltung, und auch die eitle Frau probierte vor dem Spiegel ein kostbares Kleid nach dem anderen. Jedoch sie konnte sich in keinem so recht gefallen. Darüber wurde sie zornig und rief in ihrer Wut den Teufel herbei, der sollte ihr wählen helfen. Kaum hatte sie den bösen Wunsch ausgesprochen, da klopfte es dreimal an die Tür, und als die stolze Frau öffnete, stand der Teufel, als altes, zerlumptes Weib verkleidet, mit einem Korb auf dem Rücken auf der Schwelle und sah recht unheimlich aus. Unwillig wollte die Frau die Türe zuschlagen und die hässliche Alte draußen stehen lassen, aber eine unsichtbare Macht hinderte sie daran. Die Alte trat ins Zimmer und sagte: „Du liebst schöne Kleider und hast auch ein paar prächtige Dinger in deinem Schrank – aber was sind sie alle gegen das Kleid, das ich hier in meinem Korb habe!“ „Zeig es mir!“ rief die hochmütige Frau; sie wollte nicht glauben, dass die Bettlerin ein schöneres Kleid besitzen könne als sie. Das alte Weib stellte den Korb nieder, hob das Tuch ab, das ihn bedeckte, und siehe, darunter lag ein so prächtiges Kleid, wie die reiche Frau ihr Lebtag noch keines gesehen hatte. Sein Glanz blendete sie, und es gelüstete sie mächtig nach dem kostbaren Stück, sie sah sich darin schon von allen Frauen beneidet. „Gib mir das Kleid, ich will dir dafür soviel zahlen, wie du willst!“ sagte sie. „Ich brauche dein Geld nicht“, entgegnete die Bettlerin, „ich bin selber reich genug. Aber wenn du mir versprichst, dass das, was am dritten Tage unter dem Kleid ist, mir gehört, ist es dein Eigentum!“ Diese Worte kamen der Frau zwar seltsam vor, doch sie dachte nicht lange darüber nach und sagte: „Wenn´s weiter nichts ist – abgemacht! Was am dritten Tage unter dem Kleid ist, gehört dir!“ Sie schlug in die dargebotene Hand ein, worauf sich die Alte plötzlich wie in Nebel auflöste und entschwand. Jetzt hatte sie ein Kleid, in dem sie sich sehen lassen konnte! Keine Königin auf Erden trug ein gleiches. In der ganzen Stadt gab es nicht eines, das dem ihren an Pracht und Schönheit auch nur nahe kam. Sie trug es zu den Festen am Faschingssonntag, Faschingsmontag, Faschingsdienstag und stellte alle übrigen Frauen so tief in den Schatten, dass sie grün und gelb vor Neid wurden. Die drei lustigen Tage vergingen, und als sie vom letzten Fest des dritten Tages heimgekehrt war und in ihrem prachtvollen Kleid vor dem Spiegel saß, kamen ihr die Worte der Bettlerin in den Sinn: „ Was am dritten Tag unter dem Kleid ist, gehört mir!“ , Was mag das Weib nur gemeint haben?´ fragte sie sich, und auf einmal wurde ihr sehr ängstlich zumute. Rasch wollte sie das Kleid ausziehen, aber sie brachte es nicht vom Leibe. Da fuhr ihr tödlicher Schreck in alle Glieder, denn jetzt wusste sie, dass sie dem Teufel in die Falle gegangen und ihm mit Leib und Seele verfallen war. In ihrer Verzweiflung wollte sie sich das Kleid in Stücken vom Körper reißen, aber es war an der Haut wie festgewachsen. Da jammerte sie, dass es einen Stein hätte erbarmen müssen. Im nächsten Augenblick klopfte es auch schon an die Tür, und das alte Weib trat herein. „Warte nur noch eine Stunde“, bat die hochmütige Frau händeringend. „Ich will alles bereuen, was ich getan habe! Du bist ja der Teufel!“ „Der bin ich“, sprach die Bettlerin und verwandelte sich auf der Stelle in den leibhaftigen Satan, der war recht gräulich anzusehen. Mit triumphierender Gebärde stellte er sich vor die Frau und rief höhnisch: „Was am dritten Tag unter dem Kleid ist, gehört mir! Komm jetzt, deine Stunde hat geschlagen!“ Da warf sich die unglückliche Frau zu seinen Füßen nieder und flehte: „So nimm das Kleid zurück und lass mir mein Leben!“ Aber der Teufel hatte kein Erbarmen mit ihr, und auf einmal begann ihr Kleid zu glühen, das es ihr war, als ob sie in Feuer stünde. Schon wollte der Teufel nach seiner Beute greifen, da entschwebte die Gestalt der Frau gegen Himmel. Ein geweihtes Bildchen der Heiligen Jungfrau, das sie bei all ihrer Sündhaftigkeit stets an der Brust trug, rettete sie aus den Klauen des Bösen und gab ihr „den Stoß in den Himmel“. Ein Haus in der Gasse „Stoß im Himmel“ trug früherer Zeit ein Steinbild, auf dem eine gegen dem Himmel schwebende Frau zu sehen war, nach der der Teufel die Hände ausstreckt.
Bücher bei Amazon zum Thema
Sagen
Weitere Ergebnisse zum Thema
Sagen
seite weiterempfehlen seite drucken nach oben nach oben
alle Ärzte in Wien   diensthabende Apotheken in Wien   Notdienste Wetter
wien-vienna auf facebook   wien-vienna auf twitter   Buchtipps Veranstaltungstipps
Newsletter abonnieren   rss-feed abonnieren   Mail an die Redaktion Kunden-Login
 
Wien Bilder
Die Bilder stehen mit
929 x 622 Pixel in 72 dpi
zum Download bereit.
Folge wien-vienna.at auf Facebook
Folge wienviennaat auf Twitter
design by gaube - 2011
 
 
© Citype Internet-Portal BetriebsgesmbH A-1020 Wien, Praterstrasse 40/V (Lokal)

Impressum     Quellenverweise     FAQ     Ihre Ansprechpartner     E-Mail an die Redaktion
  wien-vienna.at in Englisch      RSS Feed      Kunden Log in      Newsletter abonnieren     Werbung in wien-vienna.at