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| Sagen aus Salzburg |
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| "Die Untersberger
auf Kriegsfahrt" |
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| Der Untersberg im Morgengrauen
von Salzburg aus. |
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| In einem Dorfe am Fuße des Untersberges schaute
einst eine Bäuerin von ihrem Haus in die Nacht hinaus. Der Berg
glänzte in einem gar wundersamen Licht, und die Sterne strahlten
und funkelten. Wie die Bäuerin all diese Pracht so bewunderte,
gewahrte sie plötzlich auf dem mondhellen Anger drei kleine
Männlein. Rasch kamen diese näher und riefen der Bäuerin zu, sie
solle das Haus öffnen. Die Frau kam ihrem Wunsch nach, doch die
kleinen Wichte waren noch nicht zufrieden, denn nun begehrten
sie etwas zu essen. Voll Appetit sprachen sie den guten Krapfen
zu und fragten endlich nach der Zeche. Als die Frau dafür nichts
nehmen wollte, sagten sie: „ Du darfst uns nichts schenken!“ und
legten bei diesen Worten drei alte Münzen unter das Salzfass.
„Willst du wissen“, sagten die kleinen Männchen, „wer wir sind?“
Da erwiderte die Frau: „Das möchte ich wohl, wenn es mir nicht
schadet.“ Da sprachen die drei: „ Wir kommen vom Untersberg und
ziehen nach Spanien; uns folgt ein großes Heer. Schließe den
Fensterladen, wenn die Schwarzen kommen. Marschieren aber die
Weißen, so magst du ihn öffnen. Hierauf verließen die drei
schwarzen Männlein das Haus, und nun kam ein Zug von kleinen
Kriegern, welcher eine volle Stunde währte. Der Zug war in
Scharen eingeteilt; an der Spitze jeder Schar ritt ein Führer.
Hinterher trabten immer vier kleine Reiter nebeneinander auf
weißen oder schwarzen Pferdchen. Alle trugen sie Lanzen und
Schwerter; den Beschluss aber bildete ein großer schwarzer Hund.
– Einstmals trafen sich sieben Holzknechte und drei
Reichenhaller, um über den Untersberg nach Salzburg zu gehen.
Als sie so miteinander über den Berg wanderten, kam ihnen auf
dem schmalen Pfad ein Zug schwarzer Männlein entgegen.
Erschrocken wichen die Wanderer zur Seite, um die Untersberger
vorüber zu lassen. Paar um Paar marschierten diese, bei 400 an
der Zahl; alle waren sie gleich gekleidet, voraus schritten zwei
Trommelschläger und zwei Pfeifer. Die Männlein zogen vorüber,
ohne sich um die erschrockenen Zuschauer, die ganze nahe dem
Wege standen, zu kümmern. Schließlich bogen sie um einen Felsen
und waren verschwunden. Bald hernach aber brach ein Krieg aus,
und nun erinnerte man sich auch der Prophezeiung, dass das
Erscheinen der Untersberger immer Krieg und Brand bedeutete. |
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| Die Südostflanke des
Untersberges vom Schlenken aus gesehen. |
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| Die
seltsamste Begebenheit aber hat sich voreinst im „Hangenden
Stein“ bei St. Leonhard ereignet, dort, wo die Straße vom
Berchtesgadener Land ins Salzburgische eintritt. Es war zur Zeit
der Franzosenkriege, da Salzburg bald diesem bald jenem Herrn
gehörte, als der Zöllner in tiefer Nacht aus dem Schlaf geweckt
wurde. Ein Zwerglein stand am Fenster und forderte ihn auf,
sogleich die Gitter, die die Straße sperrten, zu öffnen. Der
Zöllner blickte sich um und gewahrte eine unabsehbare Menge von
Untersbergern, so dass er nicht wagte, dem Befehl des Zwerges zu
widersprechen. Und nun begann der Durchmarsch der
Untersbergmännchen. Voran zogen Jünglinge in Reihen zu je 10
Mann, ihnen folgten Männer, die nach alter Art gekleidet und
bewaffnet waren, schließlich kamen würdige Greise mit
schlohweißen Bärten, es mochten Räte oder Richter sein. Wohl
zwei Stundenmochte der schweigsame Marsch gedauert haben, bis
der letzte Mann endlich befahl, das Gitter wieder zu schließen.
– Am frühen Morgen erkundigte sich der Zöllner bei den Bauern
der Umgebung – auch von ihnen hatten viele den Marsch vernommen.
Daraufhin machte der Beamte bei seiner vorgesetzten Behörde
Anzeige. Er wurde über den Vorfall genauestens einvernommen und
blieb sogar bei seiner Behauptung, als man ihm mit körperlicher
Züchtigung drohte. |
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