Sagen aus Wien
"Der Teufel auf dem Bisamberg"
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Der Steinbauer vom Kahlenbergerdorf ist mit seinem Hof arg verschuldet. Einzig und allein seine Tochter Resi reich zu verheiraten, sieht er als Möglichkeit, aus seiner mißlichen Lage herauszukommen. Das weiß auch der Poldl, der die Resi liebt, aber er ist arm wie eine Kirchenmaus und der Letzte, der für den Steinbauer als Schwiegersohn in Betracht käme. Traurig wandert der Poldl den Bisamberg hinauf, überlegt hin und her, grübelt, daß er schon Kopfweh hat, aber es fällt ihm nichts ein, wie er seine finanzielle Situation schnell verändern könnte. Es ist Frühling, aber die Schönheiten der Natur um ihn herum bemerkt er gar nicht. Er ist so in Gedanken versunken, daß er an einer Wegkreuzung glatt einen Jäger über den Haufen rennt. "Entschuldigung", stammelt er verlegen. "Macht ja nichts", sagt der Fremde mit der roten Hahnenfeder am Hut freundlich. "Mir sind deine Probleme bekannt. Und ich kann dir helfen." "Mir kann nur ein Wunder helfen", seufzt Poldl. "Oder der Teufel", grinst der Fremde, macht eine Verbeugung und zwinkert dem Burschen zu. Er zieht einen Bogen Papier aus dem Wams. "Du brauchst hier nur mit einem Tropfen Blut zu unterschreiben und ich mache dich zu einem reichen Mann." Nun weiß Poldl, mit wem er es zu tun hat. Die Aussicht, schnell zu Geld zu kommen, ist verlockend, aber ein Pakt mit dem Teufel gefällt ihm gar nicht. "Wie weiß ich denn, ob's funktioniert?" wirft der Poldl ein. "Da überschreib' ich Euch meine Seele, und dann passiert vielleicht gar nix! Ich will auf rechtschaffene Weise zu Geld kommen, im Spiel gewinnen oder einen Schatz finden." "Also gut", meint Der Teufel. "Zum einen geb ich dir diesen Goldtaler. Der ist dein Einsatz für heute Abend. Im Gasthaus "Zur roten Adler" spielen ein paar reiche Kaufleute Karten. Spiel mit und du wirst nicht verlieren. Am Sonntag dann gräbst du in deinem Gemüsegarterl. Und genau in dem Moment, wo der Steinbauer vom Frühschoppen nach Haus geht und bei dir vorbeikommt, wirst einen Schatz finden. Dann gibt er dir die Resi zur Frau." "Meinetwegen. Wenn's eintrifft und alles so passiert, dann treffen wir einander wieder, an dieser Wegkreuzung, unter diesem Baum, wenn der Baum kein einziges Blatt mehr trägt. Und dann unterschreib ich." Ganz wohl ist dem Poldl bei der Sache nicht, aber er tut, wie ihm der Teufel geheißen, geht zum Kartenspiel, gewinnt viel Geld, findet auch den Schatz, bekommt die Resi zur Frau und macht den Hof schuldenfrei. Und je mehr von dem eintrifft, was er sich gewünscht hat und je mehr das Jahr auf den Winter zugeht, umso mehr schlägt es sich ihm aufs Gemüt, daß es auch der Rosi auffällt und sie ihren Gatten nach seinen Sorgen fragt. Gerne erzählt er ihr von seinem Leid. "Was war denn das für ein Baum, unter dem ihr euch treffen wollt?" erkundigt sie sich. "Eine Eiche", antwortet Poldl. "Das ist gut", jubelt Resi, die sich mit Pflanzen auskennt. "Da wird der Teufel lange auf deine Seele warten müssen." Als der Herbst ins Land kommt, ergötzt sich der Teufel hämisch am fallenden Laub. Von der Eiche aber ist er enttäuscht. Die hat es gar nicht eilig mit dem Laub abwerfen. Sie hat noch kein einziges Blatt verloren. Er freut sich über die ersten Herbststürme, aber auch die richten bei der Eiche nichts aus. Frost und Eis im darauffolgenden Winter lassen ihre Blätter braun und runzlig werden. Aber selbst die Last des Schnees wirft sie nicht ab. Da weiß der Teufel, daß er der Betrogene ist. Als er im Frühjahr wieder bei der Eiche vorbeischaut und die ersten jungen Blätter erblickt, wird er so wütend, daß er über den Baum herfällt und von oben bis unten die jungen Triebe zerkratzt. Seither haben die Eichenblätter ihre gebuchtete Form.
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