Bildung
Wiener Schulmuseum
12, Längenfeldgasse 13-15
Öffnungszeiten: nur nach Vereinbarung
Führungen: nur gegen Vereinbarung
Eintritt: frei
Begonnen wurde mit der kompletten Einrichtung einer mit der klassischen Schulbank ausgestatteten Volkschulklasse, alten Kästen aus Massivholz und einem Exemplar der alten "Kanonenöfen", mit denen die Klassenzimmer beheizt wurden. In dieser Klasse sind noch die althergebrachten Schiebetafeln mit den charakteristischen Fixierstöpseln zu sehen. Papierkorb, Pendeluhr, Schönschreibtafel mit Fraktur und Deutscher Kurrentschrift, Leisten mit einer Reihe von Kleiderhaken und natürlich die Waschschüssel mit einem Wasserbehälter aus Messing für die Lehrer zum Hände waschen. Natürlich fehlen auch nicht Kreide, Schwamm und Trockentuch für die Tafel und auf der Schulbank für die "Taferlklassler" die berühmte Schiefertafel in welcher die Kinder die Notizen mit dem Griffel eingravierten. Ein überdimensionaler Setzkasten für den Deutschunterricht hat hier überlebt. Ultramodern und dennoch schon historisch sind die Tische und Sesseln einer Volksschulklasse aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Erreichbarkeit: U4, U6, Bus 12A bis Längenfeldgasse
Bus 15A, 59A bis Hans-Mandl-Berufsschule

Klassentreffen

Im 18. Jahrhundert wurde die Schule zu einer öffentlichen Angelegenheit; der beherrschende Einfluss der Jesuiten wurde gebrochen, die Machtfülle der katholischen Amtskirche eingeschränkt. Schule sollte sozial disziplinieren: durch die vermittelten und eingeübten Verhaltensweisen wollte der Staat seine Machtstrukturen legitimieren und absichern. Um alle jungen Menschen schulisch erfassen zu können, wurden die Unterrichtspflicht eingeführt (Allgemeine Schulordnung, 1774) und das Bildungswesen an Gesetze und Verordnungen gebunden (Maria-theresianische Neuordnung des Bildungswesens). In dieser staatlich-obrigkeitlichen Phase von Unterricht und Erziehung wurde die Studienhofkommission, die Vorläuferin des Unterrichtsministeriums, zu einer zentralen Planungs-, Lenkungs- und Verwaltungsinstitution ausgebaut; ihr Ziel war die schrittweise Einführung eines laizistischen Schulsystems. Die Alphabetisierung Österreichs machte, auch mit Hilfe von Zwangsmaßnahmen, rasch Fortschritte. Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten die Bürger die Entscheidungsgewalt in Bildungsfragen inne. Der Demokratisierungsprozess schritt zwar nur langsam voran, die sich bildenden politischen Parteien nahmen aber bald auch Stellung zu Unterricht und Erziehung und legten ihre Ziele in Programmen fest. In dieser bis heute andauernden staatlich-parteipolitischen Phase wurde die Bildungspolitik zum Gegenstand der Auseinandersetzung zwischen konkurrierenden Parteien. Am erfolgreichsten erwiesen sich die Deutschliberalen, die zur Zeit der Umgestaltung der Habsburgermonarchie in einen Verfassungsstaat tonangebend waren: sie schufen ein leistungsorientiertes Schulsystem und schalteten den Einfluss aller Religionsgemeinschaften aus. Erst 1962 kam es zu einer umfassenden Neuordnung (Schulgesetzwerk, H. Drimmel). Ein wichtiges Element in der Entwicklung des Unterrichts in den letzten 150 Jahren ist der Ausbau des berufsbildenden Schulwesens, der zunächst meist von Privaten initiiert und finanziert, bald vom Staat subventioniert und an Richtnormen gebunden (A.Dumreicher) und erst um die Mitte des 20. Jahrhunderts einheitlich gegliedert wurde (F. Cech). Österreich verfügt heute über ein dichtes Netz von schulischen Einrichtungen und ein vielfältiges Angebot für individuelle Bildungslaufbahnen mit Brücken und Übergängen, soziale und geschlechtsspezifische Hindernisse sind beseitigt; bei entsprechender Begabung und Lernwillen ist jedem der Zugang zu höchsten Qualifikationen möglich.
Literatur: H. Engelbrecht, Geschichte des österreichischen Bildungswesens, Band 1-5, 1982-88; derselbe, Bemerkungen zur Periodisierung der österreichischen Bildungsgeschichte, in: Zur Geschichte des österreichischen Bildungswesens, herausgegeben von E. Lechner und anderen, 1992; derselbe, Erziehung und Unterricht im Bild, 1995.
auszugsweise aus
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