Ausstellungsgebäude der Wiener Secession, Joseph
Maria Olbrich, 1897-1898
Das Haus der Wiener Secession
Josef M. Olbrich (Originalzeichnung)
Bereits in der
Gründungsversammlung der "Vereinigung bildender KünstlerInnen
Österreichs Wiener Secession" zählte die Errichtung eines eigenen
Ausstellungshauses zu den programmatischen Anliegen. Die
Secessionisten beauftragten den kaum 30jährigen Architekten Joseph
Maria Olbrich, damals Mitarbeiter im Atelier von Otto Wagner, mit
den Entwürfen zu dem Bau, der ein Schlüsselwerk des Wiener
Jugendstils werden sollte. Ein Grund an der Ringstraße war ursprünglich
als Bauplatz vorgesehen. Olbrichs Entwürfe ernteten jedoch im Wiener
Gemeinderat heftige Proteste. Erst nach der Verlegung des Bauplatzes in
die Friedrichstraße bewilligte der Gemeinderat die "Erbauung eines
provisorischen Ausstellungspavillons auf die Dauer von längstens zehn
Jahren" (Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 17. November 1897). Die
für den Bau nötigen Geldmittel wurden zum Teil von Mäzene, vor allem dem
Industriellen Karl Wittgenstein zur Verfügung gestellt, zum Teil aus dem
Erlös der I.Ausstellung in der k.k. Gartenbaugesellschaft gewonnen. Die
Gemeinde Wien widmete den Baugrund an der Wienzeile. Joseph Maria
Olbrich hat das Gebäude in einer zehnmonatigen Planung entwickelt, ihn
dabei immer wieder den veränderten Bedingungen angepasst, überarbeitet
und verfeinert. Am 28. April 1898 wurde der Grundstein im Rahmen einer
kleinen Feier gelegt. Nur sechs Monate danach, am 29. Oktober 1898, war
der Bau fertiggestellt.
Die Bautypologie
Die Secession zeigt im Grund- und Aufriss
eine sehr einfache Geometrie. Das Gebäude bedeckt rund 1000m2
Grundfläche und ist über einem zentralisierenden Grundriss errichtet.
Für den Eingangs- und Ausstellungstrakt verschränkt Olbrich das
Grundmotiv eines Quadrats zu mehreren kreuzförmigen Ordnungen. Aus
diesem Grundrissschema wird wiederum der Aufriss und damit die gesamte
plastische Gestalt des Gebäudes entwickelt. Beim Außenbau erhält die
ungebrochene Fläche überragende Bedeutung. Durch die vielfach
geschlossenen Wände wirkt der Bau von außen wie aus massiven Kuben
aufgebaut. Die strenge Geometrie wird jedoch von Olbrich nur als
genereller Rahmen verwendet, den er mit geschwungenen Linien, Kurvaturen
und Überschneidungen umspielt. Olbrich gliedert das Gebäude in "Kopf"
und "Leib", in den "repräsentativen" Eingangsbereich und den
"funktionalen" Ausstellungstrakt. Der Eingangsbereich wird von
hermetischen Blöcken flankiert und von vier Pylonen überragt, welche die
Kuppel umfassen. Der Ausstellungsraum ist nach basilikalem Schema in ein
erhöhtes Mittelschiff, zwei niedrigeren Seitenschiffen und einem
abschließenden Querschiff gegliedert; er ist fast zur Gänze mit
zeltartigen Glasdächern überdeckt, die dem Innenraum gleichmäßiges Licht
geben.
Die Symbolsprache der
Architektur
Der Lorbeer ist das dominierende
symbolische Element am fertigen Bau. Er findet sich auf den Pilastern
des Vordertraktes und der Eingangsnische wieder, er zeigt sich an
verschiedenen Kranzmotiven an der Seitenfassade und er überragt das
Gebäude in der aus 3000 vergoldeten Blättern und 700 Beeren bestehenden
Kuppel. Den Eingangsbereich zieren außerdem drei Gorgonenhäupter, die
die architektonischen, bildhauerischen und malerischen Künste
repräsentieren. An den Seitenfronten befinden sich von Joseph Maria
Olbrich (nach Entwürfen von Kolo Moser) selbst gestaltete Eulen.
Gorgonen und Eulen sind das Symbol der Pallas Athene, der Göttin der
Weisheit, des Sieges und der handwerklichen Künste. Joseph Maria Olbrich
verband den Bau mit einer symbolischen Zeichensprache, die hier eine
neue und unakademische Anwendung fand.
Zeitgenössische Kritik
Der Bau der Secession, heute ein
Höhepunkt jeder Wienreise, wurde um die Jahrhundertwende vor allem mit
Spott bedacht. Der Bau wurde als "Tempel für Laubfrösche", "Tempel der
anarchischen Kunstbewegung", "Mausoleum", "Ägyptisches Königsgrab",
"Grabmahl des Mahdi" und "Krematorium", die Kuppel als "Krauthappl", der
gesamte Bau als "Zwittergeburt von Tempel und Magazin" und "Kreuzung
zwischen einem Glashaus und einem Hochofen" bezeichnet.
Die Baugeschichte
Die Wiener Secession wurde in ihrer
hundertjährigen Geschichte mehrfach renoviert und umgebaut. Schon 1901
wurde die Eingangshalle umgestaltet. 1908 wurden Teile des Dekors, aber
auch der Spruch "Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit" entfernt.
Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus durch Bomben beschädigt und
beim Abzug der Deutschen Wehrmacht in Brand gesteckt. Die Renovierung
1963 rekonstruierte den ursprünglichen Dekor und fügte eine Galerie in
der Eingangshalle ein. 1984/85 erfolgte eine neuerliche
Generalrenovierung unter der Federführung von Adolf Krischanitz. Neben
der Wiederherstellung der originalen Raumtypologie des zentralen
Eingangs- und Ausstellungsbereichs, wurden die Räume für die
Ausstellungsorganisation sowie die Ausstellungstechnik neu organisiert
und weiterentwickelt.
Links: Erste Ausstellung
der Secession. Plakat von Gustav Klimt, 1898.
Rechts: XV. und XVI. Ausstellung der Secession.
Plakate von A. Böhm und A. Roller, 1902 und 1903.
Insgesamt finden in den Räumlichkeiten der Wiener Secession (Hauptraum,
Galerie, Grafisches Kabinett und Ver Sacrum Zimmer) jährlich circa 20
Ausstellungen statt. Die gesamte Ausstellungsfläche beträgt in etwa 1000
m2. Alle Ausstellungen werden von einer Publikation begleitet, oft
werden parallel dazu Veranstaltungen, Vorträge, Symposien,
Kunstgespräche, etc. angeboten.
Beethovenfries
"Die drei Gorgonen.
Krankheit, Wahnsinn und Tod"
Gustav Klimt - Der Beethovenfries. Leihgabe der Österreichischen Galerie
Belvedere
Gustav Klimt gestaltete den berühmten
Beethovenfries für die XIV. Ausstellung der Vereinigung bildender
KünstlerInnen Österreichs Secession, die vom 15. April bis 27. Juni 1902
stattfand.
In dieser Ausstellung erfuhr die Idee des secessionistischen
Gesamtkunstwerks unter der Leitung von Josef Hoffmann ihre
hervorragendste Ausprägung. Als Hommage an den Komponisten Ludwig van
Beethoven gedacht, bezogen sich die Werke von 21 Mitgliedern der
Künstlervereinigung inhaltlich und räumlich auf die eben von Max Klinger
fertiggestellte Beethovenfigur.
Klimts monumentaler Wandzyklus befand sich im linken Seitensaal, den der
Besucher der Ausstellung zuerst betrat. Heute wird der Fries als
eigenständiges Kunstwerk betrachtet und gilt als einer der Höhepunkte
des Wiener Jugendstils.
Vereinigung
bildender KünstlerInnen
Wiener Secession