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| Die Essgewohnheiten der
Kaiserin |
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Das Kaiserpaar beim
gemeinsamen Frühstück in der Wiener Hofburg,
nach Theo Zasche |
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Kaiserin Elisabeth hatte panische Angst vor Gewichtszunahme,
obwohl der Kaiser und alle Personen ihrer Umgebung von ihrer
Magerkeit entsetzt waren. Bei einer Körpergröße von 172
Zentimetern wog Sisi nie mehr als fünfzig Kilogramm. Überdies
litt die Kaiserin immer wieder – auch in den frühen Jahren – an
Schwellungen (v.a. an den Beinen, an den Knöcheln, im Gesicht),
was wiederum ihren Wunsch verstärkte, der vermeintlichen
Fettleibigkeit durch ausgedehntes Hungern zu begegnen. Kaiserin
Elisabeth wich den gemeinsamen Mahlzeiten auch deshalb aus, um
nicht mit der Familie (bzw. den offiziellen Gästen)
zusammenzutreffen – ein Umstand, den ihre Schwiegermutter,
Erzherzogin Sophie, nicht verstehen konnte.
Durch ihre ungesunde und unregelmäßige Lebensweise wurde
Elisabeths Magen anfällig für Krämpfe und Katarrhe, die sie oft
tagelang plagten. In solchen Fällen gab die Kaiserin dem Essen
bzw. dem Wein die Schuld an ihrer Unpäßlichkeit. Sie hatte
Probleme mit ihrer Verdauung und litt – trotz ihrer Freude an
Bewegung – an Darmträgheit, was wieder zu unerwünschter
„Gewichtszunahme“ führte. |
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Roastbeef mit Gemüse und
frischem Kren,
Zum schwarzen Kameel (Vermeilservice; Mousselineglasservice,
Lobmeyr) |
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Phasen, in denen die Kaiserin mit Appetit aß, wechselten mit
Perioden, in denen sie tagelang hungerte bzw. nur Flüssiges zu
sich nahm. Neben Orangensaft (Kaiser Franz Joseph befürchtete
eine Übersäuerung des Magens), Traubenkuren (in Meran),
Fleischsaft und Karlsbader Mineralwasser waren Milch und
Milchprodukte die beliebtesten Nahrungsmittel von Kaiserin
Elisabeth. Bereits aus dem Jahr 1867 gibt es den Nachweis, dass
sich die Kaiserin Fleischsaft zubereiten ließ; täglich wurde ein
Kalbsschlegel in ihre Kammer geliefert. Zur Herstellung des
Fleischsaftes ließ sich die Kaiserin Entenpressen aus Frankreich
besorgen, die bei Schäden von J.C. Klinkosch bzw. der Berndorfer
Metallwarenfabrik repariert oder ergänzt wurden. Vier davon
haben sich in der ehemaligen Hofsilber- und Tafelkammer
erhalten. Die sie auf ihren Reisen begleitenden Hofköche und
Hofzuckerbäcker mussten in der Behandlung dieser speziellen
Produkte versiert sein: „Die Kühe sind gut, - haben genug Milch,
so dass Seitz sowohl Buttermilch, wie auch Butter daraus macht,
- heute früh haben wir sehr guten Topfenkuchen gehabt.“ Wegen
Elisabeths Leidenschaft für Milch und Milchprodukte sowie Eier
war ja 1895 in Schönbrunn die Kammermeierei zur Haltung von
Kühen und Hühnern eingerichtet worden. |
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In Wien waren die Essensprobleme der Kaiserin wegen der ihr
unsympathischen Umgebung besonders groß. Wenn Elisabeth bei
offiziellen Diners erschien, nahm sie meist nur etwas Bouillon,
ein Stück Weißbrot und einige Früchte. Selten trank sie ein Glas
Wein dazu. Ihr Nachtisch bestand oft aus kleinen Eisstückchen,
auf die Orangensaft geträufelt war. In späterer Zeit- nach dem
Tod Kronprinz Rudolfs – nahm sie an festlichen Mahlzeiten sehr
selten teil; abends trank sie häufig nur Milch. Im Jahr 1866
(Krieg gegen Preußen) schrieb Kaiser Franz Joseph die
Appetitlosigkeit seiner Frau den politischen Verhältnissen zu: „Sisi
ist sehr mager geworden und hat viel mit mir gelitten.“ Auf
Reisen versuchte Kaiserin Elisabeth immer wieder, offiziellen
Einladungen nicht zuletzt deshalb aus dem Wege zu gehen, um dem
ihr unerträglichen Zwang zur Nahrungsaufnahme zu entgehen. Auch
unterwegs- nicht nur in Wien oder in „offiziellem“ Rahmen-
stellten sich Perioden ein, in denen sis das Essen völlig
ablehnte. Kaiserin Elisabeth hatte eine Schwäche, der sie trotz
aller Schlankheitsbemühungen immer wieder unterlage:
Süßigkeiten. Im Aktenbestand Obersthofmeisteramt Kaiserin
Elisabeth des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs finden sich
zahlreiche Rechnungen von Demel, Gerstner, Pischinger und
Gerbeaud, die diese Vorliebe belegen. Sogar nach Korfu ließ sie
sich Spezialitäten von Cabos nachschicken; von dieser Firma
bezog Sisi u.a. auch häufig Andrássy-Biskuit. Eine besondere
Vorliebe entwickelte sie für die Erzeugnisse Antom Rumpelmayers.
Der aus Oberösterreich stammende Zuckerbäcker hatte sich an der
Cóte d´Azur niedergelassen, wo auch Kaiserin Elisabeth viel Zeit
verbrachte. Regelmäßig besuchte sie das Geschäft und kaufte viel
bei ihm ein. Sie ernannte Rumpelmayer sogar zum k.u.k.
Hofzuckerbäcker. Die Ehefrau Rumpelmayers wurde von der Kaiserin
mit einer Brosche Namenschiffre ausgezeichnet. Rumpelmayer war
jedoch nicht nur Zuckerbäcker, er bot in seinen Etablissements
auch Speisen an; manchmal nahm die Kaiserin bei ihm ihre
Mahlzeiten ein. Seine Geschäfte befanden sich in Cannes, Menton,
Monte Carlo und Nizza. Die Tochter Rumpelmayers leitete eine
Filiale in Aixles-Bains, so dass die Kaiserin selbst in Savoyen
auf ihre geschätzten Zuckerbäckereien nicht verzichten musste.
Ihre bevorzugten Süßigkeiten waren Gefrorenes, Biskuit,
Bretzeln, und Zwieback. Manchmal bestellte sie auch Torten. Zu
den Speisen, die Kaiserin Elisabeth ebenfalls schätzte, gehörten
gesalzene Mehlspeisen wie Käsegebäck, Zwiebelkuchen, und
Schinkenkipferl. Die spätere Köchin der Kindsküche für
Erzherzogin Marie Valerie, Therese Teufl, bereitete speziell das
von Elisabeth so geschätzte Veilchengefrorene zu. Über dieses
äußerste sich Kaiser Franz Joseph einmal folgendermaßen: „Der
Gedanke an das Veilchen Gefrorene mit Orangen gab mir fast
Übligkeiten.“ Kaiserin Elisabeth war aber auch dem Genuß von
Genois-Kuchen (ähnlich dem Biskuit) nicht abgeneigt; es gab
sogar eigene Rezepte für die Kaiserin bei ihren
Frankreichaufenthalten von der Súreté zugeteilten
Sicherheitsbeamten, bestätigt: „Elle … marquait une prédilection
pour les friandises.“ Sisis Vorliebe für Süß- und Mehlspeisen
sprach sich bei den Vertretern des Bäcker- bzw.
Zuckerbäckergewerbes rasch herum. |
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Tafeln
mit Sisi |
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Gansleber-Weckerl und
Veilchen-Gefrorenes,
Champagner-Biscuit und
Karlsbader Mineralwasser –
hinter der gertenschlanken Linie
der schönen Kaiserin standen
höchst extravagante
Essgewohnheiten. Mit Hilfe
dieses Buches können Sie Sisis
Lieblingsrezepte nun nachlesen
und nachkochen. Kaiserin
Elisabeth war zeit ihres Lebens
so gertenschlank, dass Kaiser
Franz Joseph immer wieder voller
Sorge um die Gesundheit seiner
Frau war. Doch in ihren
Speiseplan ließ sie sich nichts
dreinreden, und in ihrer Angst
zuzunehmen, entwickelte sie ganz
spezielle Essgewohnheiten. |
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Format 16 x 22,5 cm
88 Seiten, 75 Abbildungen, Broschur |
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Die Autorin |
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Ingrid Haslinger, geboren in Wien, studierte an
der Universität Wien Anglistik und Geschichte.
Ihr privates Interesse an Tafelkultur und Kochen
sowie das Sammeln von Tafelgeräten und
Kochbüchern aus der Zeit der
österreichisch-ungarischen Monarchie führten zur
wissenschaftlichen Beschäftigung mit der
Tafelkultur der Habsburger. Die Autorin ist seit
1987 wissenschaftliche Mitarbeiterin der
Ehemaligen Hofsilber- und Tafelkammer in Wien
und Verfasserin zahlreicher Publikationen, u.a.
Küche und Tafelkultur am kaiserlichen Hof zu
Wien (Bern 1993), Marchfeldspargel – Das
Kaisergemüse (Wien 1997), Imperiale Züge (2001),
Tafelspitz, Fledermaus & Co – Die Wiener
Rindfleischküche (2005) sowie Die Tafel der
Mozarts (2005). Sie lebt in Deutsch-Wagram in
Niederösterreich. |
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| auszugsweise aus |
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| Ingrid Haslinger; Tafeln mit Sisi |
| Aus den Nachlässen von Hofköchen hat sich
eine Fülle von Rezepten erhalten, die für die Kaiserin
zusammengestellt wurden. Sie werden in diesem Buch ebenso
beschrieben wie jene Speisen, die die Kaiserin nachweislich
gegessen hat, detaillierte Menüs und Original-Hofrezepte von
Mahlzeiten, an denen sie teilgenommen hat, und
Gesundheitsrezepte der Wiener Hofapotheke. Daneben finden sich
unterhaltsame Geschichten rund um Sisis Speiseplan: Da gab es
Köche am Rande der Nervenzusammenbruchs, spezielles
„Catering-Service“ von Lloyds für ihre Reisen und – Wespentaille
hin oder her – eine Unzahl von Rechnungen der k. u. k.
Hofzuckerbäcker. Ein Lese- und Kochbuch, das Spaß und Appetit
macht. |
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mit freundlicher Genehmigung |
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| Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen |
| www.brandstaetter-verlag.at |
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