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| Sisi - Kaiserin Elisabeth |
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| Sisi wurde am Weihnachtsabend des Jahres 1837 in München geboren. Die Sommer ihrer
Kindheit verbrachte Sisi mit ihren sieben Geschwistern auf dem kleinen Schloss
Possenhofen, in der freien, ländlichen Gegend des Starnberger Sees. Ihre Eltern, Herzog
Max in Bayern und Ludovika, hatten keine offiziellen Verpflichtungen am Königshof, und
sie ließen die Kinder unbeschwert spielen, toben und reiten. Mit neun Jahren glich Sisi
eher einem braungebrannten Landkind als einer Prinzessin. |
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| Ludovika, Sisis Mutter, war eine Tochter des bayerischen
Königs Maximilian I. aus seiner zweiten Ehe mit Karolina von Baden. Im Gegensatz zu ihren
drei Schwestern heiratete sie nicht in eine königliche Familie, sondern in eine
Seitenlinie des Hauses Wittelsbach. Dass ihrem Mann und damit derLinie
Birkenfeld-Gelnhausen der Titel eines "Herzogs in Bayern" zuerkannt wurde, war
nur ein schwacher Trost für die enttäuschte Ludovika. Nach der Hochzeit am 9. September
1828 offenbarten sich Eheschwierigkeiten, die sich vorher bereits hatten erahnen lassen.
Max, als typischer Wittelsbacher, war freiheitsliebend, exzentrisch und unzuverlässig,
wenn auch charmant. Er verbrachte viel Zeit auf Reisen, immer auf der Flucht vor allem,
was in irgendeiner Weise nach offiziellen Pflichten aussah. Ludovika dagegen widmete sich
pflichtbewusst und tatkräftig ihren Kindern, obgleich sie erst spät begann, ihren
Töchtern Disziplin beizubringen und in das aristokratische Leben einzuführen. Die große
Chance für die ehrgeizige Mutter kam, als Sisis älteste Schwester Helene als Ehefrau
für den österreichischen Kaiser ins Gespräch kam. Während Max für solche Kuppeleien
nichts übrig hatte, versuchte Ludovika, auf diese Weise endlich doch in die nähe einer
Krone zu kommen. |
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Links: Schloss Possenhofenam Starnberger See, 1854
Rechts: "Erinnerungen an Possenhofen", Franz Joseph und Elisabeth sowie
Herzog Max in Bayern bei einer Bootsfahrt. Lithographie, 1853
Bilder: aus Katrin Unterreiner; Sisi - Mythos und Wahrheit; Verlag Christian Brandstätter |
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| Ludovika und ihre Schwester Sophie, die Mutter des
österreichischen Kaisers Franz Joseph, hatten Sisis älteste Schwester Helene zur Braut
des jungen Monarchen bestimmt. Im Sommer 1853 sollten die beiden sich in Bad Ischl
verloben. Doch Franz Joseph machte den beiden Müttern einen Strich durch die Rechnung.
Statt in Helene verliebte er sich auf den ersten Blick in die 15-jährige Sisi, die nur
als Begleitung mit Mutter und Schwester ins Salzkammergut gekommen war. Einen Tag später
fand die Verlobung statt. |
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Ankunft Elisabeths in Nußdorf bei Wien am 22. April
1854
Bild: aus Katrin Unterreiner; Sisi - Mythos und Wahrheit; Verlag Christian Brandstätter |
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| Im April 1854 fand die prunkvolle Hochzeit in der Wiener
Augustinerkirche statt. Am Anfang ihrer Ehe bemühte sich Sisi noch darum, die in sie
gesetzten Erwartungen zu erfüllen, so sehr ihr das Zeremoniell der Wiener Hofburg und das
strenge Regiment ihrer Schwiegermutter Sophie verhasst waren. Während Sisis Schönheit
und ihre Natürlichkeit sie beim Volk rasch beliebt machten, bemühte sich Sophie, aus dem
freiheitsdurstigen Kind eine disziplinierte Kaiserin zu machen. Sisi flüchtete in
Melancholie. Wenig Trost fand sie bei ihrem vielbeschäftigten Ehemann, der in der ersten
Zeit in Wien ihr einziger Halt war. 1858 erfüllte Sisi ihre Hauptverpflichtung als
Kaiserin: Nach den zwei Töchtern Sophie und Gisela brachte sie den langersehnten
Kronprinzen Rudolf zur Welt. Alle drei Kinder wurden der Aufsicht der Mutter entzogen und
der Obhut von Erzherzogin Sophie unterstellt, die ihnen eine angemessene Erziehung
zukommen lassen wollte. Sisis Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter verschlechterte sich
dadurch aber zusehends. Inmitten der Revolutionswirren von 1848 bestieg Franz Joseph
18-jährig den österreichischen Kaiserthron, ein Spielball seiner Berater und seiner
Mutter , deren kühle Steifheit er geerbt hatte. Pflichtbewusst und dogmatisch bis zur
Grausamkeit regierte er bis 1916 über Österreich.Obgleich er seiner Frau sehr zugeneigt
war, litt sie ihr ganzes Leben unter seinem arroganten und langweiligen Wesen und seiner
Nachlässigkeit, die er bei aller Freundlichkeit ihr gegenüber an den Tag legte. Seine
kühlen Liebeserklärungen waren oft mit Kritik gemischt, seine Frauengeschichten führten
zu Sisis Flucht aus Wien. Erst im Alter konnte Sisi dem zurückhaltenden und einsamen Mann
mehr Verständnis entgegenbringen. Erzherzogin Sophie, Sisis Schwiegermutter, war
Ludovikas ältere Schwester und wie diese eine Tochter des bayerischen Königs Maximilian
I. Joseph. Sie war eine Frau mit eigenem Willen und setzte 1848 nach der Abdankung Kaiser
Ferdinands I. die Krönung ihres Sohnes Franz Joseph zum österreichischen Kaiser durch.
Ihren willensschwachen Ehemann Franz Karl, den eigentlichen Thronfolger, überging sie
dabei genauso, wie sie auf eigene Thronansprüche verzichtete. Bekannt als "der
einzige Mann bei Hofe", war Sophie es, die in den ersten Regierungsjahren Franz
Josephs durch Rat und Tat die Politik Österreichs bestimmte. Sie führte das Regiment in
der Wiener Hofburg und achtete streng auf die Einhaltung der Etikette und des
"Spanischen Hofzeremoniells". Sophies rigorose Haltung gegenüber der
ungewollten Schwiegertochter Sisi entsprang ihrer eigenen Verwurzelung in dieser Welt des
höfischen Protokolls, die Sisi so gerne verspottete. Zum Bruch zwischen Sisi und Wien kam
es erst 1860, als Liebesaffären Franz Josephs bekanntwurden. Sisi fühlte sich nun nach
Sophie auch von ihrem Mann verraten. Zudem litt sie an einer seltsamen Krankheit, die von
den Hofärzten vorsichtig als "Lungenschwindsucht" bezeichnet wurde, während
die Symptome in ihrer Gesamtheit eine Geschlechtskrankheit vermuten lassen. Von Franz
Joseph zutiefst verletzt, flüchtete Sisi aus Wien und begann, rastlos zu reisen. Madeira,
Venedig und Korfu wurden in den nächsten zwei Jahren ihre bevorzugten Aufenthaltsorte.
Doch auch später kehrte sie nur noch selten nach Wien zurück. Aus der verunsicherten
jungen Kaiserin wurde eine selbstbewusste, reife Frau. Das Reisen wurde ihr Lebensinhalt:
"Wenn ich irgendwo angekommen wäre und wüsste, dass ich mich nie mehr davon
entfernen könnte, würde mir der Aufenthalt selbst in einem Paradies zur Hölle,"
vertraute sie Jahre nach der ersten Flucht ihrem Griechischlehrer an. Die Ungarn waren
immer ein Dorn im Fleisch des österreichischen Vielvölkerstaates. Vergebens hatten sie
1848 um ihre Freiheit gekämpft. Sisi liebte Ungarn, teilweise aus Protest gegen Sophie,
die alles Ungarische verabscheute, aber auch, weil sie sich zu Sprache und Menschen dieses
Landes hingezogen fühlte. Das Jahr 1866 stürzte Österreich in eine schwere Krise, die
das Habsburgerreich von vielen Seiten zu zerbrechen drohte. Doch Sisis Einsatz für einen
österreichisch- ungarischen Ausgleich auf der Grundlage besonderer Rechte und Freiheiten
für Ungarn unterstützte die Entspannung zwischen Wien und Budapest. Das Habsburgerreich
wurde in zwei gleichberechtigte Teile geteilt. |
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Oben: Arbeitszimmer,
Kaiserappartements/Hofburg
Rechts: Schlafzimmer, Kaiserappartements/Hofburg |
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| Es entstand eine Doppelmonarchie mit Wien und Budapest als
gleichberechtigten Hauptstädten. 1867 wurde Franz Joseph zum König von Ungarn gekrönt -
Sisis größter politischer Triumph. 10 Monate später kam Sisis jüngste Tochter, Marie
Valerie, zur Welt. Liebevoll das "ungarische Kind" genannt, wurde sie in der von
Sisi so geliebten ungarischen Sprache erzogen und stand ihrer Mutter immer näher als die
von Sophie aufgezogenen Kinder.Trotz ihres Einsatzes für Ungarn war Sisi im tiefsten
Innern kein politischer Mensch. Stattdessen setzte Sisi auf die Macht ihrer Schönheit,
für die sie weltweit bewundert und angebetet wurde. Bei einer Größe von 172 cm wog sie
nur 50 kg, und ihre ohnehin schmale Hüfte schnürte sie auf 65 cm. Ihr ganzer Stolz war
ihr fersenlanges Haar, dessen Pflege jeden Tag Stunden dauerte. Sie selber nannte sich
"Sklavin meiner Haare". Um diese Schönheit zu erhalten, hielt Sisi strenge
Diät und trieb exzessiv Sport - sie ritt, turnte und wanderte. Ihre Schönheit
verschaffte ihr Ruhm, aber in späteren Jahren folgten daraus auch körperliche Schwäche
und Hungerödeme. Reiten war für Sisi nicht nur eine Sportart zur körperlichen
Ertüchtigung und zur Erhaltung ihrer Figur, es war auch eine Möglichkeit der
Selbstdarstellung. Sisi trainierte ehrgeizig viele Stunden am Tag, um nicht nur die
schönste Monarchin der Welt, sondern auch die beste Reiterin zu sein und ihre einzige
aristokratische Rivalin auf dem Pferderücken, Kaiserin Eugénie von Frankreich, zu
übertreffen. |
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| Die von vielen beneidete Kaiserin von Österreich konnte
den Schicksalsschlägen nicht entgehen, die ihr Leben begleiteten. 1857 starb ihre erste
Tochter Sophie im Alter von nur zwei Jahren. Zehn Jahre später wurde ihr Schwager, Kaiser
Maximilian I. von Mexiko, von antimonarchischen Aufständischen im eigenen Land
erschossen. Seine Frau Charlotte verfiel in Wahnsinn, verbrachte die letzten fünfzig
Jahre ihres Lebens in geistiger Umnachtung auf Schloss Miramare, in unbewohnten
fürstlichen Häusern und in Nervenkliniken. Einer von Sisis nächsten Freunden, König
Ludwig II. von Bayern, wurde 1886 ebenfalls für geisteskrank erklärt und
gefangengesetzt. Wenig später ertrank er unter bis heute ungeklärten Umständen im
Starnberger See. Als Sisis Sohn Rudolf 1889 in Mayerling mit seiner Geliebten Mary Vetsera
Selbstmord beging, konnte sich Sisi nie mehr von diesem Schlag erholen. Zunehmend
vereinsamt erlebte sie den Tod ihrer Schwester Sophie, die 1897 beim Brand auf einem
Wohltätigkeitsbasar in Paris starb. Im Laufe der Jahre kamen zu den zahlreichen
Todesfällen in Sisis Familie eigene Selbstmordgedanken hinzu, durchgespielt in Gedichten,
ohne in die Tat umgesetzt zu werden. Als der Anarchist Luigi Lucheni der Kaiserin von
Österreich am 10. September 1898 in Genf eine geschliffene Feile ins Herz stieß, traf er
eine vom Leben enttäuschte Frau. Das Schicksal hatte Sisi zuletzt doch noch gefunden. |
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Der Nachwelt, den von ihr so genannten "Zukunfts-Seelen",
hinterließ sie traurige Bilder ihrer Einsamkeit: "Ich wandle einsam hin auf
dieser Erde,
Der Lust, dem Leben längst schon abgewandt;
Es teilt mein Seelenleben kein Gefährte,
Die Seele gab es nie, die mich verstand."
(Sisi, das poetische Tagebuch) |
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| Katrin Unterreiner; Sisi - Mythos und Wahrheit |
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| Elisabeth im Film |
| In den frühen Filmen der 1920er und 1930er Jahre spielte
Elisabeth nur Nebenrollen in Filmen über Kaiser Franz Joseph oder Kronprinz
Rudolf und wurde daher auch nicht als junge liebreizende Kaiserin, sondern als reife Frau
dargestellt. Erst mit Ernst Marischkas Sissi-Trilogie aus den 1950er Jahren
wurde Elisabeth zur weltweit bekannten und verehrten Sissi. Dazu trug vor
allem die junge Romy Schneider bei, die bis heute das Bild der jungen, |
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herzigen, ungezwungenen Sissi prägt, das jedoch nur wenig mit der
tatsächlichen Persönlichkeit der Kaiserin Elisabeth übereinstimmt. Der dritte Teil der
Sissi-Filme endet bezeichnenderweise genau in dem Moment, als Elisabeth aus
ihrer Rolle als Kaiserin und Gemahlin ausbricht und ein unabhängiges Leben nach ihren
persönlichen Vorstellungen durchsetzt. Dieser Teil ihres Lebens hätte schlecht in das
Bild der liebenden Ehefrau, aufopfernden Mutter und mildtätigen Kaiserin, die um das Wohl
ihres Volkes besorgt ist und der die Herzen zufliegen, gepasst und wurde daher kurzerhand
weggelassen. Dieser Umstand trug dazu bei, dass weltweit in erster Linie die romantische |
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| Liebesgeschichte und das Bild einer beliebten
Kaiserin bekannt wurde und bis heute vielfach angenommen wird, Elisabeth sei früh
gestorben, da man von ihrem späteren Leben nichts weiß. Noch einmal trat Romy Schneider
als Kaiserin Elisabeth im Film auf: Luchino Visconti zeigte in seinem Ludwig
II. eine kapriziöse, distanzierte Elisabeth, die mit der reizenden
Sissi aus den 1950er Jahren nichts mehr gemein hatte. Doch bei Visconti stand
Elisabeths Cousin Ludwig im Mittelpunkt, mehr als eine Momentaufnahme der Kaiserin wurde
in diesem 1972 gedrehten Film also nicht gegeben. |
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| Am Hof in Wien |
Elisabeth fühlt sich vom ersten Tag an unwohl in ihrer
neuen Rolle, versucht aber zu Beginn noch, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen.
Doch ihre Pflichten als Kaiserin sind ihr vom ersten Tag an unangenehm, Repräsentation
und das strenge Hofzeremoniell sind ihr lästig, sie verabscheut die starren
hierarchischen Strukturen und Intrigen des Wiener Hofes. Ständig ist sie dem Zeremoniell
und ihrer Stellung als erste Dame bei Hof entsprechend von Hofdamen Damen der
Hocharistokratie, von denen sie sich bespitzelt und beobachtet fühlt umgeben. Bei
repräsentativen Auftritten fühlt sie sich nach eigenen Worten vorgeführt wie ein Pferd
im Geschirr. Sisi leidet zunehmend unter dem Verlust ihrer persönlichen
Freiheit: Die junge Kaiserin beginnt an Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und anhaltendem
Husten zu leiden. Um einer Lungenerkrankung vorzubeugen, wird sie 1860 auf Anraten der
Ärzte nach Madeira geschickt. Zum ersten Mal ist Sisi wieder frei von jeglicher
Verpflichtung und genießt ihr Leben weitab von höfischen Zwängen. Sie dehnt den
Kuraufenthalt aus und versucht so lange wie möglich von Wien wegzubleiben. Sie reist nach
Korfu und Venedig, dann nach Reichenau an der Rax und Possenhofen - um Wien macht sie
einen großen Bogen. Als Elisabeth nach fast zweijähriger Abwesenheit an den Wiener Hof
zurückkehrt, ist eine tief greifende Verwandlung vor sich gegangen:
Aus dem anmutigen, aber schüchternen und melancholischen Mädchen ist eine selbstbewusste
stolze Schönheit geworden. In dieser Zeit entstehen auch die berühmten Portraits von
Franz Xaver Winterhalter. Das bekannteste ist zweifellos jenes Gemälde aus dem Jahr 1865,
das Elisabeth in Hofgala mit Diamantsternen im Haar zeigt. |
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| Bild oben: Originaler Diamantstern der Kaiserin Elisabeth nach dem
Entwurf des ehemaligen Hofjuweliers Rozet & Fischmeister. Elisabeth besaß nicht nur
ein Set von 27 Diamantsternen, es haben sich bis heute zwei Versionen der berühmten
Sterne erhalten. Eine Variante stammt von Hofjuwelier Jakob Heinrich Köchert und ist mit
einer Perle in der Mitte gearbeitet, eine zweite Variante ohne Perle wurde nach einem
Entwurf von Hofjuwelier Rozet & Fischmeister angefertigt. Einige Sterne wurden an
Hofdamen verschenkt und befinden sich |
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bis heute im Besitz der Nachkommen, ein
Set von 27 Diamantsternen wurde in der Familie weitervererbt. So sind diese Sterne auf
einer Photographie abgebildet, die den Brauttrousseau der Erzherzogin Elisabeth (genannt
Erzsi), der Tochter Kronprinz Rudolfs, anlässlich ihrer Hochzeit mit Otto Fürst
Windisch-Graetz im Jahr 1902 zeigt.
Bild oben links: Kaiserin Elisabeth in Hofgala mit Diamantsternen;
Gemälde von Franz
Xaver Winterhalter, 1865. |
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| Bild: Die Allerhöchste Kaiserfamilie; Photographie von Ludwig Angerer,
1859. Bezeichnenderweise gibt es nur ein einziges Photo, auf dem Elisabeth gemeinsam mit
ihrer Familie und ihren Kindern zu sehen ist. Dargestellt sind sitzend v. l. n. r.
Elisabeth mit dem kleinen Rudolf auf dem Schoß, Gisela, Erzherzogin Sophie sowie
Erzherzog Franz Karl. Dahinter stehend v. l. n. r. Franz Joseph, Ferdinand Max (der
spätere Kaiser von Mexiko), seine Gemahlin Charlotte, Franz Josephs jüngster Bruder
Ludwig Viktor sowie Karl Ludwig. Elisabeth lässt sich im Gegensatz zu Franz Joseph kein
einziges Mal mit ihren Kindern oder auch nur einem ihrer Kinder photographieren.
Darstellungen der kaiserlichen Familie sind zumeist Photomontagen, um in der
Öffentlichkeit den Eindruck eines normalen Familienlebens zu vermitteln. |
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| Schönheitskult |
| Wie Schön ist sie!, ruft der Schah von Persien
gegen jede Etikette aus, als ihn Elisabeth 1873 empfängt. Männer und Frauen ihrer
Zeit schwärmen von der märchenhaften Schönheit Elisabeths, sind aber noch mehr
angezogen von ihrer Anmut, Ausstrahlung und der geheimnisvollen Aura, die die Kaiserin
umgibt. Elisabeth gilt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit und ist sich dessen
durchaus bewusst. Ihre Schönheitspflege nimmt einen Großteil ihres Tagesablaufes ein.
Besonders stolz ist Elisabeth auf ihr dichtes Haar, das täglich zwei bis drei Stunden
lang frisiert wird. Ihre Friseurin Franziska (Fanny) Feifalik spielt hier eine
entscheidende Rolle. Die ehemalige Friseurin des Wiener Burgtheaters ist für die
kunstvollen Frisuren verantwortlich, muss während des Frisierens immer weiße Handschuhe
tragen, Ringe sind verboten. Nach dem stundenlangen Frisieren, Flechten und Hochstecken
müssen die dabei ausgefallenen Haare in einer silbernen Schüssel vorgezeigt werden,
jedes verlorene Haar hat einen vorwurfsvollen Blick der Kaiserin zur Folge und ihre Nichte
Marie Larisch bemerkt dazu spöttisch, dass die Haare auf Tante Sisis Kopf
nummeriert seien. Die Haare werden alle vierzehn Tage mit einer extra angefertigten
Mixtur aus Eigelb und Cognac gewaschen, eine Prozedur, die einen ganzen Tag in Anspruch
nimmt. In späteren Jahren lässt sie sich vermutlich die Haare mit Indigo und einem
Extrakt aus Nussschalen tönen. Die Frisierstunden nutzt Elisabeth vor allem, um Sprachen
zu lernen. Ungarisch sowie später vor allem Alt- und Neugriechisch. Für letzteres hat
sie Constantin Christomanos engagiert: Er liest ihr vor, korrigiert ihre Sprachübungen
und philosophiert mit der Kaiserin. Christomanos beschreibt diese Frisierstunden in der
Hofburg folgendermaßen: Das Frisieren dauert immer fast zwei Stunden, sagte sie,
und während meine Haare so sehr beschäftigt sind, bleibt mein Geist träge. Ich
fürchte, er geht aus den Haaren hinaus in die Finger der Friseuse. Deswegen tut mir dann
der Kopf so weh. Die Kaiserin saß an einem Tisch, der in der Mitte des Raumes gerückt
und mit einem weißen Tuch bedeckt war, in einen weißen, mit Spitzen besetzten
Frisiermantel gehüllt, mit aufgelösten Haaren, die bis zum Boden reichten und ihre
Gestalt vollkommen einwickelten. |
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Bild oben: Handspiegel der Kaiserin Elisabeth.
Bild links: Elisabeth im Morgenlicht, Kopie von E. Riegele nach dem Original von Franz
Xaver Winterhalter, 1864. Es gibt nur wenige Maler, für die sie Modell saß, dazu zählen
die Porträts von Franz Xaver Winterhalter, Franz Schrotzberg und Georg Raab. |
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| Um ihre viel bewunderte Schönheit zu erhalten, probiert
Elisabeth unzählige Schönheitsrezepte aus. Sie hat kein persönliches Geheimrezept auf
das sie schwört, sondern testet immer wieder etwas Neues. Die Pflegeprodukte werden
entweder in der Hofapotheke oder von einer Kammerfrau direkt in ihrem Appartement für sie
angefertigt. Interessant ist, dass Elisabeth weniger mit ausgefallenen Cremen
experimentiert, sondern viel größeren Wert auf verschiedenste Waschwasser, Tinkturen und
Lotionen legt, von denen sie sich offenbar größeren Erfolg verspricht. Elisabeth
verwendet meistens eine einfache Toilettecreme, die in der Hofapotheke hergestellt wird.
Diese so genannte Crème Céleste wird aus weißem Wachs, Walrat, süßem Mandelöl und
Rosenwasser hergestellt. Eine weitere Creme, die (wie kürzlich entdeckte
Schönheitsrezepte zeigen) wiederholt für Elisabeth bestellt wird, ist die bei vielen
Damen des Hofes geschätzte Coldcreme, die aus Mandelöl, Kakaobutter, Bienenwachs und
Rosenwasser hergestellt wird. Sie verdankt ihren Namen dem kühlenden, erfrischenden
Effekt, den sie auf der Haut hat: Da die Wasser-Öl-Emulsion instabil ist und auf der Haut
leicht bricht, verdunstet das Wasser schneller und die Creme wirkt angenehm kühlend. Bei
Gesichtswassern verwendet Elisabeth vor allem Rosen-Gesichtswasser, das die Haut vor
Entzündungen und Unreinheiten schützen soll. Außerdem probiert die Kaiserin
Kamillen-Rosen-, Lavendel- sowie natürlich Veilchen-Lotionen. Elisabeth schwört aber
auch auf ausgefallene Methoden wie Masken aus zerdrückten Erdbeeren oder rohem
Kalbfleisch, mit dem sie Ledergesichtsmasken auslegt die sie dann über Nacht trägt. Im
Gegensatz zu anderen Frauen ihrer Zeit lehnt Elisabeth starke Schminke oder Parfum strikt
ab. Sie legt großen Wert auf Natürlichkeit und nur ihre Haarpracht wird mit Duftessenzen
besprüht. Wesentlich mehr Zeit als der Gesichtspflege widmet Elisabeth ihrer
Körperpflege. Sie badet täglich, wobei sich Dampf- mit Ölbädern und dann wieder kalten
Bädern abwechseln. Besonders gerne nimmt Elisabeth warme Olivenbäder, die die Haut zart
und geschmeidig halten sollen. Nachts schläft sie oft mit in Toiletteessig getränkten
Tüchern oberhalb der Hüfte, um ihre Schlankheit zu bewahren. Ihr Lieblingsessig ist
Veilchenessig, der aus frisch gepflückten Veilchenblüten, Apfelessig, destilliertem
Wasser sowie Veilchenpulver angefertigt wird: Die Veilchenblüten in eine bauchige
Flasche schichten, den Apfelessig übergießen. Fest verschließen und zwei Tage ziehen
lassen. Danach durch ein Haarsieb filtrieren und die Blüten mit einem Holzlöffel
auspressen. Etwas von dem destillierten Wasser wegnehmen und darin das
Veilchenwurzelpulver glatt anrühren. Zu dem destillierten Wasser gießen und alles
miteinander kräftig schütteln. Außerdem schläft Elisabeth ohne Kopfpolster
wohl um ihre aufrechte Haltung zu bewahren und umwickelt angeblich ihren
Hals mit in Kummerfeldsches tonisierendes Waschwasser getränkten Tüchern. |
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| Dame in Schwarz |
| Nach dem tragischen Selbstmord ihres einzigen Sohnes Rudolf
im Jahr 1889 wird Elisabeth immer verbitterter, zieht sich immer mehr in sich zurück,
wird menschenscheu und unnahbar. Sie trägt ab jetzt ausschließlich Schwarz und die
meisten erleben Elisabeth nur noch als schwarze Silhouette in der Ferne. Ihren letzten
offiziellen Auftritt absolviert sie im Jahr 1896 anlässlich der Millenniumsfeiern in
Budapest. Kalman Mikszáth, der beim Empfang in der Budapester Burg anwesend ist,
schildert seine Eindrücke: Dort sitzt sie im Thronsaal der königlichen Burg in
ihrem schwarzen, mit Spitzen durchwirkten ungarischen Gewand. Alles, alles an ihr ist
düster. Von dem dunklen Haar wallt ein schwarzer Schleier herab. Haarnadeln schwarz,
Perlen schwarz, alles schwarz, nur der Antlitz marmorweiß und unsagbar traurig
Eine Mater dolorosa
Sie ist es noch, doch der Kummer hat seine Spuren in dieses
Antlitz eingegraben
Keine einzige Bewegung, kein einziger Blick verrät Interesse.
Einer marmorbleichen Statue gleicht sie
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| Titania |
Ich eil ins Reich der Träume, Mein Meister, da
bist Du,
Es jubelt meine Seele Begeistert schon Dir zu!
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An meinen Meister, 1887
Elisabeth, die seit ihrer Jugend dichtet, flüchtet sich immer mehr in schwärmerische
Poesie. Sie liebt Homer und schreibt, inspiriert von ihrem großen Idol Heinrich Heine,
zahlreiche Gedichte, die von ihrer Enttäuschung, ihrer Schwermut und ihren Sehnsüchten,
aber auch von Menschenverachtung und zunehmender Isolation geprägt sind.
Nicht soll Titania unter
Menschen gehen In diese Welt, wo niemand sie versteht, Wo hunderttausend Gaffer sie
umstehen, Neugierig flüsternd: Seht, die Närrin, seht! Wo Mißgunst neidisch
pflegt ihr nachzuspähen, Die jede ihrer Handlungen verdreht, Sie kehre heim in jene
Regionen, Wo ihr verwandte schönre Seelen wohnen.

An Titania, 1888
Constantin Christomanos verewigte in seinen Memoiren die Erinnerungen an die Lesestunden
mit der Kaiserin, bei denen Heine allgegenwärtig war: Als wir über Leben und
Weltsysteme sprachen, begann sie mit einer Stimme wie flüssige Ironie zu deklamieren
- es folgt das 58. Gedicht des Heimkehr-Zyklus aus Heines Buch der
Lieder. Elisabeths Verehrung für den 1856 verstorbenen Dichter ist auch als Zeichen
ihrer geistigen Unabhängigkeit und Selbständigkeit zu verstehen. Heine ist zu der Zeit
bei weitem kein anerkannter Dichter, aber gerade seine realistische Zeitkritik und Ironie,
die einen europäischen Skandal auslösten, ziehen sie an. Außerdem macht ihn allein die
Tatsache, dass auch er als Außenseiter betrachtet wird, sympathisch. |
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Bild links: Schreibgarnitur der Kaiserin
aus vergoldetem Silber und Lapislazuli.
Bild rechts: An diesem Schreibtisch in ihrem Wohn- und Schlafzimmer in der Hofburg
verfasste Kaiserin Elisabeth viele ihrer Gedichte. |
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| Elisabeth beginnt sich auch mit der Feenkönigin Titania
aus Shakespeares Sommernachtstraum zu identifizieren. Franz Joseph kann zwar
mit den Wolkenkraxeleien seiner Frau nichts anfangen, um ihr aber eine Freude
zu machen, lässt er ihr Schlafzimmer in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten in Wien,
das sie Titanias Zauberschloss nennt, mit Szenen aus dem
Sommernachtstraum ausmalen. |
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| Das Begräbnis |
| Elisabeths Leichnam wird nach Wien gebracht und zunächst
in der Burgkapelle aufgebahrt. Am 17. September findet das feierliche Begräbnis in der
Kapuzinergruft statt. Doch das Mitgefühl der Menschen gilt vor allem dem Kaiser, der
einen neuen Schicksalsschlag erlitten hat. Graf Kielmannsegg bemerkte später nüchtern:
Es wurden ihr nur wenige Tränen nachgeweint. Doch mit ihrem tragischen Tod
beginnt Elisabeths Unsterblichkeit vergessen ist alle Kritik. Was bleibt, ist die
Erinnerung an die schöne, unnahbare Kaiserin. Der Mythos Sisi ist geboren. |
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| Epilog |
| Luigi Luccheni versuchte unmittelbar nach der Tat zu
fliehen, wobei er die Feile wegwarf, der dabei die Spitze abbrach. Doch schon nach wenigen
Metern wurde er festgehalten und verhaftet. Erst viel später, als man von der tödlichen
Verletzung Elisabeths erfuhr, wurde die unscheinbare Feile gesucht und gefunden. Genau
einen Monat nach dem Attentat stand Luccheni vor Gericht, stolz bekannte er sich zu diesem
Mord und stellte mit Genugtuung das große Interesse an seinem Prozess und seine
Berühmtheit fest. Das Urteil lautete lebenslänglicher Kerker. Luccheni war enttäuscht,
dass nach Genfer Recht verhandelt wurde und er daher für seine Tat nicht die Todesstrafe
erhalten konnte. Zwölf Jahre später, im Oktober 1910, erhängte sich Luccheni mit seinem
Ledergürtel in seiner Zelle. Im Jahr 1984 wurden unter der Auflage strengster
Verschwiegenheit die konservierten sterblichen Überreste Lucchenis in das
Pathologisch-anatomische Bundesmuseum im Narrenturm des Alten Allgemeinen Krankenhauses in
Wien überstellt. Nachdem es sich bei dem präparierten Kopf nicht um ein wissenschaftlich
auswertbares Präparat handelte und um jeglicher Sensationsgier entgegenzuwirken, wurde
Luigi Luccheni im Jahre 2002 in aller Stillte am Zentralfriedhof feuerbestattet. |
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| auszugsweise aus |
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| Katrin Unterreiner; Sisi - Mythos und Wahrheit |
Die Geschichte Elisabeths wird auf knapp hundert Seiten als kurzer
Überblick erzählt. Das besondere an diesem Buch ist, dass die Autorin anhand neuer
Quellen mit einigen Gerüchten aufräumt, die um Sisi kreisen.

Die Autorin: Katrin Unterreiner, geboren 1969, Studium der Kunstgeschichte und Geschichte
an der Universität Wien. Seit 1999 Mitarbeiterin der Wissenschaftlichen Abteilung der
Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges. m. b. H und freie Kuratorin (u. a.
Kronprinz Rudolf ich bin andere Bahnen gegangen, Hofburg Wien 2000,
Habsburgs Kinder Kindheit am kaiserlichen Hof, Schlosshof 2001).
Zahlreiche Publikationen zur Wiener Hofburg, der Ausstattung der Kaiserappartements sowie
zur Alltagskultur des Wiener Hofes. Seit 2002 wissenschaftliche Leiterin der
Kaiserappartements der Wiener Hofburg und Kuratorin des im Jahr 2004 eröffneten Sisi
Museums. |
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|
mit freundlicher Genehmigung |
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| Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen |
| www.brandstaetter-verlag.at |
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| Linktipp: |
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