Stephansgruft
Stephansplatz
1010 Wien

Im linken Querschiff des Stephansdomes befindet sich der Zugang zu den auch als Katakomben bezeichneten Gruftanlagen. Diese bestehen aus einem älteren, nach dem 2. Weltkrieg renovierten Teil, der sich direkt unter der Kirche befindet, und einem neuen Teil unterhalb des Stephansplatzes. Der alte Teil besteht aus der Herzogsgruft, in der sich die Särge des 1365 verstorbenen Herzogs Rudolf IV., des Stifters, und einiger seiner Angehörigen, sowie die Eingeweideurnen der in der Kapuzinergruft beigesetzten Habsburger befinden, der Bischofsgruft, in der seit 1630 die Wiener Erzbischöfe in Metallsärgen beigesetzt werden, und die Domherrengruft, wo die Wiener Weihbischöfe in Kolumbarnischen ihre letzte Ruhestätte finden.
Der neuere Teil der Katakomben wurde Anfang des 18. Jahrhunderts nach der Schließung des darüberliegenden Friedhofes angelegt. Dieser besteht aus weitverzweigten Gängen, die nur zum Teil zugänglich sind. Bis zum endgültigen Verbot der Bestatttungen innerhalb der Stadtgrenze im Jahr 1783 wurden hier in 30 Grabkammern über 10000 Menschen begraben. Drei Kammern sind im Rahmen der Führung zu sehen, eine davon ist angeblich eine Pestgrube aus dem Jahr 1713.
Die ehrfurchtgebietenden Särge der Bischöfe und Herzöge und die übereinandergeworfenen Knochen von Pestkranken sind hier zwar nur durch wenige Schritte voneinander getrennt, doch die Atmosphäre könnte nicht unterschiedlicher sein als in den weiß gestrichenen Räumen, wo die ersteren uns von geschichtlicher Größe erzählen, und in den verließartigen Gewölben, wohin ein namenloser Tod die letzteren brachte.
aus Michael Totschnig: Wien und der Tod
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