Im linken Querschiff des Stephansdomes befindet sich der Zugang zu den
auch als Katakomben bezeichneten Gruftanlagen. Diese bestehen aus einem
älteren, nach dem 2. Weltkrieg renovierten Teil, der sich direkt unter
der Kirche befindet, und einem neuen Teil unterhalb des Stephansplatzes.
Der alte Teil besteht aus der Herzogsgruft, in der sich die Särge des
1365 verstorbenen Herzogs Rudolf IV., des Stifters, und einiger seiner
Angehörigen, sowie die Eingeweideurnen der in der Kapuzinergruft
beigesetzten Habsburger befinden, der Bischofsgruft, in der seit 1630
die Wiener Erzbischöfe in Metallsärgen beigesetzt werden, und die
Domherrengruft, wo die Wiener Weihbischöfe in Kolumbarnischen ihre
letzte Ruhestätte finden.
Der neuere Teil der Katakomben wurde Anfang des 18. Jahrhunderts nach
der Schließung des darüberliegenden Friedhofes angelegt. Dieser besteht
aus weitverzweigten Gängen, die nur zum Teil zugänglich sind. Bis zum
endgültigen Verbot der Bestatttungen innerhalb der Stadtgrenze im Jahr
1783 wurden hier in 30 Grabkammern über 10000 Menschen begraben. Drei
Kammern sind im Rahmen der Führung zu sehen, eine davon ist angeblich
eine Pestgrube aus dem Jahr 1713.
Die ehrfurchtgebietenden Särge der Bischöfe und Herzöge und die
übereinandergeworfenen Knochen von Pestkranken sind hier zwar nur durch
wenige Schritte voneinander getrennt, doch die Atmosphäre könnte nicht
unterschiedlicher sein als in den weiß gestrichenen Räumen, wo die
ersteren uns von geschichtlicher Größe erzählen, und in den
verließartigen Gewölben, wohin ein namenloser Tod die letzteren brachte. |