Wiener Straßennamen
Griechengasse, Wien - © Citype
Bild: Griechengasse, 1. Bezirk
seit 1862, nach den in der Gegend sesshaft gewesenen griechischen (levantinischen) Kaufleuten bzw. den griechischen Kirchen - © Citype
Die Bedeutungen aller amtlicher Wiener Straßennamen
(Straßen, Gassen, Plätze, Stiegen und Brücken)
sind online in einer Datenbank abrufbar.
Jeder Eintrag gibt Auskunft über das Jahr der Benennung und den Bezirk, in dem sich die Straße befindet. Zusätzlich wird die Lage der Straße mit einem Stadtplanauszug dargestellt.
Online-Abfrage der Wiener Straßennamen:
Charakteristische Wiener Straßennamen
Vom reichhaltigen kulturellen Leben der Stadt zeugen zahlreiche Straßennamen, die nach Persönlichkeiten aus den Bereichen Musik, Malerei, Literatur und Schauspiel benannt sind. Allein 300 Straßennamen erinnern an berühmte oder in Wien populäre Musikerinnen und Musiker.

Weitere Namensgeberinnen und Namensgeber haben sich in Wissenschaft, Architektur, Medizin und Technik verdient gemacht. Als Beispiel sei der Luftfahrtpionier Lilienthal genannt. Zahlreiche Straßen, Gassen und Plätze tragen die Namen von Personen, die in Land, Stadt oder Bezirk politisch gewirkt haben. Auch wohltätige Personen wurden durch Straßennamen verewigt.

Über 300 Straßennamen erzählen aber auch von Kriegen, die Wien durchleben musste. Im Zeitraum um den Zweiten Weltkrieg schlug sich die Änderung der politischen Machtverhältnisse besonders stark nieder. Nach dem Krieg wurden viele Verkehrsflächen rück- und umbenannt, um die Spuren des Nationalsozialismus zu beseitigen. Von Widerstand gegen den Nationalsozialismus zeugen die Jägerstetterstraße, die Käthe-Leichter-Gasse und 60 weitere Straßenbezeichnungen. In Großjedlersdorf erinnert ein eigenes "Widerstandsviertel" an diese Zeit.

Neue Viertel sind oft nach Themenbereichen benannt. So gibt es zum Beispiel ein Edelstein-, ein Planeten- und ein Blumenviertel. Botanik, Tierwelt, Gewässer oder Flurnamen werden auch häufig für Straßenbezeichnungen heran gezogen.

Das gemütliche Wien wird durch Kaffee- und Gasthausnamen ("Lammgasse") repräsentiert. Hier folgte die offizielle Namensgebung oft den in der Bevölkerung gebräuchlichen Bezeichnungen.
Wiener Straßennamen und ihre historische Bedeutung
Die Wiener Straßennamen dienen nicht nur der Orientierung im Straßennetz, sie erzählen auch Geschichten und beschreiben so den Charakter der Stadt. Sie erinnern an wichtige Ereignisse und ehren bedeutende Persönlichkeiten.
In anderen Städten sind viele Straßen einfach durchnummeriert. In Wien hat jede der über 6.200 Verkehrsflächen ihren eigenen, aussagekräftigen Namen.
Geschichte der Straßennamen in Wien

Ersterfassung der Häuser durch Conskriptionsnummern
1770 erfolgte erstmals eine Nummerierung der Häuser in Wien. Die Briefzustellung und die Rekrutierung des Militärs sollten durch die sogenannten Conscriptionsnummern verbessert werden.
Gassenweise Nummerierung der Straßen
1850 erfolgte die Eingemeindung der Vorstädte. Im Zuge dessen erfolgte 1862 eine gassenweise Nummerierung der Häuser. Außerdem wurden Vorschriften für Straßentafeln erlassen. Längs- (Radial-) und Quergassen wurden unterschieden. Die Straßen des ersten Bezirks wurden ausschließlich mit rechteckigen, rot umrandeten Tafeln gekennzeichnet.

Radialgassen führen stadtauswärts und gehen vom Zentrum Stephansplatz aus. Sie wurden mit rechteckigen Straßentafeln versehen. Quergassen erhielten ovale Straßenschilder.

Die verschiedenen Bezirke, insgesamt neun, trugen jeweils eine bestimmte Umrandungsfarbe: 1. Bezirk: rot, 2. Bezirk: violett, 3. Bezirk: grün, 4. Bezirk: rosa, 5. Bezirk: schwarz, 6. Bezirk: gelb, 7. Bezirk: blau, 8. Bezirk: grau, 9. Bezirk: braun.

Diese Regelung der verschiedenfarbigen Umrandung blieb bis 1920 erhalten. Die Eingemeindung der Vororte (1890/92) zog auch dort eine Regelung der Straßentafeln nach sich. In den entstandenen Bezirken 10 bis 19 galt die Vorschrift wie im 1. Bezirk: rote Umrandung der Straßenschilder.
Vereinheitlichung der Straßentafeln
Ab 1920 wurde in allen Bezirken einheitlich eine rote Umrandung der Straßenschilder eingeführt. Plätze wurden in roter Fraktur-Schrift, Straßen und Gassen in schwarzer Fraktur-Schrift gekennzeichnet.

1923 wurde die Fraktur-Schrift abgeschafft. Die während der NS-Zeit diskutierte Rückkehr zur Fraktur ging auf Grund des einsetzenden Zweiten Weltkriegs unter. Danach kam es nicht mehr dazu. Seit 1923 sind daher die Straßenschilder in lateinischen Buchstaben gehalten. Sie sind blau emailliert mit weißer Schrift.

Zwischen 1926 und 1944 wurden die Straßenschilder der Querstraßen im 2. bis 21. Bezirk an den Ecken abgerundet, seit 1944 sind alle Straßenschilder einheitlich rechteckig gehalten.

Seit den 1980er-Jahren werden vor allem in Altstadtensembles an vielen Straßen Imitationen der Straßenschilder in der Regelung von 1862 montiert.
Benennung von Verkehrsflächen in Wien
Zuständigkeit
In Wien entstehen besonders im Zuge großer Bauprojekte neue Verkehrsflächen, für die passende Namen gefunden werden müssen. Eine Umbenennung von bereits bestehenden Verkehrsflächen ist selten, aber möglich. Die Benennung nach einer lebenden Person ist nicht gestattet. Sie ist frühestens ein Jahr nach deren Ableben möglich.

Vorschläge für neue Benennungen können bei jener Bezirksvorstehung eingereicht werden, in deren Zuständigkeitsbereich die neue Verkehrsfläche entsteht. Die Kulturkommission des Bezirks befasst sich mit diesen Vorschlägen. Dabei wird auch auf einen Bezug des Namens zum Bezirk Wert gelegt. Nach der Einleitung des Prüfverfahrens durch die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) erfolgt eine Vorberatung in dem eigens vom Wiener Gemeinderat eingesetzten Unterausschuss für Verkehrsflächenbenennungen. Die endgültige Entscheidung erfolgt im Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft.
aus
Websercice der Stadt Wien
wien.at vereinigt umfangreiche Informationen und Dienste zu allen Lebensbereichen der Stadt Wien sowie zahlreiche weitere Services
www.wien.gv.at
Lexikon der Wiener Straßennamen - das Buch
Das Verzeichnis der Wiener Straßennamen gibt es auch in Buchform: Der Historiker Peter Autengruber stellte in seinem Standardwerk "Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung. Herkunft. Frühere Bezeichnungen" alle Straßenbezeichnungen zusammen. Das Buch wurde 2004 mit dem Theodor-Körner-Förderungspreis ausgezeichnet.

Peter Autengruber: Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung. Herkunft. Frühere Bezeichnungen. Wien: Pichler Verlag 2004 (fünfte, überarbeitete Auflage).
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