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Die erste Türkenbelagerung
Wien 1529 |
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Historisches Museum der Stadt Wien
62. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, Karlsplatz
4. Oktober 1979 bis 10. Februar 1980 |
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Markus Köhbach

Die osmanische Fassung von Istvánfys Bericht über die erste Belagerung Wiens durch
die Türken 1529 in der Chronik des Ìbrahim Peçevi |
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| Zu den herausragendsten Vertretern der osmanischen Historiographie der
ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zählt der Fünfkirchner Ìbrahim Peçevi bzw.
Peçuyi. I. P. entstammte einer bosnischen Lehensträgerfamilie, sein Vater hatte sich in
Ungarn niedergelassen, wo auch er einen Großteil seines Lebens verbrachte. Nach eigenen
Worten widmete er sich Zeit seines Lebens dem Studium der Geschichte, er kannte die
wesentlichen Geschichtsquellen in osmanischer Sprache, sammelte Urkunden, die sich auf
seine Familiengeschichte bezogen, besichtigte bedeutende Schlachtfelder und suchte im
Kontakt mit alten Kriegsveteranen, wichtige Einzelheiten über vergangene Ereignisse zu
erfahren. Daneben bot ihm sein Umgang mit hohen Persönlichkeiten seiner Zeit in
jüngeren Jahren im Kriegsdienst, später in wichtigen Positionen der Finanzverwaltung
gründlich Einblick in die politischen Hintergründe und Zusammenhänge der
Zeitereignisse. Da I. P. ungarische Eigennamen möglichst originalgetreu wiedergibt und
sich auch sonst öfter ungarischer Fachausdrücke bedient, nimmt man an, daß er Ungarisch
beherrschte; daneben dürfte er auch Serbokroatisch gekonnt haben, wie sich aus einigen
Belegstellen schließen läßt. Seine Kenntnisse und sein tiefes historisches Interesse
führten ihn zu einem Schritt, der wohl in seiner Zeit einsam herausragt: als einer der
ersten bedient sich I. P. nicht nur der ihm vorliegenden osmanischen Quellen, sondern
bezieht auch europäische christliche Quellen in seine Darstellung mit ein. Er sagt dazu:
da wir die meisten der Chroniken in türkischer Sprache, die in unserem
Jahrhundert im Umlauf sind, gesehen haben, fiel (uns) schließlich ein: wie haben die
Ungläubigen in ihren eigenen Chroniken die wohlgefälligen Kriegszüge des seligen
Padischah (i. e. Sultan Süleyman I.) niedergeschrieben? Da (nun), was unser Land
betrifft, die ungarischen Gelehrten, d. h. die Leute, die des Lesens und Schreibens
mächtig sind, ohne Zahl sind, haben wir uns einige Feldzüge des Verewigten vorlesen
lassen und manches davon ins Türkische übersetzt. Aus dieser Stelle erfahren wir,
daß I. P. über den Kreis der türkischen Quellen hinaus auch christliche, nämlich
ungarische, kannte und benützte, wobei er sich dazu der Hilfe gebildeter Ungarn bediente. |
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Die Festung und der türkische Angriff
Plan nach: Hummelberger, Peball: De Befestigungen Wiens, Wien-Hamburg 1974. |
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| Die Festung |
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| 1. |
Scheiblingturm in der Vorstadt Scheffstraße, Tor nach
Althunaw (nächst der späteren Weißgärbervorstadt), Bastei hinter Niklas Munich |
| 2. |
Bollwerk bei Ruepp Fuener, unweit von St. Wolfgang |
| 3. |
12 Bollwerke im Gereut bei der Pirnigerinmühle und
Wislermühle |
| 4. |
Die befestigte Bürgerspitalmühle, Bollwerk beim
Heubrücklein |
| 5. |
Bollwerk bei St. Anton, Lasalaturm, unweit des
Heiligengeistspitals |
| 6. |
Bollwerk bei des Gilg Häusel, Bollwerk und Tor am
Fraueneck |
| 7. |
Bollwerk bei den Siebenherbergen, |
| 8. |
Bastei hinter des Ruelands Ziegelstadel, Bastei beim
St.-Theobaldkloster (unweit davon St. Martin), Turm bei St. Theobald |
| 9. |
St.-Ulrichstor |
| 10. |
Bollwerk am Petlbühel |
| 11. |
Bastei auf der Neustift |
| 12. |
Alser und Neuburger Tor mit Bollwerk (später ersetzt
durch den St.-Jörgenturm an der Straßengabelung |
| 13. |
Schottentor |
| 14. |
Tor beim Neideck |
| 15. |
Neues Bollwerk im Oberen Wird, unweit der
St.-Johanneskapelle, Tor zu den Kleubhöfen |
| 16. |
Rotenturmtor |
| 17. |
Stubentor |
| 18. |
Kärntnertor |
| 19. |
Widmertor |
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| Verteidigungsabschnitte (Quartiere): |
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| I |
Reichstruppen unter Pfalzgraf Philipp |
| II |
Truppen aus den Vorlanden, Tirol, Kärnten und Krain
unter Eck von Reischach |
| III |
Truppen aus der Steiermark unter Abel von Holleneck |
| IV |
Alter Haufen und Leonhard von Vels |
| V |
Österreicher und Spanier unter Reinprecht von Ebersdorf |
| VI |
Truppen aus Böhmen unter Ernst von Brandenstein,
Reiter unter Graf Hans von Hardegg |
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| Kraelitz hat in seiner Arbeit die ungarischen Autoren Heltai Gáspár
und Istvánfy Miklós (latinisiert Nicolaus Isthvanfi) als wichtigste ungarische Quellen
für das Werk von I. P. angeführt. I. P. zitiert diese Quellen nicht namentlich, sondern
stellt den Einschüben aus abendländischen Quellen bloß die Angabe kefere
tarihinden tercüme Übersetzung aus der Geschichte der Ungläubigen
voran. Ich möchte im Rahmen der vorgegebenen Thematik, der ersten Belagerung Wiens durch
die Osmanen im Jahre 1529, zeigen, wie I. P. den Bericht Istvánfys über dieses
Ereignis in sein Werk einarbeitet, wie eng und wortgetreu er sich an die Quelle hält, und
wie wertvoll der Vergleich von Original und (freier) Übersetzung sein kann, um
Unklarheiten des osmanischen Textes aufzuhellen oder selbständig erschlossene
Verbesserungen des korrumpierten Textes im Druck zu untermauern. Da eine synoptische
Gegenüberstellung beider Versionen in voller Länge den vorgegebenen Rahmen um ein
vielfaches überschreiten würde, erscheint arbeitsmethodisch folgende Vorgangsweise
angezeigt: der Inhalt des Berichtes soll in Form einer Inhaltsangabe knapp referiert
werden, wobei einzelne charakteristische Stellen synoptisch gegenübergestellt werden.
Eine historische Wertung fällt in die Kompetenz des Historikers, meine Arbeit muß sich
naturgemäß auf die Klärung philologischer Probleme des osmanischen Textes beschränken. |
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Türkischer Helm
2. Hälfte 16. Jhdt |
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Türkischer Helm und Rüstung
1. Hälfte 16. Jhdt |
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Der Bericht über die erste Belagerung Wiens durch die Türken umfaßt
bei Istvánfy in der Kölner Erstausgabe 18 Seiten Quart, die türkische Version bei I. P.
in der Stambuler Ausgabe 13 Seiten Oktav. Dieser rein quantitative Vergleich zeigt
deutlich, daß die türkische Fassung wesentlich kürzer ist als das lateinische Original.
Die türkische Version ist bei aller Treue zur Vorlage naturgemäß keine wörtliche
Übersetzung, sondern eine knappe, gestraffte Wiedergabe des Originals; Istvánfys
blumigem lateinischen Stil, der mit zahllosen Epitheta angereichert ist, steht I. P.s
schlichte, schmucklose Sprache gegenüber. I. P. rekapituliert zu Beginn seines Berichtes
kurz die wesentlichen historischen Fakten der Vorgeschichte: die Wahl des Woiwoden von
Siebenbürgen, Zápolya János, zum König von Ungarn, die Wahl von Erzherzog Ferdinand
durch eine gegnerische Fraktion ungarischer Magnaten, Ferdinands Krönung, die Besetzung
von Ofen durch Ferdinand und Zápolyas Flucht nach Polen. Das 10. Buch der
Geschichte Istvánfys beginnt mit dem Bericht, wie Zápolya im Exil seine Anhänger
um sich sammelt und beschließt, eine Gesandtschaft an den Sultan zu schicken, um sich
dessen Hilfe zu versichern. Jeronym Laski, Woiwode von Sieradz, wird dazu ausersehen.

einen Mann, der Palatin des Landes Siebenbürgen war,

Laski bedient sich in Istanbul des Einflusses von Lodovico Gritti bei Hof, um den
Großvezir Ìbrahim Pasa für seine Anliegen geneigt zu stimmen. Diese Angaben fehlen bei
I. P., der bloß eine Besprechung mit dem Großvezir erwähnt. Schließlich darf er im
Divan sein Anliegen vortragen, wobei der Sultan durch ein Fenster zuhört.

der Padischah hörte durch das Fenster zu.

Der Sultan sagt seine Hilfe für das folgende Jahr zu. Als Ferdinand davon erfährt,
schickt er seinerseits eine Gesandtschaft.

Und jener [i. e. Ferdinand] schickte einen gewissen Johann, der früher
Kommandant von Jajce war, als Gesandten.

Die Forderung Ferdinands nach Rückgabe der eroberten Festungen erregt den Zorn des
Sultans und entlockt ihm folgende Drohungen:

mit Gottes Hilfe komme ich im nächsten Jahr selbst und vertreibe ihn [i.
e. Ferdinand] aus Ofen. Wenn ich ihn in Ofen nicht finde, [so] finde ich ihn in Wien. Wenn
er uns dort zu töten vermag und die von ihm genannten Festungen daraufhin einnimmt, [so]
nimmt er [sie] ein. Wenn ich selbst ihn töte, [so] nehme ich auch die übrigen Festungen,
die er besitzt, ein. |
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Türkische Luntschloßgewehre
16. Jhdt |
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Türkischer Kupferschild
16. Jhdt, Militärmuseum |
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Der Sultan befiehlt Zápolya, sich beim Auszug des osmanischen Heeres
mit seinen Truppen in der Ebene von Mohács anzuschließen. Habordanecz trifft bei seiner
Rückkehr Ferdinand nicht in Wien an.

als der Gesandte König Ferdinands [zurück]kam, fand er ihn nicht in
Wien. Er fand ihn in der Festung Speyer in Deutschland.

Auf Habordanecz Nachrichten ordnet Ferdinand Maßnahmen zur Befestigung und
Verteidigung Wiens an.

und er legte 16.000 deutsche Soldaten hinein.

Währenddessen zieht Zápolya nach Lippa und sammelt 600 Soldaten um sich. Er schickt
seinen Vertrauten Simon Athinai Literatus an seine Anhänger und Sympathisanten, um ihre
Unterstützung zu erbitten. Dieser Passus fehlt bei I. P., auch der ausführliche Bericht
über Kämpfe in Oberungarn und Kroatien zwischen den Parteigängern Zápolyas und
den habsburgischen Truppen, der Kampf um Zagreb unter Graf Thurn etc. sind ausgelassen, es
folgt unmittelbar der Zug des Sultans nach Ungarn.

von Belgrad überschritt er die Save und von Osijek die Drau [und] kam in die
Ebene von Mohács.

Bei Mohács empfängt Zápolya, wie befohlen, den Sultan, von dem er ehrenvoll aufgenommen
wird. Gemeinsam ziehen sie gegen Ofen, das von habsburgischen Truppen gehalten wird.

Nádasdy Tamás war der Kommandant der ungarischen Truppen, Besserer Christoph
und Johann waren die Befehlshaber der Deutschen. |
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| Die Belagerung Wiens durch die Türken |
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| 1. |
Bisamberg |
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10. |
Ottakring |
| 2. |
Klosterneuburg |
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11. |
Penzing |
| 3. |
Kahlenberg |
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12. |
Hietzing |
| 4. |
Nußdorf |
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13. |
"Spinnerin am Kreuz" |
| 5. |
Am Wolf |
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14. |
St. Marx |
| 6. |
Döbling |
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15. |
Simmering |
| 7. |
Währing |
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16. |
Kaiser Ebersdorf |
| 8. |
Sichenals |
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17. |
Schwechat |
| 9. |
St. Ulrich |
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| A |
Lager des Sultans, gegen Schwechat
zu Lager des Beglerbeg von Anatolie |
| B |
Lager des Großwesirs Ibrahim Pascha |
| C |
Artillerie-Park, vor demselben gegen das Stubentor
zu Lager des Sandschakbeg von Rum |
| D |
Lager des Paschas von Belgrad |
| E |
Lager des Paschas von Bosnien |
| F |
Lager des Beglerbeg von Rumelien |
| G |
Lager des Sandschakbeg von Semendria |
| H |
Lager des Paschas von Mostar |
| I |
Lager der türkischen Flottille |
| K |
Lager der türkischen Flottille |
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Die Besatzung gibt die Stadt auf und verschanzt sich in der Zitadelle.
Die Osmanen verlangen die Kapitulation. Während die Deutschen geneigt sind, der
Aufforderung Folge zu leisten, stellt sich Nádasdy dagegen. Schließlich wird er von den
Deutschen überwältigt und eingekerkert. Nach getroffenen Übergabeverhandlungen
kapituliert die Festungsbesatzung, wird aber beim Abzug von den Türken
vertragsbrüchigerweise niedergemacht. Nádasdy, den die einziehenden Türken aus dem
Kerker befreien, wird vom Großvezir mit Vorwürfen überschüttet und schließlich unter
Bedeckung an Zápolya geschickt. Er entflieht seinen Bewachern am Donauufer, indem er sein
Überkleid, an dessen Ärmel man ihn festhält, abstreift und in ein Boot springt. Er
kommt schließlich selbst zu Zápolya, der ihn in Gnaden aufnimmt. Am Fest Mariae Geburt
erteilt der Sultan dem Großvezir Ìbrahim Pasa den Befehl zum Aufbruch.

zu jenem Zeitpunkt es war der kleine Frauentag befahl [der
Sultan] dem Ìbrahim Pasa, daß die Truppe bereit sein sollte, nach Wien zu ziehen.

Der Zug des osmanischen Heeres vorbei an Gran und Komorn, den Istvánfy eingehend
beschreibt, übergeht I. P. und fährt mit der Ankunft des Heeres vor Wien fort.

sie kamen und schlossen am 23. September die Festung Wien ein.

Vor der Ankunft der Osmanen haben sich 18.000 Mann Verteidiger in Wien verschanzt.

Vordem waren von unseren Soldaten 80.000 Berittene und Fußsoldaten gekommen und
hatten sich in die Festung gelegt. |
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| Türkische Eisenkanone, Marinemuseum Istanbul |
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| Türkische Bronzekanone, Militärmuseum Istanbul
(Dolmabahce-Platz) |
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| Türkische Bronzekanone, Militärmuseum Istanbul |
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Die Belagerten unternehmen einen Ausfall, ohne Erfolg, bei dem unter
anderen der Fahnenträger der Schwadron des Grafen Hardegg, Christoph Zedlitz,
gefangengenommen wird.

Fünfhundert von ihnen, die in blankes Eisen gehüllt waren, fielen aus und
kämpften mit den türkischen Truppen. Es war der 26. des genannten Monats. Aber sie
hatten keinen Erfolg, etliche von ihnen wurden niedergemacht, etliche von ihnen gefangen.
Auch ihr Fahnenträger wurde gefangen, der Fahnenträger der Hardeggschen Soldaten war und
ein berühmter Held. Später ließ ihn der Padischah frei.

Die ausführliche Aufzählung der Befehlshaber in Wien ist bei I. P. stark gekürzt und
zusammengedrängt.

Der Onkel des Pfalzgrafen bei Rhein, dem Wien übergeben worden war und der dort
Stellvertreter des Kaisers war, Graf Nikolaus [Salm] und Roggendorf waren die
Oberbefehlshaber. Roggendorf war auch bei der Schlacht von Mohács dabeigewesen.

Die weitere Aufzählung von Namen bei Istvánfy fehlt bei I. P., er erwähnt kurz die
spanischen Hilfstruppen und 200 walachische Reiter, die die Brücken bewachen. Die
Belagerten lassen die Vorstädte in Brand stecken, damit sie dem osmanischen Heer keine
Deckung bieten. Die Osmanen schließen Wien mit vier Heeresabteilungen ein.

Ìbrahim Pasa umrundete [die Festung] von allen Seiten und erkundete jede
Stelle. [Er] ließ [sie] von vier Truppenkörpern einschließen. Von der Donau bis zum
Berg, bis zur Befestigung [auf dem] Kahlenberg ließ er eine Abteilung lagern. Lediglich
für sich behielt er eine Stelle, um Wasser zu holen. In der Nähe der Donau lagerte der
glückhafte Padischah mit seinem Hofstaat und den Sipahoglanlari in der Umgebung der
Kirche von St. Marx und der Herberge. Der Beglerbeg aber war an der Spitze der Truppen. Er
wollte sich auf der unteren Seite am Wienfluß niederlassen und das Feldlager aufschlagen.
Bis direkt zur Kirche [von Sankt Ulrich], bis an eine Stelle nach dem Tor und der Bastei
lagerte er. Die dritte Truppenabteilung war die der Janitscharen, die unter dem Banner des
Qasim Pasa standen. Die vierte Truppenabteilung lagerte an einem entfernten Ort vom
Schottentor über die Wiese hinaus, wo sich Azab, christliche Hilfstruppen und
Lohnarbeiter
befanden.

Den Türken mangelt es an schwerem Belagerungsgeschütz, um aus sicherer Entfernung
Breschen zu schießen, angeblich auf den Rat des Großvezirs hin, der in den
vorbereitenden Beratungen die Eroberung Wiens als Bagatelle hinstellte. Daraufhin beginnen
die Türken Minen zu graben, um die Stadtmauern zu sprengen. Die Belagerten aber,
ihrerseits Meister des Mineurwesens, legen Gegenminen an, die sie mit Trägern abstützen,
damit das Mauerwerk bei der Sprengung nach außen fällt. Bei der Sprengung stürzt das
Mauerwerk nach außen und behindert den türkischen Sturm, der erfolgreich abgeschlagen
wir. Am Fest des Hl. Michael halten die Belagerten Kriegsrat.

es war wiederum der Tag des Hl. Michael, da Graf Nikolaus [Salm] mit den
übrigen Befehlshabern Beratung hielt

2000 Mann Fußtruppen und 500 Reiter unternehmen einen Ausfall gegen die türkischen
Batterien, um die Kanonen zu vernageln und die Lafetten zu zerstören. Sie stoßen auf
heftigen Widerstand und nach hitzigem Kampf, in dem sie an die 200 Türken niedermachen,
ziehen sie unter eigenen Verlusten wieder zurück. Daraufhin fällt eine Hundertschaft
Spanier aus, die zahlreiche Türken, die in den Weingärten Trauben pflücken,
niedermachen. Die Türken verfallen nach diesen Mißlichkeiten auf den Plan, drei deutsche
Renegaten in die Festung zu schleusen, um diese in Brand zu stecken und in der Verwirrung
des Brandes zu stürmen. Diese Absichten werden aber von einem türkischen Überläufer
den Belagerten berichtet.

Es war [aber] einer in der Festung
Er hatte davon gehört und informierte die
Befehlshaber. Am 2. Tag des Monats Listopad, i. e. Oktober, nahm man sie fest, brachte sie
zum Reden und tötete sie unter schweren Foltern.

Der Überläufer berichtet auch von der Absicht der Türken, eine Mine gegen das
Kärntnertor vorzutreiben. Man ergreift Sicherheitsmaßnahmen.

Als unsere Soldaten diese Sache erfuhren, gossen sie Wasser in Becken und stellten
[diese] dort auf und auch Trommeln stellten sie auf. Wenn das Wasser und das Trommelfell
erzittert, erkennt man, daß man dort eine Mine anlegt. |
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Zeitungsholzschnitt nach
Peter Johann Nepomuk Geiger
1847 |
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Adam Brenner
Lithographie
1838 |
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Die Belagerten versuchen, sich durch einen Ausfall nähere Kenntnis zu
verschaffen. Es kommt zu schweren Kämpfen mit den Türken. Bei einem weiteren Ausfall von
8000 Mann, darunter die Spanier, kommt es durch einen mißverständlichen Ausruf eines
Soldaten zu einer Verwirrung der christlichen Truppen, die es den Türken erlaubt, eine
bedeutende Anzahl zu töten, darunter den Befehlshaber der Spanier. Trotz dieses Debakels
konnte man die Stellen der angelegten Minen ausmachen, worauf die Spanier abermals
ausfallen. Die Türken lassen die Minen hochgehen.

Die Türken legten an jene Minen Feuer und brachten die Mauer an zwei Stellen
zum Einsturz. [Die Einsturzstelle] war von der früheren Mine ein wenig entfernt.

Der heftige türkische Sturm wird unter Aufbietung aller Kräfte abgeschlagen. Im
türkischen Heer treten Anzeichen von Kriegsmüdigkeit auf.

und sie selbst sagten, daß weder auf Rhodus, noch bei Belgrad so viele
von ihnen gefallen wären.

Ein neuerlicher Sturm der Belagerer am 4. Oktober wird abgeschlagen. Der Sultan, ergrimmt
über den Mißerfolg, stellt im Kriegsrat die hohen Würdenträger zur Rede, er ordnet
erneut eine dreitätige Kampfpause an zur Erholung der Truppen. Paul Bakic unternimmt
einen Angriff gegen das Lager des Großvezirs. Bei dieser erfolgreichen Aktion werden
zahlreiche Gefangene gemacht, von denen man erfährt, daß der Sultan noch einen
massierten Sturm plant, ehe er, durch die kalte Witterung und die Nachricht vom Anrücken
kaiserlicher Hilfstruppen bewogen, abziehen würde. Am 13. Oktober erfolgt dieser
Generalsturm gegen die Bresche, die von den Belagerten mit Baumstämmen, Balken und
Steinen verbarrikadiert wurde. Die Artillerie der Belagerten fügt den stürmenden Türken
schwere Verluste zu, vergeblich versuchen der Großvezir und die hohen Würdenträger den
Kampfgeist der Truppen anzufeuern. Als der Sultan die Unmöglichkeit der Eroberung
erkennt, rüstet er zum Aufbruch.

Am 14. des genannten Monats, welches der 23. Tag der Belagerung war, brach er um
Mitternacht von Wien auf und kam am fünften Tag nach Ofen, welcher Ort dreißig Meilen
entfernt ist.

In Ofen läßt der Sultan Gefangene frei, darunter auch den oben genannten Christoph
Zedlitz. Ìbrahim Pasa erklärt ihm, daß es nicht das Kriegsziel des Sultans war, Wien zu
erobern, sondern Ferdinand in seine Schranken zu weisen und den Streit um Ungarn zu
bereinigen. Der Sultan würde bald mit verstärkter Macht wieder kommen, um eine
Entscheidung herbeizuführen. Die Angaben über die Verfolgung des abziehenden osmanischen
Heeres, das Eintreffen des Pfalzgrafen Friedrich in Wien und Meutereien der Soldaten wegen
Soldforderungen läßt I. P. aus und geht unmittelbar auf die Krönung von Zápolya über.
Zápolya erhält aus der Hand des Sultans Krone und Reichsinsignien.

Als [der Sultan] nach Ofen kam, setzte er dem König János die Krone auf und gab
ihm das Szepter des Königtums in seine Hand.

Der Sultan lobt Zápolya, daß er sich um die Hilfe der Osmanen bemüht habe, und
verspricht ihm weiteren Beistand, die anwesenden ungarischen Adeligen ermahnt er zum
Gehorsam gegen den König. Darauf folgt eine ausführliche Beschreibung, wie die Krone in
die Hände der Osmanen kam. I. P. bringt diese Angaben sehr kurz und summarisch, fügt
aber dem Kapitel über die Belagerung von Wien ein weiteres an mit dem Titel: qorona
sacadetlü padisah hazinesine ne vechile vusul bulmisdir tafsili budir
Ausführlicher Bericht, wie die Krone an den Schatz des glückhaften Padischah gelangte
, worin diese Begebenheiten in allen Details wiedergegeben werden.
Der eingehende Textvergleich erweist die direkte Übernahme; bemerkenswert ist die
Tatsache, daß sich I. P. so eng an das Original hält, daß das Possesivum der 1. Person
pl. ausschließlich auf die Christen bezogen wird, ein Faktum, das in einem osmanischen
Text verwundert. I. P. hat auch weitgehend darauf verzichtet, die Christen nach der
gängigen Gepflogenheit osmanischer Historiographie mit negativen Epitheta zu belegen.
Gegenüber den langen lateinischen Perioden Istvánfys, der verschachtelte
Satzgefüge liebt, ist die türkische Fassung klar und schmucklos, I. P. bedient sich
einer schlichten Sprache und einfacher Sätze, die häufigen indirekten Reden des
Originals werden als direkte Rede wiedergegeben. Wie bereits oben erwähnt, erlaubt der
Textvergleich die Interpretation dunkler Stellen der osmanischen Version, korrumpierte
Eigennamen können klar festgestellt und Personen und Örtlichkeiten, die im türkischen
Text nur allgemein bezeichnet werden, eindeutig identifiziert werden. Auffällig ist, daß
der Bericht bei I. P. neben einigen wenigen Termini ungarischer Herkunft relativ
ausgefallene Slavismen aufweist, wohl ein Beleg, daß dem Autor das Südslawische vertraut
war. Verdient schon die Tatsache an sich Beachtung, daß ein osmanischer Historiker in der
ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts europäische Quellen heranzieht, so ist die zwar
verkürzende, aber doch sehr originalgetreue Übersetzung des vorliegenden Berichtes noch
bemerkenswerter, da es sich ja letztlich um einen militärischen Mißerfolg der
osmanischen Macht handelt. I. P. hat seine Quelle nicht manipuliert, indem er ungünstige
Aussagen unterdrückt. So finden wir etwa den in anderen europäischen Quellen breit
ausgeführten übrigens unerwiesenen Vorwurf, daß der Großvezir Ìbrahim
Pasa in verräterischem Einverständnis mit den Belagerten stand, in der Angabe, daß auf
seinen Rat kein schweres Belagerungsgeschütz mitgeführt wurde. Auch die schwindende
Kampfmoral der erfolglosen Belagerer, der Unmut des Sultans darüber und im Gegensatz dazu
die Ausdauer und Bravour der Belagerten kommen ungeschminkt und klar auch in der
türkischen Fassung zum Ausdruck. Neben zahlreichen anderen Übernahmen aus christlichen
Quellen ist es daher vor allem der Bericht von der ersten erfolglosen Belagerung Wiens
durch die Osmanen, der die Sorgfalt, den Weitblick, aber auch die Wahrheitsliebe und das
Streben nach objektiver Darstellung bei Ìbrahim Peçevi zeigt, der sich nicht scheut,
gemäß seiner hohen Auffassung von Geschichtsschreibung diesen in vielen Punkten für die
Osmanen nicht eben schmeichelhaften Bericht ohne essentielle Abstriche und Korrekturen im
Sinne imperialer Geschichtsauffassung zu übernehmen und dem gebildeten osmanischen Leser
zugänglich zu machen. |
| auszugsweise aus |
 |
Die erste Türkenbelagerung, Wien 1529
Verlag Hermann Böhlaus Nachf.
Historisches Museum der Stadt Wien
62. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, Karlsplatz
4. Oktober 1979 bis 10. Februar 1980 |
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