| |  | |  |  |  | |
|
 |
| Das römische Kastell
Vindobona |
 |
| Nach dem Römer ihre Herrschaft über den Raum
von Wien gefestigt hatten, begannen sie mit seiner planmäßigen
Erschließung. Die bäuerlich-keltische Bevölkerung blieb im
wesentlichen unbehelligt, während die Besatzungssoldaten ihre
planmäßigen militärischen Anlagen errichteten, die nicht nur
eine genaue Kenntnis der Geländeformen, sondern auch der
geologischen und klimatischen Verhältnisse verraten. Vindobona
ist ein sehr typisches Beispiel dafür. Die Donau floss damals
noch viel näher dem heutigen Stadtgebiet. Die Porzellangasse
entspricht einem damaligen Donauarm, die Liechtensteinstraße war
eine Austraße am Uferrand, der Salzgrieshang zwischen Donau
(Praterterrasse) und Stadtterrasse bildete die Nordostgrenze des
Lagers, es war an dieser Stelle vor Donauhochwässern geschützt.
Das in die Stadtterrasse tief eingeschnittene Tal des
Ottakringer Baches schloss den Lagerbereich gegen Nordwesten ab,
heute noch im Straßenverlauf Strauchgasse-Tiefer Graben
erkennbar. Ein weniger markantes Tal, nur von einem schmalen
Bach durchzogen, bildete den Verlauf der Befestigung entlang
Graben und Rotenturmstraße. Lediglich die Südwestflanke etwa
zwischen Tuchlauben und Heidenschuss (Naglergasse) musste durch
eine besonders starke Bruchsteinmauer mit sogenanntem opus
spicatum (Steine im Fischgrätmuster) geschützt werden. Die porta
decumana, das hintere Lagertor, lag an der Einmündung der
Tuchlauben in den Graben. In der Wipplingerstraße 21 lag die
porta principalis sinistra, das linke Lagertor. Die porta
principalis dextra, das rechte Lagertor, lag in der Kramergasse;
bei der Kirche Maria am Gestade fanden sich die Spuren eines
Nordtores mit Stiegenabgang zur Donau. Die Lagerecken und die
Tore waren mit mächtigen Türmen geschützt. Außerhalb dieses
breiten Verteidigungsstreifen siedelten sich Händler, Wirte und
Handwerker in den sogenannten Lagervorstädten (canabae legionis)
an, von denen wir in Wien aber nur wenig wissen. An den aus dem
Lager führenden Hauptstraßen wurden Gräberfelder angelegt. Da
der Boden des Lagerinneren immer verbaut war, wissen wir relativ
wenig über die Innengestaltung. Die Kommandozentralen, die
principia, lagen vielleicht an oder westlich der via principalis,
etwa zwischen Judenplatz und Tuchlauben. Doch wurden weder von
ihnen noch vom praetorium, dem Sitz des Legionskommandanten,
bisher Spuren gefunden. Dafür wissen wir, dass hinter Maria am
Gestade das valetudinarium, das Spital, lag. Am Hohen Markt
fanden sich Reste einer Badeanstalt mit Hypokaustenheizung. Die
Kasernen vermutet man hinter bzw. westlich der via principalis. |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Baukran
Römerfest Carnuntum 2009 |
 |
Brennofen
Römerfest Carnuntum 2009 |
|
 |
| Am Aller Bach (zwischen Elterleinplatz und
Kalvarienberggasse, Wien XVII.) unterhielt die Legion eine
Ziegelei. Die vielfach aus einem wärmeren Klima stammenden
Legionäre litten wohl besonders unter rheumatischen
Erkrankungen, weshalb das Aufsuchen warmer Heilquellen bei ihnen
sehr beliebt war. Neben Baden bei Wien schätzten sie im
unmittelbaren Umfeld des Kastells u.a. die Meidlinger Schwefelquellen und die Quellen im
Kuglerpark in Heiligenstadt (heute Heiligenstädter Park). Auch
das erste planmäßig angelegte und ausgebaute Straßennetz im Raum
Wien ist eine Schöpfung der Römer. Nicht wenige Hauptstraßen des
heutigen Verkehrsnetzes gehen darauf zurück. |
 |
| Römische Legionen in
Vindobona |
 |
 |
 |
| Römische Legionäre - Römerfest Carnuntum 2009 |
 |
| Das stehende römische Heer wurde erst unter
Kaiser Augustus geschaffen; zuvor waren die Truppen nur auf Zeit
für einzelne Kriegszüge eingezogen worden. Die Legion war die
Standarteinheit des Heeres, sie bestand aus etwa 6000 Mann
Fußvolk, die in Kohorten zu je 600 Mann geteilt waren. Eine
Kohorte umfasste drei Manipel á 200 Mann; eine Manipel bestand
aus zwei Zenturien zu je 100 Mann. Dazu kamen noch 120-300
Berittene, die meist als Kundschafter eingesetzt wurden. Die
Legionäre waren ursprünglich das Aufgebot der römischen Bürger.
Unter Marius (um 107 v. Chr.) wurde aus dem Bürgerheer ein
Söldnerheer. Nach abgeleistetem Dienst von 20 Jahren erhielten
die Veteranen Landbesitz in den sogenannten Militär-Kolonien
zugewiesen, wo sie sich während der langen Dienstzeit meist
ohnehin bereits mit den Einheimischen fraternisiert hatten. Die
Ansiedlung dieser Veteranen führte zu einer Romanisierung der
ortsansässigen Bevölkerung. Das früheste Zeugnis für römische
Legionen in Vindobona hat sich vermutlich in einem Grabstein
eines C. Attius der XV. Legion erhalten, die in der ersten
Besatzungszeit in Carnuntum stationiert war. Die Ala Sulpicia
und wie Ala Britanica, zwei Reiterregimenter, waren bereits im
Raum Wien, vermutlich in einem einfachen Lager am rechten
Wienufer, stationiert. Von Reitern der Ala Britannica haben sich
drei Grabstellen erhalten, die im Bereich der Stallburg gefunden
wurden. Kaiser Trajan (98-117) kann als eigentlicher Gründer des
Kastells von Vindobona gelten, dessen Bau von der XIII. Legion
begonnen wurde. Als sie wegen der Dakerkriege abgezogen wurde,
bezog die XIV. Gemina in Vindobona Station. Mit Beginn des
großen Feldzuges gegen die Prather wurde 114 die Legio XIV durch
die Legio C Gemina Pia Fiedlia ersetzt, die zuvor in Spanien, am
Niederrhein und dann in Ungarn stationiert gewesen war. Sie
wurde zum „Hausregiment“ von Vindobona und blieb hier bis zum
Zusammenbruch der römischen Herrschaft um 400. |
 |
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
| Text auszugsweise aus |
 |
| Stadtchronik Wien |
Dr. Christian Brandstätter, Dr. Günter
Treffer
2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern
Von den Anfängen bis zur Gegenwart |
|
|
|
|
 |
|
|
|
mit freundlicher Genehmigung |
 |
 |
 |
| Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen |
| www.brandstaetter-verlag.at |
|
|
 |
 |
|
|
Spaziergang durch
die
Wiener Altstadt aus
archäologischer Sicht |
 |
Ein Führer durch die römische Vergangenheit Wiens.
Inkl. 3D Animationen auf Multimedia CD
(Auszüge aus der DVD Vindobona I)
Seit der Altsteinzeit (Paläolithikum) wird der Wiener
Raum von Menschen genutzt. Zahlreiche Spuren
hinterließen die Römer in Wien: Legionslager,
Lagersiedlung, Zivilstadt, Gutshöfe und die
Wasserleitungen. |
 |
|
 |
|
|
 |
Die Broschüre
"Spaziergang durch die Wiener Altstadt aus archäologischer
Sicht" führt Sie zu folgenden Stationen in der Wiener
Altstadt:
Michaelerplatz - Kohlmarkt/Naglergasse - Naglergasse/Heidenschuss
Am Hof - Judenplatz - Wipplingerstrasse/Hohe Brücke -
Renngasse 9 - Freyung
Texte, Pläne und 3D Rekonstruktionen geben einen Einblick in
die römische Vergangenheit der jeweiligen Plätze. |
 |
 |
|
|
|
 |
| DVD bei Amazon zum Thema |
|
Römer / Vindobona |
 |
|
|
 |
| Bücher bei Amazon zum Thema |
|
Römer / Vindobona |
 |
|
|
 |
| Weitere Ergebnisse zum Thema |
|
Römer / Vindobona |
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
|
| |
| |