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| Völkerwanderung |
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| Der Einbruch der Hunnen in S-Russland um 370 löste
eine großräumige Wanderbewegung aus, die sich in den folgenden
Jahrzehnten auch auf das ö. Donaugebiet auswirkte und die Geschichte des
Frühmittelalters bestimmte. |
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| Spätantikes Grab in der
Heiligenstädter Pfarrkirche (gefunden 1952). |
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| Die Westgoten wurden nach 375 zuerst als oström. Föderaten aufgenommen, brachen unter
Heerkönig Radagais aus der hunnischen Oberhoheit aus und zogen unter
Alarich (395-410) nach Italien, wobei auch süd-ö. Gebiete berührt
wurden (Zerstörung von Flavia Solva). Um 390 wurden Markomannen
in Ufernoricum und Oberpannonien angesiedelt, Carnuntum wurde zerstört.
433 musste das Weström. Reich Pannonien an die Hunnen abtreten,
die bis zum Tod Attilas 453 von dort aus Mitteleuropa weitgehend
beherrschten. Nach 453 besiegten german. Völkerschaften unter dem
Gepidenkönig Ardarich die Hunnen und andere Germanen am Fluss Nedao
(Leitha?). In der Folge kamen viele Ostgoten nach Pannonien und
Ost-Ö. und zogen 489 nach Italien ab. |
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Tabula Peutingeriana
Karte der römischen Provinzen an der Donau mit ihren Hauptstraßen,
Militärlagern und Städten um 370 |
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| Im Raum Krems setzten sich
die Rugier fest, die aber 487 von Odoakers Bruder Hunwolf besiegt
wurden, ihnen folgten die Heruler mit Schwerpunkt im Gebiet Pöchlarn.
Das 6. Jh. stand im Zeichen des Vordringens der Langobarden
von N in das Donaugebiet und der Stammesbildung der Baiern westl.
der Enns, ab Mitte des Jh. drangen die Awaren in Pannonien ein.
Langobarden und Awaren zerstörten das Gepidenreich, 568 zogen die
Langobarden nach Italien, womit die german. Wanderung ein vorläufiges
Ende fand. Im Gefolge der Awaren kamen die Slawen in das Gebiet
des heutigen Ö., deren Wanderbewegung die Geschichte des ausgehenden
6. und des 7./8. Jh. weitgehend bestimmte. Die letzte große
Bewegung war das Eindringen der Magyaren in Pannonien am Ende des
9. Jh. Insges. brachte die V. eine W-Verlagerung der Germanen
und der nachdrängenden Slawen sowie die Ansiedlung der Ungarn in
Pannonien. |
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| Hunnen |
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| Asiatisches Nomadenvolk, das während des 4. und
5. Jahrhunderts von den Kaspischen Steppen aus nach Westen vordrang. Die Feldzüge
der Hunnen brachten sowohl das Oströmische als auch das Weströmische Reich an den Rand der Zerstörung und kulminierten
in einer Serie von Kriegen unter Attila,
dem berühmtesten aller Hunnenkönige. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht
absorbierten die Hunnen verschiedene andere Völker und übernahmen deren
Eigenheiten, so dass sie in Europa zunehmend ihren spezifischen
asiatischen Charakter verloren. |
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Schädeldeformation - In
völkerwanderungszeitlichen Gräberfeldern fallen einzelne Bestattungen
wegen künstlich deformierter Schädelskelette auf. Solch artifiziell
deformierte "Turmschädel" lassen sich gleicherweise an männlichen wie an
weiblichen Individuen feststellen und finden sich ebenso bei Individuen
mongolider wie europider Rasse. Die Verbildung der Schädel geht auf
Bindenwicklung im Säuglingsalter zurück, die das Kopfskelett zu einer
gewollten Form wachsen ließ, einem Turmschädel mit fliehender Stirn. Die
Sitte der Schädelformation läßt sich erstmals im 1. nachchristlichen
Jahrhundert bei den sogenannten Kenkol-Leuten im Pamirgebiet
feststellen, die vielleicht zu den Hunnen gerechnet werden dürfen. Von
hier verbreitet sich die Sitte nach Westen und ist im 2. und 3.
Jahrhundert bei den iranischen Alanen nachzuweisen. Mit der hunnischen
Expansion wird Schädeldeformation auch von Ostgermanen übernommen und
findet im 5. Jahrhundert ihre größte Verbreitung. Goten und Gepiden
übten diesen Brauch bis ins 6. Jahrhundert. Hunnen und Ostgermanen
pflegten sowohl männloiche als auch weibliche Kinder nach dieser Mode zu
behandeln, während im westlichen Mitteleuropa sich deformierte Schädel
in langobardischen, thüringischen und burgundischen Gräbern nur an
weblichen Skeletten nachweisen lassen.
Lit.: J. Werner, Beiträge zur Archäologie des Attila-Reiches, München
1956, S. 5ff. -
Bild: © Citype |
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| Doch schon in ihrer voreuropäischen
Ära war die Identität der Hunnen nicht eindeutig festzulegen, weder
aufgrund ihrer physischen Erscheinung, noch nach ihrer ethnischen
oder sprachlichen Besonderheiten. Übereinstimmend werden sie jedoch
als angriffslustige, kraftvolle Nomaden auf relativ niedrigem kulturellen
Niveau geschildert. Ihre Technik der Kriegsführung, insbesondere
ihre Reiterei, war hoch entwickelt.
375 eroberten die Hunnen das Gebiet der Ostgoten westlich der Wolga, besiegten die
Westgoten und unterwarfen verschiedene andere germanische Stämme in Südosteuropa. Dieser
Vorstoß der Hunnen hatte unter den germanischen Stämmen eine Fluchtbewegung ausgelöst,
die in dieser Region den Beginn der Völkerwanderung markierte. Um die Jahrhundertwende waren die Hunnen bereits bis zur Donau vorgestoßen.
Unter ihrem Führer Ruga wurden die Hunnen zusammen mit den von ihnen
unterworfenen germanischen Stämmen um 425 Bundesgenossen des Römischen
Reiches und erhielten immense Soldzahlungen von Rom.
Rugas Nachfolger war sein Neffe Bleda, unter dem das Hunnenreich seine größte Ausdehnung
hatte. Nachdem Attila seinen Bruder Bleda ermordet hatte, übernahm er die
Alleinherrschaft. Er unternahm Vorstöße nach Byzanz, das ihn als gleichberechtigt
anerkennen musste, nach Italien und nach Gallien. Dort wurde er 451 auf den Katalaunischen
Feldern besiegt und zog sich in das Zentrum seines Reiches, die
Theißebene, zurück.
Nach Attilas Tod im Jahr 453 zerfiel das Reich rasch aufgrund von Streitereien um die
Nachfolge und vor allem durch eine vernichtende Niederlage gegen die Gepiden. Die Hunnen
verschwanden aus Europa und gingen ab dem 6. Jahrhundert in verschiedenen anderen
Völkerschaften auf (z.B. den Awaren und den Chasaren) |
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| Attila |
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Beiname Gottesgeißel (um 406 bis 453), König
der Hunnen (um 433 bis 453), im Deutschen auch Etzel genannt.
Über Attilas frühes Leben ist wenig bekannt, außer dass er der herrschenden Familie der
Hunnen angehörte, einem asiatischen Nomadenvolk, das von den kaspischen Steppen kam und
wiederholt in das Römische Reich einfiel. Bereits vor Attilas Geburt hatten die Hunnen
auf ihren Raubzügen gegen das Oströmische Reich die Donau erreicht und 432 so große
Macht erlangt, dass Attilas Onkel, der Hunnenkönig Roas (oder Rugilas) von Rom einen
hohen jährlichen Tribut einfordern konnte. Attila folgte seinem Onkel auf den Thron, den
er jedoch zunächst mit seinem Bruder Bleda teilen musste, bis er ihn 445 ermordete. 447
marschierte er durch Illyrien und verwüstete das gesamte Gebiet zwischen Schwarzem Meer
und Mittelmeer; die Unterworfenen zwang er zum Dienst in seinem Heer. Er besiegte den
byzantinischen Kaiser Theodosius II.; Konstantinopel selbst blieb nur verschont, weil
die Armee der Hunnen, die sich vor allem aus Reitertruppen zusammensetzte, nicht die
Voraussetzungen für eine Belagerung mitbrachte. Theodosius musste jedoch einen Teil
seines Gebiets südlich der Donau abtreten und Tribut sowie jährliche
Unterstützungszahlungen leisten. Mit seinem Heer, in dem auch sehr viele Ostrogoten oder Ostgoten kämpften, fiel Attila
451 im Bund mit Gaiserich, dem König der Wandalen, in Gallien ein. Er traf dort auf den
römischen Feldherrn Flavius Aetius, der ihn in der Schlacht auf den Katalaunischen
Feldern (heute Châlons-sur-Marne in der Nähe von Troyes, Frankreich) besiegte.
Es soll eine der schrecklichsten Schlachten des Altertums gewesen sein. Die Römer wurden
unterstützt von den Wisigoten oder Westgoten unter ihrem König Theodoros I. (er
regierte 419-451). Zeitgenössische Geschichtsschreiber geben die Verluste unter Attilas
Truppen mit 200 000 bis 300 000 Mann an, eine Zahl, die heute als stark
übertrieben gilt. Aetius ließ die Hunnen abziehen, verfolgte sie jedoch bis an den
Rhein.
Teilweise von der Niederlage erholt, richtete Attila im folgenden Jahr seine
Aufmerksamkeit auf Italien, wo er Aquilèia, Mailand, Padua und andere Städte verwüstete
und gegen Rom vorrückte. Rom entging der Vernichtung nur dank der Vermittlung von Papst
Leo I., der den Hunnenkönig durch sein erhabenes Auftreten tief beeindruckt haben
soll. 453 rüstete Attila erneut zu einem Angriff auf Italien, starb jedoch, bevor er
seinen Plan in die Tat umsetzen konnte in Wien.
Im Nibelungenlied wird erzählt, wie der Hunnenkönig Etzel mit einem 17-tägigen Fest
seine Hochzeit mit Kriemhield in "Wiene" feiert. Die Hunnen bleiben nur wenige
Jahre.
Danach siedeln Langobarden, Slawen, Ungarn und andere Stämme in Wien. |
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| Langobarden |
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| Die Langobarden sind ein germanischer Stamm, der um die
Zeitenwende an der unteren Elbe siedelte und nach seiner eigenen, archäologisch nicht
verifizierbaren Überlieferung ursprünglich aus Skandinavien stammte. Um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. drang ein Teil der Langobarden über
Mähren in Pannonien (Ungarn) ein, und man nimmt an, dass sich bis zum 5. Jahrhundert
weitere Elbgermanen unter der Führung der Langobarden in Mähren, nördlich der Donau,
ansiedelten. Aus diesen verschiedenen Ethnien hat sich wahrscheinlich ab dem
5. Jahrhundert ein neuer langobardischer Stamm herausgebildet. Seit Anfang des 6. Jahrhunderts drangen die Langobarden verstärkt
über die Donau vor und dehnten ihren Siedlungs- und Herrschaftsraum
über Oberpannonien aus. Unter dem Druck der Awaren aus dem Osten
verließen die Langobarden 568 ihr Gebiet und wandten sich
unter ihrem König Alboin in Richtung Italien. Sie besetzten die
Lombardei und errichteten hier das Langobardenreich mit der Hauptstadt
Pavia; später kamen noch Eroberungen in Mittel- und Süditalien (Benevent
und Spoleto) hinzu. Anfang des 7. Jahrhunderts traten die Langobarden unter Agilulf
vom arianischen Glauben zum Katholizismus über und trugen damit
wesentlich zur Konsolidierung ihrer Herrschaft in Italien bei. In
der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts erreichte das Langobardenreich
unter seinen Königen Liutprand und Aistulf den Höhepunkt seiner
Macht und seine größte Ausdehnung. 773/74 eroberte Karl der
Grosse das Langobardenreich, das nun mit dem Fränkischen Reich vereinigt
und 951 durch Otto I. mit dem Heiligen Römischen Reich verbunden
wurde. Das Herzogtum Benevent im Süden blieb vorerst selbständig,
bis es im 11. Jahrhundert unter normannische Herrschaft kam. |
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| Awaren |
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Gegen Ende der Völkerwanderung bis 796 n.Chr.
beherrschten die Awaren den Wiener Raum, sowie ganz Pannonien.
Die Awaren sind ein Volk in Dagestan und Aserbaidshan, das die kaukasische Sprache
Awarisch spricht. Die Awaren sind ein anthropologisch stark gemischtes Volk, in dem sowohl
mongolide als auch europide Typen vertreten sind. Sie lebten ursprünglich als Nomaden,
wurden später jedoch sesshafte Viehzüchter und Ackerbauern. Die von den Türken bedrängten Awaren wanderten ab 552 n. Chr.
nach Westen aus. 558 wurden sie Föderaten von Byzanz. |
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| Awarengrab Csokorgasse (Grabung 1997). |
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| An der Seite
der Langobarden kämpften die Awaren 566 gegen die ungarischen Gepiden
und besiedelten anschließend das Karpatenbecken. Nachdem die Langobarden
558 nach Italien ausgewandert waren, übernahmen die Awaren die Alleinherrschaft
Pannoniens. Ende des 6. Jahrhunderts erstreckte sich das Territorium
der Awaren von der Wolga bis hin zur Ostsee. Sie forderten enorme
Tributzahlungen vom Byzantinischen Reich. Während dieser Periode
waren die Awaren unter ihrem Herrscher Baian Khan wahrscheinlich
die stärkste Macht in Europa. Sie beeinflussten die Entwicklung
weiter Teile des Kontinents, da sie einen Großteil der Westslawen
in die Gebiete drängten, die sie seither besiedeln. Nach dem Tod
Baians schwand die Macht der Westawaren durch Angriffe der Slawen
und Bulgaren. 791 und 803 wurden sie von Karl dem Großen endgültig
geschlagen. Ethnisch gingen die Awaren in den Slawen und den später
zugewanderten Magyaren auf. |
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| Magyaren |
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| Nach dem Jahr 900 durchtobten die Madjaren,
ein ungarisches Steppenvolk, den Wiener Raum und brachten ihn in
ihre Gewalt, so dass bis 1030 keine geschichtlichen Nachrichten
über Wien mehr aufzufinden sind.
Unter ihrem militärischen Führer Árpád drangen die landflüchtigen Magyarenstämme in
mehreren Zügen über die Karpatenpässe und entlang der Donau in das Pannonische Becken
vor. Die magyarische Landnahme löste vorübergehend unter den Anrainern erhebliche
Irritationen aus und verursachte weit reichende machtpolitische Umschichtungen. Die
»Ungarnplage« weitete sich nach der Niederlage des lombardischen Heeres König Berengars
I. 899 an der Brenta zu einer akuten Bedrohung der gesamten südöstlichen Grenzgebiete
des Ostfränkischen Reiches aus. Seit 900 hatten die Magyaren ganz Pannonien fest in ihrer
Hand. Das Großmährische Reich brach 906 unter ihrem Ansturm sehr rasch zusammen. Ein
bayerisches Heer wurde 907 bei Preßburg vernichtend geschlagen, Markgraf Luitpold, der
Erzbischof von Salzburg, die Bischöfe von Freising und Säben sowie die Besten des
bayerischen Adels fanden den Tod.Die magyarischen Steppenkrieger suchten in den folgenden Jahren auf ihren Streifzügen
ganz Süddeutschland und Oberitalien heim und drangen westwärts bis über den Rhein vor.
Selbst die byzantinischen Kaiser blieben seit dem überraschenden magyarischen Vorstoß im
Jahre 934 vor weiteren Übergriffen der ehemaligen Verbündeten nicht verschont. Die
Magyaren hatten sich inzwischen mit den Petschenegen verständigt. Auf gemeinsamen
Streifzügen bedrohten sie mehrfach die Kaiserstadt am Bosporus und waren nur durch
horrende Geldzahlungen zum Abzug zu bewegen.
Den mobilen Steppenkriegern waren die schwerfälligen Aufgebote gepanzerter Ritter
zunächst hilflos ausgeliefert. Nur mühsam formierte sich eine wirksame Gegenwehr gegen
ihre fintenreiche Kriegstaktik. König Heinrich I. gelang es erstmals 933 bei Riade an der
Unstrut (in der Nähe von Merseburg), das Schlachtfeld gegen die magyarischen Angreifer zu
behaupten. Die Wende führte König Otto I. mit seinem hart erkämpften Sieg auf dem
Lechfeld bei Augsburg am 10. August 955 herbei. Der Führer der Magyaren Bulcsu, der 948
den Frieden mit Byzanz erneuert hatte und in Konstantinopel getauft worden war, fiel in
die Hand des Siegers und wurde hingerichtet. Unter dem Eindruck der verheerenden
Niederlage ebbten die Ungarnzüge ab. Die Magyaren büßten ihre militärische Schlagkraft
ein. Sie zogen sich auf ihren pannonischen Kernraum zurück und suchten sich mit ihren
christlichen Nachbarn zu arrangieren. |
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Text auszugsweise aus |
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| Von Vindobona zu Wien |
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| Die Klärung der Entstehung des Ortsnamens „Wien“ ist
eine schwierige Aufgabe für die Namensforschung. Keltische, lateinische,
romanische, germanische, slawische und andere Einflüsse haben sich
mehrfach vermischt und so in einem Prozess, der mehr als ein Jahrtausend
dauerte, aus dem keltischen Namen der Siedlung das Wort „Wien“ werden
lassen. Aber was war der keltische Name der Siedlung? Schon hier
beginnen die Meinungen aufeinanderzuprallen. Vielfach wird angenommen,
der keltische Name Vedunia (d.h. etwa Waldbach) für den Wienfluss sei
auf die ufernahe Ansiedlung übertragen worden, die im Bereich des
heutigen Rennwegs entstand. Über die Form Veidinia und slwaische
Vermittlung sei daraus althochdeutsch Venia, Wenia oder Wennia und
mittelhochdeutsch Wienne entstanden (das sich noch im mundartlichen „Wean“
von heute erhalten hat). Mit „Vindobona“ hat nach Ansicht dieser
Erklärung das Wort Wien nichts zu tun. „Vindobona“ wäre demnach mit dem
Abzug der Romanen 488 in Vergessenheit geraten. Dem widerspricht eine
jüngere, wahrscheinlich plausible Erklärung. Die Ortsnamenforschung hält
es für unsinnig anzunehmen, dass die Kelten in einem fast durchgehend
bewaldeten Gebiet einen Fluss und dann auch noch eine Siedlung
„Waldbach“ genannt haben sollten. Wahrscheinlicher ist, dass das
keltische oppidum auf dem Leopoldsberg den Namen Vindobona trug, was
soviel wie „Weißer Boden“, „Weißes Gut“ bedeutet. Von den Rämern wurde
er nach Schleifung der Höhenfestung auf ihr Militärlager übertragen, und
dieses hieß daher „amtslateinisch“ ebenfalls Vindobona, wofür wir viele
Nachweise besitzen. Vom römischen Latein über das in unserem Gebiet
gesprochene und nicht überlieferte mundartliche „Romanisch“ mit
keltischen Elementen verwandelte sich dieses Vindobona lautgerecht zu
Vindovona, Vindovina, Vindomina (eine belegte Form). Über nicht
erhaltene Formen in Sprachen, die während der Völkerwanderung hier
gesprochen wurden, entwickelte sich slawisch Videnica, Vidunji, Viden
(wie es heute noch im Tschechischen heißt) und schließlich wieder
deutsch Wienne und „Wien“. (Auch der Name der Wieden, des heutigen
IV.Bezirkes, leitet sich davon ab.) |
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| Die Siedlungskontinuität |
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| Es bestanden lange Zweifel daran, ob sich nach dem
Untergang des Römischen Reiches im Siedlungsgebiet von Wien eine
durchgehende Besiedlung halten konnte, oder ob die Stürme der
Völkerwanderung alles vernichteten, was sich ihr in den Weg stellte.
Schriftliche Nachrichten besitzen wir aus der Epoche des Durchzuges
ungezählter Stämme und Volksgemeinschaften so gut wie nicht; andere
Methoden der Geschichtsforschung lassen aber doch den eindeutigen
Schluss zu, dass Wien niemals gänzlich entvölkert war. Allerdings kann
man wohl vermuten, dass es sich um eine überaus gemischte Bevölkerung
gehandelt haben muss, die aus keltischen, asiatisch-mongolischen,
slawischen, awarischen, germanischen und vielleicht auch noch Resten von
provinzial römischen Elementen zusammengesetzt war und bei jedem Einfall
neuer Völkerschaften dezimiert wurde. Dafür vermischten sich dann die
Neuankömmlinge wieder mit den Alteingesessenen, und der Kreislauf begann
von neuem. Wien war nicht erst zu den Zeiten der Donaumonarchien
Schmelztiegel verschiedenster Völker! Die Archäologie konnte in Wien
eine etwa zwei Meter dicke römerzeitliche Kulturschicht nachweisen, die
mit einer durchgehenden Brandschicht abgeschlossen war. Dies ließ
zunächst die Folgerung zu, das römische Lager sei vollkommen vernichtet
worden (um 400). Doch müssen die Lagermauern zumindest teilweise und
bruchstückhaft die Zerstörung überlebt haben, bildeten sie doch noch bis
ins Hochmittelalter hinein einen Schutzwall. Wie ein Niederaltaicher
Bericht verzeichnet, wurde 1030 das Heer Kaiser Konrads II. von den
Ungarn „in den Mauern“ von „Viennis“ eingeschlossen, und 1280 ist in
einem Bericht aus Heiligenkreuz von vetustissimis muris- uralten Mauern
– die Rede, die es in Wien gibt. Ein bereits in Jans Enikels
„Fürstenbuch“ (um 1280) erwähntes Gebäude, der Alte Berghof, zwischen
Marc Aurel-Straße, Sterngasse und Judengasse bzw. Hohem Markt, der Sage
nach das älteste Haus von Wien, erbrachte dann schließlich auch
archäologisch den Beweis einer Siedlungskontinuität an dieser Stelle: Um
400 wurden die beschädigten Mauern des römischen Lagers ausgebessert und
bewohnbar gehalten. Auf ihnen ruhten die Fundamente des kurz nach 1800
demolierten Alten Berghofs, der vor der Zeit der Babenberger die erste
„Burg“ Wiens wurde. Folgerichtig ist der älteste nachrömische
Siedlungsbereich in Wien in der winzigen Siedlung nahe und um die später
errichtete Kirche St. Ruprecht zu suchen, die Keimzelle des
mittelalterlichen Wien, in der zunächst die aus dem Umfeld des
vernichteten Lagers Vindobona zusammenströmende Bevölkerung Schutz
suchte. |
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| Die Karolingische Mark |
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| Im 6. Und 7. Jahrhundert begannen die Baiern im Osten
und Süden ihres Siedlungsgebietes Neuland in Besitz zu nehmen. Es
handelte sich um eine weitgehend friedliche Landnahme, bis sie in
dichter bewohntes Gebiet vordrangen, das teils in slawischem (im
Alpenraum), teils in awarischem Besitz (im Voralpengebiet und Donauraum)
war. Um die Awarengefahr für die bairischen Kolonisten ein für allemal
zu bannen, unternahm Kaiser Karl in den Jahren 791-796 Kriegszüge gegen
die Awaren, die schließlich zum völligen Untergang des Awarenreichs
führten. Getreu seiner Politik, die Grenzen seines Reiches durch
Grenzmarken zu sichern, wie er das auch im Westen und Süden versuchte,
richtete Karl im ehemals pannonischen Gebiet eine Mark ein, die
Provincia Avarorum. Sie wurde später auch Awarische oder Karolingische
Mark genannt. Eine Grenzmark wurde von einem Präfekten verwaltet, einem
Grenzgrafen, zu dessen Aufgabenbereich Grenzschutz, Aufbietung der
Heerbanns sowie Verwaltung und Rechtspflege zählten. Unser Wissen über
die Provincia Avarorum, die aus drei Gebietsteilen bestand
(Unterpannonien zwischen Raab und Drau; Oberpannonien zwischen Raab und
Wienerwald; Mark an der Donau zwischen Wienerwald und Enns – später
marchia orientalis genannt), ist nicht besonders groß. Unter der Führung
adeliger Grundherren kamen jedenfalls neuerlich bairische Bauern in die
Mark und auch in den Raum Wien und siedelten sich hier an (die
sogenannte zweite Bairische Landnahme). Mit der Kolonialisierung ging
auch eine Missionierungswelle Hand in Hand. So entstand offenbar in der
Nordostecke des einstigen Römerlagers von Vindobona um die heutige
Kirche St. Ruprecht eine typische Kirchensiedlung. Sie stellte einen
bescheidenen Handelsplatz für die die Donau hinab fahrenden Salzkähne
dar, einen vorgeschobenen bairischen Grenzposten. Noch einmal geriet
jedoch die bairische Kolonialisierungsleistung in höchste Bedrängnis,
als nämlich vor 900 ein weiteres asiatisches Reitervolk, die damals noch
heidnischen Magyaren, über die Donau vorstießen. 881 ist ein erster
Krieg zwischen Baiern und Ungarn ad Weniam (= bei Stadt oder Fluss Wien)
in den Salzburger Annalen erwähnt. Das Erscheinen der Magyaren bedeutete
das Ende für die Karolingische Mark, denn nach de Vernichtung eines
bairischen Heerbanns bei Preßburg 907 kam das Gebiet zwischen Enns und
Leitha unter ungarische Herrschaft und wurde tributpflichtig. Eine
lockere Verbindung mit den bairischen Bistümern (Passau; anfangs wohl
auch Salzburg) blieb jedoch bestehen. 943 begann die bairische
Gegenoffensive, die 955 mit der Schlacht auf dem Lechfeld endete, in der
die Ungarn entscheidend geschlagen wurden. Im 19.Jahrhundert bürgerte
sich für die Karolingische wie für die Ottonische Mark der Begriff
„Ostmark“ ein (wohl eine Nachbildung zu marchia orientalis), der jedoch
in zeitgenössischen Quellen nie aufscheint. 1938 wurde der Name für das
annektierte Österreich vorgeschrieben, 1942 jedoch wieder verboten und
durch die Bezeichnung „Alpen- und Donaugaue“ abgelöst. |
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| Die Ottonische Mark |
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Die Reichskrone. 2. Hälfte 10. Jh.,
vermutlich für die Krönung Ottos I. (962) gefertigt.
Kronenkreuz um 1010/20. Bügel um 1024/39. |
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| Der Sieg Ottos I. über die Magyaren auf dem Lechfeld
(955) brachte eine Wende in die Geschichte des südöstlichen
Mitteleuropa. Die Magyaren wurden im Donau-Theiß-Becken sesshaft und
nahmen in der Folge das Christentum an, traten also in den
Geschichtsverband des Abendlandes ein. Das Datum kennzeichnet auch den
Beginn der eigenständigen Geschichte Österreichs. Zum Schutz der
Ostgrenze des Reiches wurden Grenzmarken eingerichtet, die im
wesentlichen den karolingischen Besitzverhältnissen entsprachen. Die
Ottonische Mark an der Donau, so benannt nach ihrem Schöpfer, dem
deutschen König Otto I. (936-973), umfasste zunächst das Gebiet des
Alpenvorlandes zwischen Traungau und Traisen. Sie war Königsland; der
König war es daher auch, der einen weltlichen Lehensmann als Markgrafen
einsetzte. Obwohl der Definition nach bloß Verwalter kaiserlichen Guts,
war der Markgraf mit landesherrlichen Rechten ausgestattet: Ihm oblag
die hohe Gerichtsbarkeit, der militärische Oberbefehl, die
Aufrechterhaltung der inneren Ordnung, er verfügte über eine Reiche
erheblicher Einkünfte. |
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König Heinrich II. schenkt dem
Markgrafen Heinrich I. Güter zwischen
Liesing und Triesting sowie Kamp und March (NÖ).
Urkunde vom 1. November 1002. |
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| Nachdem Kaiser Otto II. den Aufstand seines Vetters,
des Bayerherzogs Heinrich des Zänkers, niedergeschlagen hatte, enthob er
den ersten Markgrafen Burkhard seines Amtes und setzte im Juli 976 einen
neuen Markgrafen ein. Dieser „marchio Liutpold“ ist als Leopold I. in
die Geschichte eingegangen. Er entstammte einem bedeutenden fränkischen
Geschlecht, das durch vielfältige verwandtschaftliche Beziehungen im
süddeutschen Raum verankert war. Anfänglich umfasste die Mark das Gebiet
des Alpenvorlandes von der Enns bis zur Traisen. In stetiger Expansion
nach Osten wurde diese Grenze immer weiter vorangetrieben. Um 985 waren
die Ausläufer des Wienerwaldes erreicht, um 1030 der Raum von Wien. 1043
reichte die Mark bis zu den Flüssen March und Leitha; damit waren die
endgültigen Grenzen gegen Böhmen und Ungarn gezogen. Parallel mit diesem
„Drang nach Osten“ ging die schrittweise Verlagerung der Residenz der
Babenberger: zunächst nach Pöchlarn; nach 984 Melk; um die Mitte des
11.Jahrhunderts Tulln; nach 1106 Klosterneuburg; 1156 endlich, mit der
Ernennung zum Herzogtum, Wien. |
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| Text auszugsweise aus |
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| Stadtchronik Wien |
Dr. Christian Brandstätter, Dr. Günter
Treffer
2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern
Von den Anfängen bis zur Gegenwart |
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mit freundlicher Genehmigung |
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| Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen |
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Österreich / Völkerwanderung |
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