Flughafen Vöslau - Kottingbrunn

Luftangriff - Bild aus www.loav.at

Nach schweren Bombenangriffen im April 1944 und einem Tieffliegerangriff durch
„Mustang – Maschinen“ waren die meisten Anlagen des Fliegerhorstes
Vöslau/Kottingbrunn zerstört oder stark beschädigt.
Das Flugwesen erlebt am Beginn der 20er Jahre einen ungeahnten Fortschritt. Der Konkurrenzkampf zwischen Ballon, Luftschiff und Flugzeug sieht das motorbetriebene Flugzeug als Sieger. Die Gebrüder Wright, Otto und Gustav Lilienthal und Ing. Igo Etrich sind einige der Väter der Flugzeuge. Angespornt durch hohe Preisgelder für den ersten Nonstopflug von New York nach Paris über den Atlantik entsteht ein brutaler Wettkampf für die 5800 km lange Strecke, den Charles Lindbergh in seiner Spirit of St.Louis im Jahre 1927 mit einem 33:30 Stundenflug für sich entscheidet.
Die Initiative, im Osten des Kottingbrunner Gemeindegebietes auf einem riesigen, ungenutzten Areal einen Flugplatz zu errichten, ging zur gleichen Zeit vom Vöslauer Bürgermeister Rudolf Frimel aus. Ein Jahr nach der Atlantiküberquerung des Charles Lindbergh wird am 13.September 1928 der Flugplatz Bad Vöslau-Kottingbrunn mit einer Flugschau gegründet. Die Wiege der österreichischen Fliegerei liegt in Wr.Neustadt. Dort enstand auch schon 1909 ein Flugfeld mit Hangars, gefolgt von Aspern im Jahre 1912. Aspern entwickelte sich als Verkehrsflugplatz, die Kapazitäten reichten nicht mehr aus. Die Privatfliegerei - welche Parallelen zu heute - sollte ausgegliedert werden. Der Privatpilot Franz Zuzmann ergriff die Initiative und ging nach Vöslau-Kottingbrunn. Nach ministeriellen Genehmigungen erhielt er 1930 die Genehmigung zur Errichtung eines nicht dem allgemeinen, öffentlichen Verkehr dienenden Flugplatzes im Gemeindegebiet von Kottingbrunn.

Gemeinsam mit Proksch und Paulitsch, ebenfalls begeisterte Piloten, gründet Zuzmann die Flughafen Kottingbrunn Franz Zuzmann & Co Kommanditgesellschaft. Die katastrophale Wirtschaftslage verhinderte einen zügigen Ausbau des Flughafens, der Friedensvertrag von St.Germain 1919 untersagte den Aufbau einer Fliegertruppe, trotzdem gewann Vöslau/Kottingbrunn an Bedeutung. Die nahegelegene Patronenfabrik Hirtenberger des Fritz Mandl gründete eine Abteilung Flugzeugbau und erhielt den Auftrag für den Bau von Schulflugzeugen für das österreichische Bundesheer, das Flugfeld wurde für die Erprobung genützt. In den Jahren bis zum 2.Weltkrieg sind es die Privatflieger und Rundflüge, die die Fa. Zuzmann und den Flugplatz erhalten, der Ausbau zu einem öffentlichen Flughafen Baden/Kottingbrunn gelingt nicht.

1938 übernimmt die Deutsche Luftwaffe den Privatflughafen als Fliegerhorst, Zuzmann erhält eine finanzielle Entschädigung. Rasch wird der Ausbau vorangetrieben, Wachgebäude, Unterkünfte, Unterrichtsräume, Wirtschaftsgebäude, ein Horstkino, Werften und Hangars werden errichtet. Als erstes wird die 3.(H)/14, die 3.Staffel der Heeresaufklärungstruppe 14 aus Cottbus nach Vöslau verlegt. Mit Flugzeugen der Typen HE 45, He 46, Focke Wulf, Junkers und der Fieseler Storch werden Aufklärungs-, Kurier- und Verbindungsflüge durchgeführt. Während des Krieges werden immer wieder verschiedene Staffeln stationiert, die Jagdfliegerschule JG 8 eingerichtet, doch dramatisch wird die Lage, als gegen Ende des Krieges amerikanische Jagdbombergeschwader die Flugzeugwerke in Wr.Neustadt und den Fliegerhorst Vöslau bombardieren.

Nach dem Weltkrieg besetzen 1945 russische Truppen den Flughafen oder besser gesagt das, was vom Fliegerhorst noch übrig war und begannen mithilfe der einheimischen Frauen und Männer mit dem Wiederaufbau. Zuerst wird der Platz militärisch und später auch zivil genützt. Die Fluggesellschaften der Oststaaten flogen Vöslau/Kottingbrunn als Wiener Verkehrsflughafen an.

Ein besonderes Datum ist der 11.April 1955. An diesem Tag brach eine österreichische Regierungsdelegation mit 2 Flugzeugen der Type Iljuschin IL 14 nach Moskau auf, um den österreichischen Staatsvertrag zu verhandeln. 4 Tage später, am 15.April kamen die Herren, unter ihnen Ing. Julius Raab, Dr. Adolf Schärf, Ing. Leopold Fiegl, Dr. Bruno Kreisky und Dr.Ludwig Steiner mit dem Staatsvertrag, der am 15.Mai im Belvedere unterschrieben werden soll, nach Vöslau zurück. 40 Jahre später, im Jahre 1995 veranstaltete der Verein der Flugplatzfreunde eine Festveranstaltung, bei der Hr.Dr.Steiner extra aus Innsbruck anreiste, um die Festrede zu halten. (Details siehe Verein - Highlights)

Das 1955 neu gegründete Bundesheer übernimmt 5 ehemalige Fliegerhorste, Zeltweg, Aigen, Hörsching, Langenlebarn und Wr.Neustadt, nicht aber Vöslau/Kottingbrunn, dieser wird wieder ein privates Flugfeld. Die Betriebsbewilligung erhielt der Österreichische Aero Club am 8.7.1956 für Segelflug und am 20.12.1957 für Motorflug.

Eine neue Ära beginnt 1972, als die Flughafen Wien Betriebsgesellschaft Platzhalter der Anlage wird. Gebäude und Hangars werden errichtet, die Piste auf 850 m verlängert und asphaltiert. Als wegen des Neubaus der Piste 16/34 in Schwechat Wien/Aspern geschlossen werden muss, übersiedeln die meisten Vereine nach Vöslau. Gleichzeitig siedeln sich die ersten gewerblichen Betriebe an.

Um einen sicheren Flugbetreib zu gewährleisten, werden die technischen Einrichtungen verbessert. 1979 wird der Flugleitturm errichtet. Heute ist Bad Vöslau/Kottingbrunn der meist frequentierte Flugplatz der Allgemeinen Luftfahrt in Österreich, er dient der Aus- und Weiterbildung vieler österreichischer Verkehrspiloten.

Seit 1.7.1996 ist die Motorflugunion, die mfu Flugbetrieb GmbH mit der Betriebsführung betraut. Dank des ambitionierten Einsatzes hat sich einiges verändert. Die Tankstelle wurde auf Selbstbedienung umgestellt, die immer lauter werdenden Flugplatzgegner in Schranken gehalten, die Anflugverfahren an die örtlichen Gegebenheiten angepasst, ein IFR Anflugverfahren bewilligt und eine Pistenbefeuerung für Nachtanflüge wird demnächst installiert.
Ausführliche Geschichte des Flugplatzes Vöslau - Kottingbrunn
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