Das Flugwesen erlebt am Beginn der 20er
Jahre einen ungeahnten Fortschritt. Der Konkurrenzkampf zwischen Ballon,
Luftschiff und Flugzeug sieht das motorbetriebene Flugzeug als Sieger.
Die Gebrüder Wright, Otto und Gustav Lilienthal und Ing. Igo Etrich sind
einige der Väter der Flugzeuge. Angespornt durch hohe Preisgelder für
den ersten Nonstopflug von New York nach Paris über den Atlantik
entsteht ein brutaler Wettkampf für die 5800 km lange Strecke, den
Charles Lindbergh in seiner Spirit of St.Louis im Jahre 1927 mit
einem 33:30 Stundenflug für sich entscheidet.
Die Initiative, im Osten des Kottingbrunner Gemeindegebietes auf einem
riesigen, ungenutzten Areal einen Flugplatz zu errichten, ging zur
gleichen Zeit vom Vöslauer Bürgermeister Rudolf Frimel aus. Ein Jahr
nach der Atlantiküberquerung des Charles Lindbergh wird am 13.September
1928 der Flugplatz Bad Vöslau-Kottingbrunn mit einer Flugschau
gegründet. Die Wiege der österreichischen Fliegerei liegt in Wr.Neustadt.
Dort enstand auch schon 1909 ein Flugfeld mit Hangars, gefolgt von
Aspern im Jahre 1912. Aspern entwickelte sich als Verkehrsflugplatz, die
Kapazitäten reichten nicht mehr aus. Die Privatfliegerei - welche
Parallelen zu heute - sollte ausgegliedert werden. Der Privatpilot Franz
Zuzmann ergriff die Initiative und ging nach Vöslau-Kottingbrunn. Nach
ministeriellen Genehmigungen erhielt er 1930 die Genehmigung zur
Errichtung eines nicht dem allgemeinen, öffentlichen Verkehr dienenden
Flugplatzes im Gemeindegebiet von Kottingbrunn.
Gemeinsam mit Proksch und Paulitsch, ebenfalls begeisterte Piloten,
gründet Zuzmann die Flughafen Kottingbrunn Franz Zuzmann & Co
Kommanditgesellschaft. Die katastrophale Wirtschaftslage verhinderte
einen zügigen Ausbau des Flughafens, der Friedensvertrag von St.Germain
1919 untersagte den Aufbau einer Fliegertruppe, trotzdem gewann Vöslau/Kottingbrunn
an Bedeutung. Die nahegelegene Patronenfabrik Hirtenberger des Fritz
Mandl gründete eine Abteilung Flugzeugbau und erhielt den Auftrag für
den Bau von Schulflugzeugen für das österreichische Bundesheer, das
Flugfeld wurde für die Erprobung genützt. In den Jahren bis zum
2.Weltkrieg sind es die Privatflieger und Rundflüge, die die Fa. Zuzmann
und den Flugplatz erhalten, der Ausbau zu einem öffentlichen Flughafen
Baden/Kottingbrunn gelingt nicht.
1938 übernimmt die Deutsche Luftwaffe den Privatflughafen als
Fliegerhorst, Zuzmann erhält eine finanzielle Entschädigung. Rasch wird
der Ausbau vorangetrieben, Wachgebäude, Unterkünfte, Unterrichtsräume,
Wirtschaftsgebäude, ein Horstkino, Werften und Hangars werden errichtet.
Als erstes wird die 3.(H)/14, die 3.Staffel der Heeresaufklärungstruppe
14 aus Cottbus nach Vöslau verlegt. Mit Flugzeugen der Typen HE 45, He
46, Focke Wulf, Junkers und der Fieseler Storch werden Aufklärungs-,
Kurier- und Verbindungsflüge durchgeführt. Während des Krieges werden
immer wieder verschiedene Staffeln stationiert, die Jagdfliegerschule JG
8 eingerichtet, doch dramatisch wird die Lage, als gegen Ende des
Krieges amerikanische Jagdbombergeschwader die Flugzeugwerke in
Wr.Neustadt und den Fliegerhorst Vöslau bombardieren.
Nach dem Weltkrieg besetzen 1945 russische Truppen den Flughafen oder
besser gesagt das, was vom Fliegerhorst noch übrig war und begannen
mithilfe der einheimischen Frauen und Männer mit dem Wiederaufbau.
Zuerst wird der Platz militärisch und später auch zivil genützt. Die
Fluggesellschaften der Oststaaten flogen Vöslau/Kottingbrunn als Wiener
Verkehrsflughafen an.
Ein besonderes Datum ist der 11.April 1955. An diesem Tag brach eine
österreichische Regierungsdelegation mit 2 Flugzeugen der Type Iljuschin
IL 14 nach Moskau auf, um den österreichischen Staatsvertrag zu
verhandeln. 4 Tage später, am 15.April kamen die Herren, unter ihnen
Ing. Julius Raab, Dr. Adolf Schärf, Ing. Leopold Fiegl, Dr. Bruno
Kreisky und Dr.Ludwig Steiner mit dem Staatsvertrag, der am 15.Mai im
Belvedere unterschrieben werden soll, nach Vöslau zurück. 40 Jahre
später, im Jahre 1995 veranstaltete der Verein der Flugplatzfreunde eine
Festveranstaltung, bei der Hr.Dr.Steiner extra aus Innsbruck anreiste,
um die Festrede zu halten. (Details siehe Verein - Highlights)
Das 1955 neu gegründete Bundesheer übernimmt 5 ehemalige Fliegerhorste,
Zeltweg, Aigen, Hörsching, Langenlebarn und Wr.Neustadt, nicht aber
Vöslau/Kottingbrunn, dieser wird wieder ein privates Flugfeld. Die
Betriebsbewilligung erhielt der Österreichische Aero Club am 8.7.1956
für Segelflug und am 20.12.1957 für Motorflug.
Eine neue Ära beginnt 1972, als die Flughafen Wien Betriebsgesellschaft
Platzhalter der Anlage wird. Gebäude und Hangars werden errichtet, die
Piste auf 850 m verlängert und asphaltiert. Als wegen des Neubaus der
Piste 16/34 in Schwechat Wien/Aspern geschlossen werden muss,
übersiedeln die meisten Vereine nach Vöslau. Gleichzeitig siedeln sich
die ersten gewerblichen Betriebe an.
Um einen sicheren Flugbetreib zu gewährleisten, werden die technischen
Einrichtungen verbessert. 1979 wird der Flugleitturm errichtet. Heute
ist Bad Vöslau/Kottingbrunn der meist frequentierte Flugplatz der
Allgemeinen Luftfahrt in Österreich, er dient der Aus- und Weiterbildung
vieler österreichischer Verkehrspiloten.
Seit 1.7.1996 ist die Motorflugunion, die mfu Flugbetrieb GmbH mit der
Betriebsführung betraut. Dank des ambitionierten Einsatzes hat sich
einiges verändert. Die Tankstelle wurde auf Selbstbedienung umgestellt,
die immer lauter werdenden Flugplatzgegner in Schranken gehalten, die
Anflugverfahren an die örtlichen Gegebenheiten angepasst, ein IFR
Anflugverfahren bewilligt und eine Pistenbefeuerung für Nachtanflüge
wird demnächst installiert.
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