Weihnachten
Christbaum - © Anja Wegner - Fotolia.com
Das Weihnachtsfest ist in den Weihnachtsfestkreis des kirchlichen (und weltlichen) Brauchtums, welcher mit dem ersten Advent (dem Beginn des Kirchenjahres) beginnt und bis zum 2. Februar (Maria Lichtmeß) dauert, eingebunden. Das Fest selbst erstreckt sich heute auf drei Tage, vom 24.12. bis 26.12. Der eigentliche Tag der Geburt Christi am 25.12. wurde jedoch erst im 4. Jahrhundert festgelegt. An Weihnachten feiern Christen die Geburt des Jesus von Nazareth. Die heutigen Weihnachtsbräuche sind größtenteils erst im 19. Jahrhundert entstanden, als Weihnachten als Fest nicht nur der heiligen sondern faktisch auch der bürgerlichen Familie zunehmend an Bedeutung gewann. Durch das postmoderne, übersteigerte Konsumverhalten gewann Weihnachten in der öffentlichen Wahrnehmung weiter an Gewicht wodurch die akademisch theologische Einstufung von Ostern als bedeutungsvollstem Fest der Christenheit in der Öffentlichkeit weitgehend verloren gegangen ist. Historisch wurzelt das Weihnachtsfest in der keltischen und germanischen Feier der Wintersonnenwende. Die Umdeutung und Integration dieses Festes in den neuen Glauben (und damit Germanisierung des Christentums) war ein strategisches Element der ersten mitteleuropäischen Missionare zur Christianisierung von Germanen und Kelten.

Das Wort Weihnachten leitet sich ab von der mittelhochdeutschen Wendung (ze den) wîhen nahten ("(in den) heiligen Nächten"), also von einem Dativ Plural, und ist erstmals aus den Jahren um 1170 literarisch belegt. Der Spruchdichter Spervogel sagte, dass Christus ze wihen naht geborn wart.
Nikolo und Weihnachten in Alt Wien
(1780)
Karoline Pichler
Nikolo und Weihnachten in Alt Wien - Illustration: Ludwig Richter
Illustration: Ludwig Richter, 1803 - 1884
Der 5. Dezember und mit Ihm der Vorabend des Nikolaustages war gekommen. Jetzt ertönte ein lautes Geklingel vor der Tür, diese öffnete sich rasch, ein heller Lichtschein strömte ins Zimmer; und nun trat der Bischof mit der hohen Mütze und dem langen weißen Bart, auch sonst wohl vermummt mit weißer Perücke und Baumwollbart, den goldenen Stab in der Hand, mit feierlichem Anstand herein.

Hinter ihm kam der Krampus (Knecht Ruprecht) im schwarzen Pelzrock, mit Hörnern auf dem Kopfe und eine mächtigen Rute, in den Händen einen Sack voll Nüsse. Der heilige Mann prüfte die Kinder aus dem, was sie damals in der Schule lernten, und teilte dann Geschenke aus. Er drohte wohl auch mit der Rute, die der Schwarze zum Schrecken der Kinder schwang; endlich aber hieß er den Krampus, seinen Sack auszuleeren. Dies geschah dann mit großem Gepolter, zur Freude der Kinder, die auf die herauskollernden Nüsse losstürzten und ihnen in alle Winkel nachkrochen.

Diesem Abend folgte nun bald der Weihnachtsabend. Damals war er kein Fest der Kinder mit duftenden Tannenbäumchen und schimmernden Lichtern, sondern ein Tag der Vorbereitung auf den hohen Festtag, an dem man Enthaltsamkeit und Genuss, Andacht und Vergnügen sinnig zu vereinigen wusste.

Streng beobachtete man das Fasten. Es versteht sich, dass in den Häusern, wo man etwas darauf hielt, nicht nur kein Fleisch auf den Tisch kam, sondern dass man auch bloß eine Mahlzeit zu sich nahm, und zwar gegen Abend. Nach dieser gesellten sich gewöhnlich die Freunde des Hauses zur Familie und beginnen ein so genanntes "Sabbathindl".
Man veranstaltete Gesellschaftsspiele darunter das wohlbekannte "Sesseln". Dann, gegen Mitternacht, begab man sich in die Mette, das heißt in das Hochamt, das um diese Stunde in den Kirchen zum Andenken der Geburt des Heilands gehalten wird, und kehrte hierauf nach Hause zurück. Nichts hielt jetzt mehr davon ab, in Gesellschaft heiterer Tischgenossen ein recht reichliches Mahl zu verzehren. Der Weihnachtstag war ja angebrochen, somit der Genuss der Fleischspeisen erlaubt.
Bilder und Texte auszugsweise aus
Deutsche Weihnachten
Eine Auslese von Gedichten, Erzählungen und Spielen
Hrsg.: Österr. Volksbildungsamt
Wien 1922
Weihnacht am Golan
25. Dezember 2004 - Weihnachten ist überall auf dieser Welt eine besinnliche und sensible Zeit. Ganz besonders gilt dies für Blauhelme im Ausland. Das Fest der Geburt Christi lässt auch den stärksten und scheinbar abgebrühtesten Soldaten nicht ganz gleichgültig. Einige tausend Kilometer von der Heimat Österreich und der Slowakei entfernt, haben wir Soldaten vom AUSBATT Weihnachten auf eine außergewöhnliche Art und Weise gefeiert.

Am 24. Dezember durften Frau Mag. Susanne Baus von der evangelischen Kirche, die einige Tage hier in Syrien verbringt, und ich die 3. Kompanie besuchen, die aus slowakischen Soldaten besteht. Wir fuhren von Position zu Position, überbrachten die Weihnachtsgrüße und den Weihnachtssegen, standen um den Christbaum und beteten ein "Vater unser" auf englisch und slowakisch. Dabei konnte ich feststellen, dass die Soldaten gerührt und in Gedanken an ihre Lieben zuhause verhaftet waren. Eine Stimmung des Miteinanders und der Zusammengehörigkeit wurde spür- und erfahrbar.
Bild: Bundesheer Bild: Bundesheer
Am Nachmittag wurden zwei Zelte vor der Kirche aufgestellt, in denen nach der Christmette Punsch und Glühwein ausgeschenkt werden sollte. Währenddessen haben einige Soldaten und die Tochter des Bataillonsarztes, die zurzeit mit ihrem 3-jährigen Sohn hier auf Urlaub weilte, den Christbaum in der Campkirche prachtvoll geschmückt.

Leider hat es am Nachmittag zu regnen und stürmen begonnen. Dies tat aber der guten Stimmung keinen Abbruch. Der Speisesaal wurde vom Küchenpersonal liebevoll gestaltet und das Weihnachtsmahl war wie immer eine besondere Gaumenfreude. Um 22:00 Uhr wurden alle Soldaten und Soldatinnen zur Christmette eingeladen. Kurz vor Beginn des Festgottesdienstes ertönten die Glocken der Campkirche hinaus in die Weiten der syrischen Nacht und kündeten die Geburtsfeier Christi, nur wenige Kilometer vom eigentlichen Geburtsort Bethlehem, an.

Die Campband und das Bläserensemble spielten Waisen aus der Heimat. Eine besondere Stimmung des Miteinanders und der Verbundenheit wurde spürbar. Ein slowakischer Captain verlas das Weihnachtsevangelium in seiner Muttersprache. Auch Soldaten aus Japan und Polen nahmen an der Feier teil. Wir alle waren in Gedanken und im Gebet mit unseren Lieben in der fernen Heimat eng verbunden. Das auf der ganzen Welt bekannte und in alle Sprachen übersetzte Lied von den Salzburgern Mohr und Gruber "Stille Nacht, heilige Nacht" bildeten den würdigen Abschluss der Christmette.

Aufgrund der schlechten Witterung wurde der gemütliche Ausklang vom Antreteplatz vor der Kirche in die Freizeiteinrichtungen des Camp Faouar verlegt. Am Christtag, den 25. Dezember, durfte ich die Eucharistie mit der 1. und der 2. Kompanie Feiern. Mir selbst wird diese heilige Weihnacht, der besonderen Art, in der Fremde unter Kameraden und Freunden, sicher noch lange in bester Erinnerung bleiben.

Padre Christian Thomas Raché
aus
Österreichs Bundesheer
Informationssystem des Bundesministeriums für Landesverteidigung
www.bundesheer.at
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