| Weltausstellung 1873 |
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| Die Kunsthalle auf der
Weltausstellung. Fotografie 1873 |
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| In Österreich bemühten sich schon seit 1868
verschiedene Industrielle um die Abhaltung einer Weltausstellung, u.
a. der Erzeuger von feuersicheren Panzerschränken Franz Wertheim.
1870 erging ein zustimmendes kaiserliches Handschreiben, im gleichen
Jahr wurde ein Garantiefonds zur Sicherung der nötigen Finanzierung zur Zeichnung aufgelegt. Mit der Ernennung von Wilhelm Schwarz-Senborn, einem
international bekannten Ausstellungsfachmann, der allerdings erst nach Ende der Belagerung
der Pariser Kommune im Sommer 1871 nach Wien kam, begannen · sicherlich verspätet · die
konkreten Planungen. Ein Kreditrahmen von 6 Mill. Gulden wurde als ausreichend erachtet.
Von Anfang an wollte man der Wiener Weltausstellung ein unverwechselbares Profil geben,
vor allem dadurch, dass alles größer und gewaltiger sein sollte als
bisher. |
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| Plan der Weltausstellung 1873 |
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Als Ausstellungsfläche wurde der Prater
zwischen Donau und Donaukanal gewählt, einst kaiserliches
Jagdrevier, nun Erholungsgebiet der Wiener Bevölkerung.
Dass die Natur als Kulisse in die Ausstellungs- gestaltung
einbezogen wurde, galt als eine zusätzliche Qualität der
Ausstellung. Im Prater wurden daher alle alten Buden geschleift und durch neue,
ordentlichere Gebäude ersetzt. Die Ausstellungsfläche betrug 233 ha
(zum Vergleich: das war sechsmal größer, als die für die abgesagte
Weltausstellung des Jahres 1995 in Wien vorgesehene Fläche). Als städtebaulich
bedeutsam wurde auch angesehen, dass mit der Lokalisierung im Prater
ein starker Bezug zur Donau und damit zu diesem geopolitischen Aspekt
der Stadt hergestellt wurde. Wien wollte und konnte sich als neue
Metropole an der Donau präsentieren. Nach der Schleifung der Befestigungsanlagen
hatte die Stadt durch die neuangelegte Ringstraße weltstädtisches
Flair erlangt.
Der spektakulärste Neubau für die Weltausstellung, die von dem Engländer
Scott Russel geplante Rotunde (ein Rundbau im Durchmesser von 108
m, die Kuppelhöhe betrug 84 m), verschlang mehr als das veranschlagte
Gesamtbudget, so dass schon 1872 eine Erhöhung des Budgetrahmens um
7 Mill. Gulden erfolgen musste. |
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| Das Weltausstellungsgelände in der
Vogelschau. Xylographie 1872 |
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| Nicht zuletzt führte der Zeitdruck, unter dem
alle Neubauten standen, zu erheblichen Mehrkosten. Den Hauptteil
der Weltausstellung bildeten die Warenausstellungen, die
in 26 Gruppen gegliedert waren. Dazu kamen noch
Themenausstellungen wie "Geschichte der Erfindungen" oder "Geschichte der Gewerbe". Von
den Kommentatoren sehr gelobt wurde der österreichische Schwerpunkt "Bildungswesen",
dessen soziale Gewichtung beeindruckte. Ebenso gefiel die Einbeziehung des
zeitgenössischen Kunstschaffens. Für das Kunsthandwerk, dessen Leistungen traditionell
bei Weltausstellungen mit zahlreichen Medaillen prämiert wurden, konnte eine positive
Bilanz gezogen werden. Bei der berühmten Preisverleihung durch den Ausstellungsprotektor
Erzherzog Karl Ludwig, einen Bruder des Kaisers, in der Winterreitschule wurden insgesamt
an die 40.000 Medaillen, Diplome und Preise vergeben. Mit den Prämierungen waren
natürlich auch weitere wirtschaftliche Erfolge verknüpft. Wiener
Luxusgüterproduzenten wie die Firmen Haas, Lobmeyr oder Thonet
begründeten so ihren Weltruf. Wenige Tage nach der feierlichen Eröffnung
am 1 .Mai 1873 durch den Kaiser versetzte eine schwere Wirtschaftskrise
allen optimistischen Erwartungen einen Dämpfer. |
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| Maschinenhalle Österreich.
Dokumentation der Photographen-Association |
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Am 8. Mai kam es zu einem
Börsenkrach mit weitreichenden Folgen, allein an diesem Tag
ereigneten sich 110 Insolvenzen. Als weitere Katastrophe auch für die Reputation Wiens
als Ausstellungsstadt erwies sich der Ausbruch einer Choleraepidemie, die sich hemmend auf
den Besucherzustrom auswirkte. Die Epidemie grassierte zwar vorwiegend in den
Elendsvierteln der Stadt, deren Wasserversorgung mangelhaft war (die Wiener
Hochquellen-Wasserleitung wurde erst im Oktober 1873 fertiggestellt), doch hielt sie
manchen potentiellen Besucher ab.
Insgesamt besuchten bis zum 31 .Oktober 1873 etwa 7,3 Millionen Menschen die
Weltausstellung, was nicht ausreichte, um den Aufwand zu decken. Ein beachtliches Defizit
· insgesamt 19 Mill. Gulden · war die Folge. So verwundert es nicht,
dass die Zeitgenossen trotz einzelner glanzvoller Highlights, wie
elegante oder exotische Staatsbesuche, die Weltausstellung insgesamt als
einen schweren Misserfolg empfanden.
Der Publizist und Autor Ferdinand Kürnberger
bezeichnete die Weltausstellung als "unser zweites
Königgrätz" in Anspielung auf Österreichs Niederlage gegen Preußen bei Königgrätz im Jahr 1866.
Zunächst muss man davon ausgehen, dass man im letzten Viertel des
vorigen Jahrhunderts den Begriff "Umwegrentabilität" nicht
kannte und auch Langzeitfolgen nicht ins Kalkül zog. Wenn auch der
unmittelbare Befund enttäuschend und finanziell desaströs ausfiel,
kann doch auch eine Reihe von positiven Aspekten gefunden werden.
Die schon erwähnte kostspielige Rotunde blieb der Stadt als
architektonisches Wahrzeichen erhalten und diente noch Jahrzehnte bis zu
ihrer Vernichtung durch einen Brand im Jahr 1937 als Ausstellungsraum
bzw. Mehrzweckhalle. |
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Avenue zwischen Rotunde und
Maschinenhalle.
Dokumentation der Photographen-Association |
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| Die im Zuge der
Vorbereitungen für die Weltausstellung gesetzten infrastrukturellen Maßnahmen haben sich für die Stadt Wien insgesamt positiv ausgewirkt und wären sicherlich ohne die
Weltausstellung erst viel später in die Tat umgesetzt worden. Diese Reformen begannen bei
der Verkehrsplanung und der Inbetriebnahme neuer Linien der Pferdebahn, gingen über die
Schaffung von Luxushotels und Beherbergungsbetrieben der gehobenen Klasse zur Errichtung
von neuen Brücken über den Donaukanal. Ein ganz wesentlicher Aspekt war die weitere Regulierung der bis in die
sechziger Jahre in zahlreiche Arme sich teilenden Donau, die immer wieder schwere
Überschwemmungen im Stadtgebiet verursacht hatte. Der Erfolg von Weltausstellungen im 19.
Jahrhundert ergab sich aus der Tatsache der noch mangelnden internationalen
Kommunikationsmöglichkeiten. |
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| Ost-Portal des
Industriepalastes |
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Deutsches Reich |
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| Japanesisches
Gartenhaus |
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Einfahrt des
Mont-Cenis-Tunnel |
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| Der
Kaiserpavillon |
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Im deutschen
Hofe |
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| Russisches
Bauernhaus |
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Rotunde |
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| Die Menschen damals staunten und bestaunten, was Erfindergeist
in der ganzen Welt zustande bringen konnte. Man war geistig noch unterwegs
zu den Utopien eines Jules Verne, der bis dahin Unvorstellbares niederzuschreiben
wagte. So muss der ideelle Effekt, die Dokumentation österreichischer
Leistungen vor der ganzen Welt als hervorragend angesehen werden.
Nicht weniger wichtig war die Begegnung mit dem industriellen und
künstlerischen Schaffen anderer Länder. Gerade die Kontakte zum ostasiatischen
Raum wurden für die österreichischen Handelsbeziehungen der nächsten
Dezennien prägend. Befruchtend erwies sich auch jener Bereich des Ausstellungskonzepts, der neben die Präsentation von Produkten den Gedankenaustausch zu
den verschiedensten Themen im Wege von Tagungen und Kongressen stellte. Insgesamt fanden
16 Kongresse statt, die in ihren Ergebnissen unterschiedlich bewertet wurden. Eine der ganz wichtigen internationalen Zusammenkünfte
war der Patentkongress, auf dem die Wege für eine internationale Lösung
des Patentrechts gefunden wurden. |
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| Politische Folgen |
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| Diese Palette an Misserfolgen gepaart mit positiven
Langzeitfolgen hatte auch politische Konsequenzen. In diesem "Epochenjahr"
der österreichischen Geschichte wurde der übersteigerte Wirtschaftsoptimismus
der letzten beiden Jahrzehnte gebremst. Denn nicht zuletzt hatte die
Spekulationswut den Börsenkrach mitverschuldet. Der Liberalismus mit
seinem schrankenlosen "Laissez faire" musste abdanken, am
politischen Horizont tauchten die späteren Massenparteien auf, die
die bisher stiefmütterlich behandelte soziale Frage auf ihre Fahnen
schrieben. Die aus Anlass der Weltausstellung stattfindenden Besuche
von Regenten und Regierungsschefs aus der ganzen WeIt verliehen dem
Ereignis nicht nur gesellschaftliche Höhepunkte, sondern wurden auch
Anlass zu wertvollen politischen Kontakten. Die Schönheit von Kaiserin
Elisabeth war dabei eine wichtige Trumpfkarte des gastgebenden Kaisers.
Der persische Schah Nasr-ad-Din, wegen seiner seltsamen Eskapaden
in ganz Europa bekannt, sah sich angeblich sogar zu einem Kaufangebot
an Kaiser Franz Joseph veranlasst, was dieser natürlich höflich, aber
bestimmt zurückwies. Für die Balkanstaaten wie Serbien, Montenegro
oder Rumänien, die sich erst seit kurzem ihrer Unabhängigkeit vom
Osmanischen Reich erfreuten, war die Wiener Weltausstellung eine gute
Gelegenheit, sich international zu präsentieren, zumal sie von Wien
besonders herzlich willkommen geheißen wurden. |
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| (auszugsweise aus Wiener Zeitung) |
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Die Wiener Zeitung wurde 1703 als
Wiennerisches Diarium gegründet. Die erste Ausgabe erschien am 8. August
1703. Sie ist damit die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt.
Seit 1780 heißt sie Wiener Zeitung, 1812 wurde sie eine offizielle
Regierungszeitung mit dem Amtsblatt zur Wiener Zeitung und seit 1857
wird die Wiener Zeitung von öffentlicher Stelle herausgegeben |
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