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Die Wiener Werkstätte.
Ein Exkurs |
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Kolo Moser oder Josef Hoffmann,
Packpapier der Wiener Werkstätte mit Rosensignet-Muster. 1903 -
1910. Blaue Version. Farblithografie. Abbildung klein:
Schutzmarke und Monogramm der Wiener Werkstätte. Aus:
Arbeitsprogramm der Wiener Werkstätte. Druck: A. Chwala, Wien,
1905 |
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Das zugrundeliegende Formenvokabular: einfach
und zweckmäßig. Die handwerkliche Ausführung: von erstklassiger
Qualität. Der Anspruch, auf dem all das basierte: immens hoch.
Das Credo der Wiener Werkstätte, gegründet im Jahr 1903 von dem
Architekten Josef Hoffmann und dem Grafiker und Maler Koloman
Moser gemeinsam mit dem Bankier Fritz Waerndorfer, war es, die
schöpferische Verbindung von Kunst und Handwerk zu forcieren.
Der wesentliche Impuls zur Gründung der Wiener Werkstätte war
die 8. Ausstellung der Wiener Secession im Spätherbst 1900, die
ganz der Präsentation von "fremdländischem Schaffen" auf dem
"Gebiete des Kunstgewerbes" (Hoffmann) gewidmet war. Gezeigt
wurden die Arbeiten der in Paris von Julius Maer-Graefe
gegründeten Maison moderne, jene des Belgiers Henry van de Welde
sowie die britischen Leistungen auf diesem Gebiet, die vor allem
mit der Guild of Handicraft von Charles Robert Ashbee und den
Glasgower Ehepaaren McNair und Mackintosh verbunden waren. |
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Schlüssel mit Rosensignet
für einen Schrank der
Wiener Werkstätte. Um 1905. |
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Rotes WW-Monogramm der Wiener
Werkstätte auf dem Verkaufskatalog
der Wiener Werkstätte zum 25jährigen
Bestand des Unternehmens.
Krystall-Verlag: Wien 1928,
Druck: J. Gerstmayer, Wien. Buchdruck |
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| Knapp drei Jahre danach konnte die "Wiener Werkstätte
Productiv-Genossenschaft von Kunsthandwerkern" ins
Handelsregister eingetragen und in der Wiener Neustiftgasse die
großzügig auf drei Stockwerke verteilten Räume bezogen werden.
Werkstätten wurden eingerichtet, darunter die Tischlerei, die
Lackiererei und Maschinenräume. Und 1905 wurde in einer
Broschüre noch einmal exakt formuliert, worum es der Wiener
Werkstätte zu tun war: "Das grenzenlose Unheil, welches die
schlechte Massenproduktion einerseits, die gedankenlose
Nachahmung alter Stile andrerseits auf kunstgewerblichem Gebiete
verursacht hat, durchdringt als Riesenstrom die ganze Welt.
(...) Diesem Strome entgegen zu schwimmen wäre Wahnsinn. Dennoch
haben wir unsere Werkstätte gegründet. (...)" |
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Otto Wagner hatte die Prämisse
nach einem "Nutzstil" aufgestellt,
verwirklicht sollte er von seinem Schüler Josef Hoffmann werden
- in seiner kompromisslosesten -Form mit dem Sanatorium Purkersdorf,
dessen Halle die Abbildung zeigt. |
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| In den folgenden Jahren trat die Wiener Werkstätte mit einer
Produktpalette an die Öffentlichkeit, die den Begriff
"Gesamtkunstwerk" aus dem Elfenbeinturm der Kunst in die
Alltagstauglichkeit katapultierte. Jeder Bereich wurde
integriert, Möbel, Geschirr und Besteck, Stoffentwürfe und Mode,
aber auch Buchkunst und Schmuck. Vor allem die Möbelentwürfe und
die Wohnaccessoires, die in der Neustiftgasse erdacht und
ausgeführt wurden, gelten bis heute als stilistische, aber auch
handwerklich-formale Wegbereiter für ein bewusstes Wohnen in
hochqualitativem Ambiente. Legendär sind das Sanatorium
Purkersdorf bei Wien und mehr noch das Palais Stoclet in
Brüssel: Sie sind nicht nur die bedeutendsten Bauten Josef
Hoffmanns, ihr jeweiliges Interieur stammt insgesamt von den
Meistern der Wiener Werkstätte. |
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| Bücherschrank von Kolo Moser. Teil der
Wohnungseinrichtung für ein junges Paar, 1903. Thuja,
Zitronenholz, dekorative Intarsien, Beschläge und Fußhüllen aus
Messing. Höhe: 145 cm. Ausführung: Tischlerei C. Hradzil, Wien.
Abgebildet in: Die Kunst X, 1904 |
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| Zahlreiche Kriterien - der den Markt geografisch minimierende
Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie, der Niedergang des
Großbürgertums, die globalen ökonomischen Krisen der
1920er-Jahre - führten langsam, aber leider sicher zur
Liquidation der Wiener Werkstätte im Jahr 1932. Ungeachtet
dessen gelten ihre Produkte bis heute, bis ins 21. Jahrhundert,
als ideale Verschmelzung von höchster Handwerkskunst und absolut
stilsicherem Design. |
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Barbara Sternthal |
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| Barbara
Sternthal, geb. 1961,
promovierte an der Universität
Wien, ist freischaffende
Autorin, Übersetzerin und
Redakteurin. Bisher verfasste
sie eine Reihe von Reiseführern,
Beiträge zu Kunst und Kultur
sowie Biografien über Gustav
Klimt und Sigmund Freud. Zuletzt
erschienen Texte zur Wiener
Werkstätte und zu Wien um 1900 (Fondation
Beyeler), Gelebte Räume. Wie
Architekten wohnen (mit Fotos
von J. Kalmár), Die Lipizzaner
und die Spanische Hofreitschule
(Hg. Elisabeth Gürtler), Diebe,
Dogen, Delinquenten. Der
Venedig-Führer für Juristen
sowie mit dem Fotografen Harald
Eisenberger Wie man Venezianer
wird. Der Traum vom Leben in der
Serenissima und Coffee to Stay.
Die schönsten Cafés in Europa.
Sie lebt in Wien und so oft wie
möglich in Venedig. |
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| auszugsweise aus |
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| Neue Wiener Werkstätte |
Barbara Sternthal
Seit über achtzig Jahren steht der Name Polzhofer im
Pöllauer Naturpark in der Steiermark für erstklassiges
Tischlerhandwerk. Heute zählt die KAPO-Gruppe – Neue
Wiener Werkstätte sowie KAPO Fenster und Türen – zu den
renommiertesten Unternehmen, und das nicht nur innerhalb
der Grenzen des Landes, sondern weit darüber hinaus.
Höchste Ansprüche zu erfüllen, ist eine
Selbstverständlichkeit und gilt in der Region ebenso wie
im Ausland von A wie Athen bis Z wie Zürich. In diesem
Buch stehen vor allem die Möbel der Neuen Wiener
Werkstätte im Zentrum: Erstklassiges Design verbunden
mit hoher Handwerkskunst sind die Prämissen, die
kompromisslos bei jedem einzelnen Objekt angestrebt
werden. Denn mit diesem Namen ist man nicht nur den
eigenen Ansprüchen verpflichtet, sondern auch einer
berühmten Tradition. |
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| Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen |
| www.brandstaetter-verlag.at |
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Wiener Werkstätte |
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1903 nach englischem und schottischem Vorbild
von Josef Hoffmann und Kolo Moser als "Wiener
Werkstätte GmbH" gegründete
Produktionsgemeinschaft bildender Künstler, die im Zusammenhang mit der Wiener
Kunstgewerbeschule und der Wiener Secession eine Erneuerung der Kunst auf der Basis
handwerklicher Gediegenheit erstrebte und vor allem auf dem Gebiet des Kunstgewerbes Wien
zum Zentrum einer neuen Geschmackskultur machte. Diese Schul- und Produktionsstätte wurde
bis 1914 von F. Waerndorfer, danach von O. und M. Primavesi finanziert, bis sie 1932 aus
wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden musste. Der zeitweilig sehr große Erfolg der
kunstgewerblichen Artikel erlaubte die Errichtung mehrerer Verkaufsstellen in Wien und die
Gründung von Filialen im Ausland (Karlsbad 1909, Marienbad und Zürich 1916/17, New York
1922, Berlin 1929). Die Produktion der Wiener Werkstätte umfasste, anknüpfend an die
gehobene Ausstattungskunst des spätklassizistischen Biedermeier, von der Architektur bis
zum kleinsten Gebrauchsgegenstand alle Bereiche von Wohn- und Lebenskultur. Ihr besonderes
Verdienst lag in der Überwindung der wuchernden Jugendstilornamentik zugunsten einfacher,
geometrisch-abstrakter Formen, durch die das Kunsthandwerk des 20. Jahrhunderts
entscheidend beeinflusst wurde. 1905-11 entstand nach Entwürfen von J. Hoffmann das
Palais Stoclet in Brüssel, das zur Gänze von der Wiener Werkstätte ausgeführt wurde
und eines der wenigen Gesamtkunstwerke der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb. Ab 1908
gab es alljährlich eine "Kunstschau" sowie ein Sommertheater, das als
Experimentierbühne Aufsehen erregte. Zahlreiche der namhaftesten
Künstlerpersönlichkeiten der Jahrhundertwende waren für die Wiener Werkstätte
entwerfend und ausführend tätig, darunter G. Klimt, O. Kokoschka, E. Schiele, C. Moll,
D. Peche, E. J. Wimmer-Wisgrill, F. Zülow, C. O. Czeschka, O. Prutscher, C. Witzmann, L.
Forstner, O. Haerdtl, L. H. Jungnickel, R. Luksch, O. Strnad und R. Teschner. |
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aus |
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| aeiou - das kulturinformationssystem des bm:bwk |
| 14.000 Stichwörter und 2000 Abbildungen aus Geschichte, Geographie,
Politik und Wirtschaft Österreichs |
| www.aeiou.at |
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