1903 nach englischem und schottischem Vorbild von Josef
Hoffmann und Kolo Moser als "Wiener Werkstätte GmbH" gegründete
Produktionsgemeinschaft bildender Künstler, die im Zusammenhang mit der Wiener
Kunstgewerbeschule und der Wiener Secession eine Erneuerung der Kunst auf der Basis
handwerklicher Gediegenheit erstrebte und vor allem auf dem Gebiet des Kunstgewerbes Wien
zum Zentrum einer neuen Geschmackskultur machte. Diese Schul- und Produktionsstätte wurde
bis 1914 von F. Waerndorfer, danach von O. und M. Primavesi finanziert, bis sie 1932 aus
wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden musste. Der zeitweilig sehr große Erfolg der
kunstgewerblichen Artikel erlaubte die Errichtung mehrerer Verkaufsstellen in Wien und die
Gründung von Filialen im Ausland (Karlsbad 1909, Marienbad und Zürich 1916/17, New York
1922, Berlin 1929). Die Produktion der Wiener Werkstätte umfasste, anknüpfend an die
gehobene Ausstattungskunst des spätklassizistischen Biedermeier, von der Architektur bis
zum kleinsten Gebrauchsgegenstand alle Bereiche von Wohn- und Lebenskultur. Ihr besonderes
Verdienst lag in der Überwindung der wuchernden Jugendstilornamentik zugunsten einfacher,
geometrisch-abstrakter Formen, durch die das Kunsthandwerk des 20. Jahrhunderts
entscheidend beeinflusst wurde. 1905-11 entstand nach Entwürfen von J. Hoffmann das
Palais Stoclet in Brüssel, das zur Gänze von der Wiener Werkstätte ausgeführt wurde
und eines der wenigen Gesamtkunstwerke der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb. Ab 1908
gab es alljährlich eine "Kunstschau" sowie ein Sommertheater, das als
Experimentierbühne Aufsehen erregte. Zahlreiche der namhaftesten
Künstlerpersönlichkeiten der Jahrhundertwende waren für die Wiener Werkstätte
entwerfend und ausführend tätig, darunter G. Klimt, O. Kokoschka, E. Schiele, C. Moll,
D. Peche, E. J. Wimmer-Wisgrill, F. Zülow, C. O. Czeschka, O. Prutscher, C. Witzmann, L.
Forstner, O. Haerdtl, L. H. Jungnickel, R. Luksch, O. Strnad und R. Teschner.
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