 |
| Wienerlied |
 |
| Kleine Chronik des Wienerliedes |
 |
"Das erste Wienerlied stammt von einem habsburgischen Notar, der zum
erstenmal ein Loblied über Wien in lateinischer Sprache schrieb. Das Wienerlied ging dann
seinen Weg von den Minnesängern, dem Lieben Augustin, bis zu den Harfenisten und
Bänkelsängern.
Aber erst durch die Volkssänger auf der Pawlatschen wurde das Wienerlied im
breiten Volk bekannt und beliebt. Neben vielen anderen waren J. B. Moser, Josef Fürst,
Seidl-Wiesberg, Edmund Guschelbauer, Antonie Mannsfeld, Anna Ulke, Fanny Hornischer und
die berühmte Fiaker-Milly die erklärten Lieblinge des Publikums.
Die Schrammeln machten das konzertante Wienerlied salonfähig, und in der Goldenen und
Silbernen Operettenära eroberte das Wienerlied auch die Bühne und von dort die ganze
Welt."
Prof. Hans Hauenstein |
 |
Chronik des Wienerliedes. Ein
Streifzug von den Minnesängern über den lieben Augustin, den Harfenisten
und Volkssängern bis in die heutige Zeit.
Jasomirgott-Verlag, Klosterneuburg, Wien 1976.
Prof. Hans Hauenstein (* 29. März
1912 in Wien; † 29. März 1989 ebenda) war ein österreichischer Dichter
von Wienerliedern und Schriftsteller.
Er verfasste die Texte zu über 300 Wienerliedern, die etwa von Robert
Stolz, Karl Föderl, Charly Gaudriot, Hans Lang, Norbert Pawlicki und
Hans Seiter vertont wurden.
Ab 1951 war Hauenstein Vorstandsmitglied der AKM. 1956 gehörte er neben
Peter Herz, Hans Eidherr, Ernst Arnold, Josef Petrak, und anderen zu den
Gründungsmitgliedern des Verbandes österreichischer Textautoren (VOET),
dem er seit der Gründung als Vizepräsident und 1974–1986 als Präsident
diente.
Er war der Vater des Musikers Kurt Hauenstein (Supermax). |
 |
| |
| Leo Parthé; Die schönsten Wiener Lieder |
 |
 |
| A schräge Wiesn am Donaukanal |
| Text: Josef Petrak, Musik: Hans Lang |
 |
Refrain:
A schräge Wiesn am Donaukanal,
is mei Riviera auf jeden Fall!
Ich brauch keine Miss nicht,
kan reichen Papa,
mei Mizzerl, mei Mizzerl, die liebt mich so a!
Ich bin der Franz,
ich brauch kan Pflanz und kan Tamtam,
i fahr net furt, i bleib daham
und blas am Kamm!
A schräge Wiesn am Donaukanal,
is mei Riviera auf jeden Fall.
1. Vers:
Kennen Sie die Gschicht vom Franz net?
Also bittschön,
wann S net wissen, wie sie geht,
dann erzähl ich gerne Ihna jetzt,
von einer Wiener Spezialität:
Der Franz hat allweil Zeit, so viel ihm gfreut,
und die benützt er gern für die Natur.
Dazu braucht er ka Benzin,
fahrt mit der Tramway hin,
und wenn mann fragt, dann sagt er jedem nur:
2. Vers:
Wenn auf der Roßauer Lände
dann so gegen Ende Mai der Flieder blüht,
dann wolln alle Leut verreisen,
fahrn mit der Eisenbahn dann alle mit.
A na, da bleib i stur bei meiner Überfuhr,
weil i für keine Luxusreise bin.
I hab nur als Gepäck
an altn Lumberjack,
den breit ich auf und pülsel vor mich hin!
© 1960 by Eberle Verlag, 1010 Wien, Seilergasse 12 |
 |
|
 |
|
|
 |
 |
| Fiakerlied |
| Text: Gustav Pick / H. Dorner, Musik: Gustav Pick / H.
Lakits |
 |
Refrain 1:
Beim Lusthaus, da kehrt jeder fröhlich gern ein,
a d Gäst, samt Fiaka, gehn alle hinein.
Sie essen und trinken a Glasl Bier auch Wein
So bin i 's gwohnt und so solls a sein!
Refrain 2:
Mei Stolz is i bin halt a echts Weanakind,
a Fiaker, wie man net alle Tag findt,
mei Bluat is so lüftig und leicht wie der Wind,
ja, i bin halt: a echts Weanakind.
Refrain 3:
Sei Stolz war er war halt a echts Weanakind,
a Fiaker, wie man net alle Tag findt,
sei Bluat war so lüftig und leicht wie der Wind,
ja, er war halt: a echts Weanakind.
1. Vers:
A echter Weana Fiaka
is stolz auf seinn Stand,
mia habn a an Charakter,
zeign euch gern Stadt und Land.
Das schöne Burgtheater und d alten Kaiserwagen.
Die Kaiserstadt viel schönes hat, da kann ma ruhig sagn
A von der Stadt zum Prater
brauch i nur kurze Zeit, da schiaßns immer nur so hin,
es geht nur allweil tropp, tropp, tropp,
und durch die Prater Hauptallee gehts bisserl mit Routin,
weil d Rappn spurn zum Lusthaus hin,
dort is a Pause drin.
A d Pferd wolln rasten, das is klar,
weil weit war der Weg, das is schon wahr.
2. Vers:
I hab zwa harbe Rappen,
mei Zeugl steht am Grabn,
a so wia de zwa trappen
werns net viel gsehn habn.
A Peitschen na des gibts net, ui jessas nur net schlagn,
das allermeiste wär tsch tsch, sonst zreissens mir in Wagn.
Vom Stand zum Lusthaus fahr ma in zwölf Minuten hin,
mir springt kans drein net in Galopp, da gehts nur allweil
trapp, trapp, trapp.
Wans nachher so recht schiessn, dann spür is in mir drin,
daß i die rechte Pratzn hab, daß i a Fiaker bin.
A Kutscher kann a jeder wern
aber fahrn, das könnens nur in Wean.
3. Vers:
I bin bald sechzig Jahr alt,
vierzg Jahr steh i am Stand,
der Kutscher und sei Zeugl
warn allweil fesch beinand.
Und kummts amoi zum Ofahrn
und wir i dann begrabn,
so spannts ma meine Rappn ein
und führts mi übern Grabn.
Da laßts es aber laufn, führts mi in Trab hinaus,
i bitt mas aus nur net im Schritt,
nehmts meinetwegn die Kreuzung mit.
Des is a Muass, des Umziagn ins allerletzte Haus
und d Leut, die solln es merken, an Fiaker führt ma 'naus.
Und auf mein Grabstein da soll stehn,
damits die Leut a deutli sehn:
© by Edith Hochmuth Verlagsges. m. b. H. |
 |
|
 |
|
|
 |
 |
| In einem kleinen Café in Hernals |
| Text: Peter Herz, Musik: Hermann Leopoldi |
 |
Refrain 1. und 2. Vers:
In einem kleinen Café in Hernals,
spielts Grammophon mit leisem Ton
an English-Waltz!
Dort genügen zwei Mocca allein,
um ein paar Stunden so glücklich zu sein!
In einem kleinen Café in Hernals
klopft manches Herzerl hinauf bis zum Hals,
und gebn zwei Verliebte sich dort Rendezvous,
drückt der Herr Ober ganz diskret ein Auge zu!
Refrain 3. Vers:
und gebn zwei Verliebte sich dort Rendezvous,
drückt der Herr Ober alle beide Augen zu!
1. Vers:
Ein kleines, gemütliches Vorstadtlokal,
das hab ich da neulich entdeckt.
Fauteuils habn kein Samt unds Klavier kein Pedal
und Kracherl, so heißt dort der Sekt!
Im Grandhotel ist es mondäner,
doch hier ist es tausendmal schöner!
2. Vers:
Die Tassen, di sind dort aus dickem Porzllan,
zerbrechlich so leicht sind sie nicht,
die Herzen dagegen sind sehr filigran,
und oft kommt es vor, daß eins bricht!
An Zeitungen habns keine Spesen:
dort wird in den Augen gelesen!
3. Vers:
Dort steht auf drei Füßen ein altes Billard,
man weiß nicht wozu überhaupt.
Nur dann und wann spielt Carambol dort ein Paar,
Massé-Stöße sind nicht erlaubt.
Beim Schach fehlt ein Turm und der König,
das kümmert die Leut draußen wenig!
© 1932 by Ludwig Doblinger (B. Herzmansky) KG, Wien-München |
 |
|
 |
|
|
 |
 |
| Jetzt trinkn ma noch a
Flascherl Wein |
| Text: Carl Lorens / Hans Honer, Musik: Carl Lorens |
 |
Refrain:
Jetzt trinkn ma noch a Flascherl Wein,
Holloderoh!
Es muß ja net das letzte sein,
Holloderoh!
Und ist der gar, gibts ka Geniern,
Holloderoh!
So tan wir noch amal repetiern,
ja noch mal repetiern!
1. Vers:
Der Weana is fidel,
er fliagt mit Leib und Seel
nur auf a Hetz, a Gstanz,
auf laute, runde Tanz.
Sitzt er beim Heurign wo,
da schmeckt der Wein ihm so,
da kriagt er gar net gnua,
er trinkt bis in der Fruah!
Und wenn vielleicht amal er dann
beinah kann nimmer stehn,
so hängt er sich ganz schön,
in d holde Gattin ein.
San auch die Füßerl viel zu schwer,
das macht ihm kein Verdruß,
da singt er höchstens noch an Tanz
und sagt zum Überfluß:
Jetzt trinkn ma
2. Vers:
Die Schrammeln spieln so schön,
da kann man do net gehn,
mir bleibn schon liaber da
beim Wein, Holloderoh!
Der Wirt hat a a Freud
mit solche feschen Leut,
er gibt sein Herz an Stoß und sagt:
Jetzt bring i was.
Er bringt a Flascherl her
und schenkt a bsonders Tröperl ein,
da san die Blumen drin
mitsamt dem Sonnenschein.
Es steigt die Stimmung und die Köpferln
fangen z rauchen an,
doch heute laß mas führigehn,
heut liegt amal nix dran.
© 1962 by Eberle Verlag, 1010 Wien, Seilergasse 12 |
 |
|
 |
|
|
 |
 |
| Stellts meine Roß in
Stall |
| Text: Karl Savara / Franz Ichmann, Musik: Ferry Wunsch |
 |
Refrain:
Stellts meine Roß in Stall,
bald kriagns zum letzten Mal
a Sackerl Hafer und a Heu.
Dann hängts das Gschirr an d Wand,
bald kriagns a Halfterband,
dann kommt der Abschied für uns drei.
Nehmts mir die Peitschn weg,
stellts mirs wo in a Eck,
damit ichs nimmer schnalzen hör.
Hängts an die Tür a Schloß,
dann seits mi endlich los,
weil i jetzt nimmer zu die Fuhrleut ghör.
1. Vers:
Die letzte Fuhr,
das war ka Fahrt ins Paradies,
das hab i kommen gsehn, das war mir gwiß.
Die Roß habn nimmer zogn wie frühr amol am Strang,
die Huaf habn klungen wie a Abschiedsgsang.
Sie warn mei Stolz, die Roß, und a mei Freud,
heut rennen d Radeln schneller wia die Zeit.
2. Vers:
So wia zur Firmung putzts mir nochmals auf den Wagn,
das wär mein Wunsch, doch leider heißts entsagn.
Mei Zeugl deckts mir jetzt mit alte Decken zua,
das Wagerl braucht genau wia i sei Ruah.
Wenn i an Fuhrmann siech, der Roß no führt,
hör i im Stilln das Fuhrmanns-Abschiedslied.
© by Fortissimo Verlag, 1050 Wien, Margaretenplatz 4 |
 |
|
 |
|
|
 |
 |
| Wer no in Wien net war |
| Text: D. P., Musik: Johann Schrammel |
 |
Refrain:
Wer no in Wien net war
und Linz net kennt,
wer net in Graz drin schon spaziern is grennt,
wer Salzburg net hat gsehn, das Paradies,
hat kein Begriff davon, was Östreich is.
1. Vers:
Da draußten habns die Gwohnheit,
wenns grad untereinander san,
daß s meistens über d Achsel nur
von Östreich reden tan.
Wir zwei san Patrioten,
derfen so was gar net hörn,
weil sonst gleis Bluat in Wallung kommt
fix Laudon Mond und Stern.
Wir sagn sofort zu sö,
ja habts ös a Idee?
2. Vers:
A Wanderbursch mitn Stab und mitn Huat in der Hand,
der wird von ein Gendarm erwischt,
wie er grad fecht am Land.
Der Richter sagt: Jetzt habn wir Sie dreimal schon
fortschubiert,
Sie kommen immer wieder zruck,
ganz frei und ungeniert.
Ja, ja! Herr Kommisär, mir ziagts halt allweil her.
© 1961 by Eberle Verlag, 1010 Wien, Seilergasse 12 |
 |
|
 |
|
|
 |
|
|
|
|
 |
|
 |
 |
| auszugsweise aus |
 |
| Leo Parthé; Die schönsten Wiener Lieder |
Mit Illustrationen von Reinhilde Becker
Band 1015 -
Perlen-Reihe
Franz Deuticke Verlagsges.m.b.H. - Wien |
|
|
|
|
 |
|
|
|
mit freundlicher Genehmigung |
 |
 |
 |
|
|
 |
 |
|
|
|
 |
 |
 |
| wien-vienna.at in |
 |
| bockkeller |
 |
Wiener Volksliedwerk
12. Jahrgang
Nummer 2
April 2006 |
 |
|
 |
|
|
 |
|
 |
 |
 |
| Gschichterln über das Wienerlied im Internet |
 |
| Es ist sicher allgemein bekannt, dass man im Internet nicht nur seriöse Informationen
findet. Wie hoch aber der Grad an Desinformation sein kann, zeigen folgende zwei Beiträge: |
|
|
 |
Wien ist in aller Welt bekannt als ,Stadt der
Lieder. Bereits um 1200 sang Walther von der Vogelweide ,Zosterriche lernte
ich singen unde sagen. In Wien lebten Haydn, Mozart, Beethoven, Brahms, Bruckner,
Schubert und Strauß. Wien war aber die Stadt eines ,Lieben Augustin, der
Schrammeln, der Volkssänger, der Harfenisten, der Bänkelsänger. Es gibt kaum eine Stadt
in der Welt, die solch Tradition von Volksmusik aufweist, wie unser Wien. Es ging aber mit
der Volksmusik wir wollen sie einstweilen so nennen aber nicht immer nur
bergauf.
Die gefühlvolle Biedermeierzeit war keine Glanzzeit der Wiener Volkssänger. Die
Qualität der Lieder wurde durch Grobheiten ersetzt, die Schönheit des Gesanges durch
,gsunde Röhrn. Erst wieder im 19. Jahrhundert ging eine gewisse
Reformation des Wiener Volkssängertums vor sich. Die Wiener hörten wieder Lieder mit
einem gewissen Niveau und keine Zoten und Gemeinheiten. Die Geschichte der Volkssänger
und des Wienerliedes war vom Anfang an bis ins 19. Jahrhundert eng mit dem Heurigen
verbunden. Es wäre aber falsch, diese Musik isoliert zu betrachten, denn die Wiener
Lieder haben sich daraus entwickelt. Der Wiener Walzer, der Dreivierteltakt, Alt-Wiener
Tänze, echte Wiener Institutionen, wie zum Beispiel der Fiaker (wir feiern 300 Jahre
Wiener Fiaker), der Heurige, das Wiener Cafehaus, um nur einige zu nennen, dies alles
finden wir in den Wienerliedern ... Diese auf www.daswienerlied.at/index1024ie.html
unter dem Titel Quo vadis Wienerlied? vorzufindende wahrlich konfuse
Geschichte behauptet also durchaus Merkwürdiges: Etwa dass die
Biedermeierzeit (wir erinnern uns: 1815 1848) keine Glanzzeit für
Volkssänger war. Immerhin sind die Volkssänger in dieser Zeit entstanden bzw. haben sich
nach der Moserschen Reform in dieser Zeit etabliert. Und das war übrigens das
19. Jahrhundert. Auch die nachfolgenden Behauptungen zeigen nur geringe
historische Präzision.
Eine Kleine Chronik des Wienerliedes auf
www.wien-vienna.at/wienerlied.htm liest sich so:
Das erste Wienerlied stammt von einem habsburgischen Notar, der zum erstenmal ein
Loblied über Wien in lateinischer Sprache schrieb. Das Wienerlied ging dann seinen Weg
von den Minnesängern, dem Lieben Augustin, bis zu den Harfenisten und Bänkelsängern.
Aber erst durch die Volkssänger auf der Pawlatschen wurde das Wienerlied im
breiten Volk bekannt und beliebt. Neben vielen anderen waren J. B. Moser, Josef Fürst,
Seidl-Wiesberg, Edmund Guschelbauer, Antonie Mannsfeld, Anna Ulke, Fanny Hornischer und
die berühmte Fiaker-Milly die erklärten Lieblinge des Publikums.
Die Schrammeln machten das konzertante Wienerlied salonfähig, und in der Goldenen und
Silbernen Operettenära eroberte das Wienerlied auch die Bühne und von dort die ganze
Welt.
Nun der habsburgische Notar mit seinem Loblied über Wien
ist mir etwas unheimlich und stammt entweder aus einer geheimen Quelle oder meint den
Lobspruch der hochlöblichen weltberühmbten Khüniglichen Stat Wien ... aus
dem Jahre 1548 des Schulmeisters am Schottenstift Wolfgang Schmeltzl.1 Der ist allerdings
in deutscher Sprache verfasst. Der Lobspruch ist 1601 Zeilen lang und war nie als Lied
gedacht. Das soll also das erste Wienerlied sein? Dann kam das Wienerlied also zu den
Minnesängern. Die waren damals allerdings schon über 200 Jahre ausgestorben. Und so
gehts dahin ...
Ich schreibe das nicht aus Freude an Kritik, sondern aus Ärger über schlecht
recherchierte Geschichte. Wir werden versuchen, hier etwas Licht ins Dunkel zu
bringen. HZ |
 |
| auszugsweise aus www.wvlw.at |
 |
|
|
|
 |
| Wienerlieder |
 |
Wienerlieder: Die frühesten Zeugnisse von Wienerliedern
reichen in die Zeit um 1700 zurück; die "Ehrliche Gemüthserquickung" von 1686,
oft als die älteste Sammlung bezeichnet, enthält eher studentisch-gesellige Lieder und
nicht Wienerlieder im eigentlichen Sinn. Aus dem 18. Jahrhundert sind zahlreiche
Wienerlieder überliefert, sie wurden von Harfenisten und Bänkelsängern vorgetragen und
enthalten oft derbe Zoten (zum Beispiel "Spittelberglieder") und kritische
Äußerungen gegen die Obrigkeit, weshalb sie von öffentlicher Stelle nur widerwillig
geduldet wurden. Schon in der Frühzeit erschienen die beliebtesten Wienerlieder als
Flugblattdrucke.
Die Blütezeit des eigentlichen Wienerlieds begann im 19. Jahrhundert und ist eng mit der
Entwicklung der Volkssänger verbunden. Das Wienerlied wurde durch J. B. Moser und I.
Nagel sprachlich und inhaltlich gehoben, gesellschaftskritische Haltung und politischer
Witz brachten die Dichter und Sänger oft mit der Zensur der Biedermeierzeit in Konflikt.
Der Aufschwung einer breiten Unterhaltungskultur im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts
(Praterlokale, Etablissements, Singspielhallen, Heurigenlokale usw.) förderte das
Wienerlied, zahlreiche Lieder wurden zu populärem Allgemeingut. Nach dem 1. Weltkrieg
verkümmerte das Wienerlied zusehends, verlor seine kritische Haltung und wurde zum
sentimentalen "Heurigenschlager". Nach dem 2. Weltkrieg hielt H. Schmid
("Schmid-Hansl") die Tradition weiter hoch. Erst mit der neuen
Wienerlied-Bewegung (zirka ab Mitte der 1970er Jahre) erfuhr das Wienerlied eine
Neubelebung (K. Hodina, R. Neuwirth, T. Mally und andere). |
 |
Literatur: L. Schmidt, Volksgesang und
Volkslied, 1970; S. Lohr,
Drum hab i Wean so gern, 1980. |
 |
|
|
|
aus |
 |
 |
 |
| aeiou - das kulturinformationssystem des bm:bwk |
| 14.000 Stichwörter und 2000 Abbildungen aus Geschichte, Geographie,
Politik und Wirtschaft Österreichs |
| www.aeiou.at |
|
|
|
 |
| Weitere Ergebnisse zum Thema |
| Wienerlied |
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
|