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| Schöffer / Rosenberger |
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| Alte Volkskunst |
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| Trachten aus und rund um Wien |
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Ein Werkbuch
(Mit Schnittmusterbogen)
Leopold Stocker Verlag Graz-Stuttgart |
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| Wien und seine Umgebung |
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| Die Donau fließt mitten durch das Land Niederösterreich, an ihren
Ufern wuchsen Städte und Dörfer. Wien und seine Umgebung, begünstigt durch das milde
Klima, erblühten. Die Wirtschaft nahm ihren Aufschwung, Kunstschätze entstanden, und
Künstler schufen über ihre Zeit hinaus unvergessene Werke. Fröhliche Beschwingtheit und
besinnlicher Ernst charakterisieren dieses Land und kommen auch in der Tracht zum
Ausdruck. Farbenfroh und schillernd, aus erlesenen Stoffen, verziert mit Samtbändern,
Stickereien, Gold- und Silberborten, sind die Festtrachten; fröhlich und bezaubernd, aus
heiterem Buntdruck die Alltagstrachten. |
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Grinzing
Alltagstracht I |
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| Dieses glatte Leibchen mit viereckigem Ausschnitt hat den für Wien und
Umgebung typischen einseitigen Knopfverschluß des übereinandergreifenden Brustteils. Aus
rotkariertem Bettzeug gearbeitet, wird der rechte Leibchenteil über die linke
Brustfläche so gezogen und mit vier Perlmutterknöpfen geschlossen, wobei ein Knopf am
oberen Ausschnittrand, die restlichen drei unter der Brust angenäht werden. Der Rücken
ist mit einer einfachen Bogennaht geteilt, die daher diagonal gearbeiteten Seitenteile
schaffen eine attraktive Rückenansicht. Ausschnitt und Verschlußkante können statt
passepoiliert auch rolliert werden. Um der Trägerin ein wenig die Farbwahl zu
überlassen, kann der Kittel auch aus Blaudruck gearbeitet werden, dazu passt neben der
blauen Schürze eine weißgrundige rot/blau gestreifte. |
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Material: Baumwolle
Farbe des ganzen Leiblkittels: rot/weißkariertes Bettzeug, in allen Schattierungen von
rosa bis Fliederfarben
oder: Farbe des Leibchens rot/weißkariertes Bettzeug
Farbe des Kittels: Blaudruck
Farbe der Schürze für beide Varianten: mittel- bis dunkelblau, einfärbig oder
gestreift; weißgrundig, blau/rot gestreift
Verschluß: Vierloch-Perlmutterknöpfe |
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Grinzing
Alltagstracht II |
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| In Grinzing wurde eine Besonderheit der Leibchenform, das sogenannte
Schnürleibl, bekannt. Die Bezeichnung stammt von den im Weinviertel
verbreiteten Leibchen, die vorne, manchmal auch auf dem Rücken, geschnürt wurden. Das
Grinzinger Schnürleibl bestand ursprünglich aus braunem Leinen, die Schürze
war weißgrundig, doch ist die typische blaue Arbeitsschürze immer tragbar. Das Leibchen
kann auch aus Braundruck gearbeitet werden, der Rock hellblau kariert oder gestreift sein.
Es gibt somit zwei Varianten der Stoffzusammenstellung, doch müssen die Farben Braun für
das Leibchen und Blau für den Rock bestehen bleiben. Die Verschnürung dieser
Weinhauertracht ist braun, der obere Ausschnittrand bleibt etwas offen und
wird, zur Taille verlaufend, geschlossen. Die Kanten entlang der Schnürlöcher werden wie
Ausschnitt und Armlöcher passepoiliert. |
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Material: Leibchen: Leinen oder Baumwolle, Kittel und Schürze: Baumwolle
Farbe des Leibchens: einfärbig braun, Leinen oder braun, Streumuster
Farbe des Kittels: hell- bis mittelbraun, gestreift oder kariert
Farbe der Schürze: hell- bis mittelblau oder weißgrundig mit zartem Streifenmuster
rot/blau
Verschluß: braune geknüpfte Baumwollschnur aus Perlgarn Nr. 3. |
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Grinzing
Festtracht |
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| Die Form dieser Festtracht entspricht der der Alltagstracht, doch
werden erlesene Materialien wie Seide und Wollbrokat verwendet. Die Knöpfe sind aus
Silber, die Ausschnitt- und Verschlußkante wird mit einer Silberposamentierborte
versehen. Eine Festtracht, die sich in Oper und Theater sehen lassen kann. |
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Material: Leibchen: Seide, Seidenbrokat; Kittel: Wolle oder Wollbrokat; Schürze:
Seide, Seidenbrokat
Farbe des Leibchens: hellblau
Farbe des Kittels: dunkelblau
Farbe der Schürze: rosa/gold gestreift
Verschluß: Silberknöpfe
Auszier: Posamentiersilberborte |
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Sievering
Alltagstracht |
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| Auch hier in Sievering finden wir ein Schnürleibl, doch
diesmal am Rücken geschnürt. Der viereckige Ausschnitt, der nach hinten bootsförmig
verläuft, gibt dem Leibchen seine gefällige Form. Auch hier bleibt die Verschnürung am
oberen Ausschnittrand etwas offen und wird, zur Taille hin verlaufend, geschlossen. Dieser
Leiblkittel aus Rotdruck mit der dunkelblauen Schürze ist zu einer der beliebtesten
Alltagstrachten geworden. Häufig wird auch das sogenannte Ohrwaschlfürta aus
einfärbig dunkelblauem Baumwollmaterial dazu getragen. Wie alle Wäschestücke wurde auch
die Schürze gemerkt, so finden wir oft heute noch auf der Ohrwaschlschürze
ein Monogramm aus rotem Garn in der rechten unteren Ecke. Die Bänder,
Köperbänder, werden vorne gebunden. |
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Material: Baumwolle
Farbe des ganzen Leibkittels: Rotdruck
Farbe der Schürze: einfärbig dunkelblau; dunkelblau gestreift; weißgrundig, zart
rot/blau gestreift
Verschluß: schwarze geknüpfte Baumwollschnur |
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| Sievering Festtracht |
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| Auch hier ist die Leibchenform identisch mit der Alltagstracht. Die
festliche Sieveringer Tracht wirkt allein durch ihre Schlichtheit und die Wahl der
Materialien; Samt und Seide setzen immer prachtvolle Akzente. Je nach Länge eignet sie
sich für alle kleinen und großen Feste, die es zu feiern gibt. |
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Material: Leibchen: Samt; Kittel: Wollbrokat; Schürze: Seide
Farbe des Leibchens: schwarz
Farbe des Kittels: dunkelgrün
Farbe der Schürze: flieder oder zartlila gestreift
Verschluß: schwarze geknüpfte Baumwollschnur |
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Döbling
Alltagstracht |
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| Sehr beliebt ist auch diese Alltagstracht aus Döbling, die durch ihre
Farbzusammenstellung sehr wirkungsvoll, aber auch sehr ungewöhnlich ist. Das gehaftelte
Leinenleibchen wird ohne Untertritt getragen, so daß die Bluse der Trägerin etwas
blitzt. Der Rücken wurde mit einer einfachen Bogennaht und einer Mittelnaht
aufgezeichnet, die heute aber weggelassen werden kann. Der karierte Rock wird mit zwei
schmalen, ½ cm breiten Samtbändern verziert. Auch hier hat die Schürze die für alle
Weinhauertrachten übliche blaue Farbe des Arbeitsfürtas. |
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Material: Leibchen: Leinen; Kittel und Schürze: Baumwolle
Farbe des Leibchens: türkis bis bauernblau
Farbe des Kittels: rot/schwarz/weiß kariert
Farbe der Schürze: zwetschkenblau
Verschluß: Haftelverschluß
Auszier: schmale schwarze Samtbänder oberhalb des Rocksaums. |
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Raum Wien
Alltagstracht |
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| Ein durch seine Einfachheit besonders für die Stadt tragbares
Dirndlgwand ist dieses im Raum Wien entstandene Leibl. Durch die
Verschiedenartigkeit der Muster- und Farbkombination, die der Trägerin die Möglichkeit
gibt, die zu ihrem Typ besser entsprechende Grundfarbe auszuwählen, erfreut sich diese
Alltagstracht besonderer Beliebtheit, doch müssen die Regeln der Musterzusammenstellung
gewahrt bleiben. Die Grundform dieses Leibchens ist der glatte Brustfleck, der beidseitig
unter dem Arm geknöpft wird. Den Rücken teilen zwei Bogennähte, die wie der runde Hals-
und die Armausschnitte in einer Kontrastfarbe passepoiliert werden können. So erhält
diese Tracht ihren besonderen Reiz. |
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Material: Baumwolle
Farbe des Leibchens: z.B. blau, Streumuster/Passepoil: dunkelrot; rot/schwarz
kariert/Passepoil: schwarz
Farbe des Kittels: z.B. rot, gestreift; schwarz, Streumuster
Farbe der Schürze: z.B. hellblau oder weißgrundig, blau/rot, schwarz/rot gestreift
Verschluß: Vierloch-Perlmutterknöpfe |
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Raum Wien
Festtracht |
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| Ein sehr attraktiver Seidenleiblkittel ist die dunkelblaue Festtracht
aus dem Raum um Wien. Das Latzleibchen wird vorne mit einer Goldschnur überkreuzt
geschnürt, die Träger sind abgerundet, vorne angeknöpft und am Rücken tiefer als die
Achselnaht angesetzt, um die alte Trägerform zu erhalten. Auch hier erhöht die
Kontrastfarbe der Rollierung die Wirkung des Leibchens. Die Träger, der runde
Rückenausschnitt, die Armausschnitte werden mit rosa Seide rolliert. Der Schnitt des
Rückens, mit dem über die hintere Taille reichenden kleinen Schößerl ist, der
historischen Vorlage entsprechend, gleichgeblieben und mit Goldborten verziert. Heute kann
der Rücken im Sinne der Trachtenerneuerung mit einer einfachen Bogennaht gestaltet
werden, es kann aber auch nur das Schößerl wegbleiben. |
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Material: Leibchen und Rock: Seide; oder Leibchen: Seide, Rock: Wolle, Schürze: Seide
Farbe des ganzen Leibkittels: dunkelblau mit rosa Rollierung
Farbe der Schürze: rosa, gestreift
Verschluß: Goldknöpfe, Verschnürung: gold, untergehaftelter Latz
Auszier: Goldborten |
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| Wienerwaldgebiet |
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| Der Wienerwald mit seinen waldigen Hügeln umgibt Wien von
Süden bis Westen. Doch nicht allein die Landschaft und die Geschichte, sondern auch die
Industrie prägten Sitten und Gebräuche. Altes Brauchtum wurde bis in die moderne Zeit
bewahrt, die Tracht blieb erhalten und lebendig. Typisch für das gesamte Wienerwaldgebiet
ist das gezogene Brustfleckleibchen in verschiedenen Formen und Farben, doch
Rot und Blau sind in den dunkelgrünen Wäldern vorherrschend. |
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Wienerwald
Alltagstracht |
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| Das hier angeführte Leibchen hat im gesamten Wienerwald seine
Gültigkeit. An eine glatte Passe wird der gezogene Brustteil, der von Seitennaht zu
Seitennaht reicht, angesetzt und oben mit einer schmalen Passe abgeschlossen. Das Leibchen
wird am Rücken geknöpft, der die hochgezogene Form mit den angeschnittenen Trägern, die
an der vorderen Passe angenäht werden, aufweist. |
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Material: Baumwolle
Farbe des Leibchens: rot, Streumuster
Farbe des Kittels: blau, Streifenmuster
Farbe der Schürze: hellblau
Verschluß: Knopfverschluß Vierloch-Perlmutterknöpfe |
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| auszugsweise aus |
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| Schöffer / Rosenberger; Alte Volkskunst |
Trachten aus und rund um Wien
Ein Werkbuch (Mit Schnittmusterbogen) |
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| Wiener Tracht |
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Trachten, bis in das 20. Jahrhundert allgemeine Bezeichnung für jede
"getragene" Kleidung und die dazugehörige Aufmachung (Haar-, Barttracht usw.)
mit verbindlichem Charakter, um Unterschiede des Familienstands, der Konfession, des
sozialen Status und der Berufszugehörigkeit (Bergleute, Handwerker usw.) deutlich zu
machen. Mit der Natur- u. Trachtenbegeisterung bei der städtisch- bürgerlichen und
aristokratischen Bevölkerung im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich auch
eine bewusste Trachtenpflege; heute bezeichnen Trachten eine vermeintlich zeitlose
bäuerliche Traditionskleidung. |
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| Die heute bekannten Trachten gingen aus der Verbindung
einer regionalen Sonderkleidung mit traditionellen und zeitmodischen Elementen hervor.
Neben regionaler Abgeschiedenheit spielten die Nähe zu größeren Städten, Saisonarbeit
und Wanderhandel (Abzeichenfunktion) sowie früher Tourismus für die Erhaltung und
Entwicklung der Trachten eine besondere Rolle. Heute pflegen in Österreich zahlreiche
Trachtengruppen und Trachtenvereine Brauchtum und Trachtenerneuerung, so dass die meisten
Ortstrachten Neuschöpfungen der jüngsten Zeit darstellen. Darüber hinaus wurden
Trachtenelemente in die österreichische Mode übernommen und wurden prägend für das
Kleidungsverhalten weiter Bevölkerungskreise. Seit dem späten 19. Jahrhundert werden
Trachten als Kennzeichen des "Österreichischen" in der Werbung (Tourismus,
Lebensmittel usw.) eingesetzt. Bedeutende Sammlungen historischer Volkstrachten befinden
sich im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien, im Steirischen Volkskundemuseum
in Graz ("Trachtensaal") sowie im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck;
kleinere Sammlungen in zahlreichen Landes- und regionalen Museen. |
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aus |
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| aeiou - das kulturinformationssystem des bm:bwk |
| 14.000 Stichwörter und 2000 Abbildungen aus Geschichte, Geographie,
Politik und Wirtschaft Österreichs |
| www.aeiou.at |
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