Der Wienfluss
Blick vom linken Wienflussufer gegen die Karlskirche, 1822
Johann Friedrich Wizani, Kolorierter Kupferstich
© Wien Museum
Verlauf und Einzugsgebiet
Der Wienfluss entspringt im westlichen Wienerwald (Nähe Rekawinkel) in 520 Meter Seehöhe und hat eine Gewässerstrecke von 34 Kilometer. 
Einzugsgebiet:
230 Quadratkilometer Fläche
zwei Drittel Wiener Stadtgebiet, Teile des Wienerwaldes bis Pressbaum
Zahlreiche Zuflüsse im Oberlauf: naturnah erhalten - bedeutendes ökologisches Potenzial für flussabwärts gelegene Laufstrecken
15 Kilometer Verlauf durch die Stadt Wien:
in einem geometrisch ausgeformten, hart verbauten Hochwassergerinne (eine Hauptlinie für die Entwässerung)
Einzugsgebiet: Kanalisationsnetz des Rechten und Linken Wienflusssammelkanals
Wienfluss - © S. Gaube, Citype, 2008
Der Wienfluss im Stadtpark
Geschichte der Wienflussregulierung
19. Jahrhundert
Wienfluss durchfließt Aulandschaften mit Wiesen und Auwäldern
Gefahr für ständig wachsende Siedlungsgebiete:
Fluss schwillt innerhalb von Stunden um das 2.000-fache an
Verheerende Überschwemmungen, schlechte hygienische Verhältnisse
Erste systematische Regulierungsmaßnahmen zwischen 1814 und 1817
Ansiedlung von Gewerbe und Industrie (Gerbereien, Färbereien): Belastung durch Abwässer
1830: Donau-Hochwasser und Einstau des Wienflusses führt zu Choleraepidemie
1831 bis 1839: Bau der Wienflusssammelkanäle ("Cholerakanäle") vom Linienwall bis zur Einmündung des Donaukanals
Hochwassersituation und hygienische Verhältnisse verbessern sich nicht
1891: Planungen zur umfassenden Regulierung des Wienflusses

1895 bis 1899:
Regulierungsarbeiten und Ausbau der beidseitig gelegenen Sammelkanäle
Hochwasserrückhaltebecken in Weidlingau
Tiefes, künstliches Bett für Wienfluss von Mariabrunn bis zum Donaukanal
Sohlen- und Ufersicherung
Einwölbung oberhalb Stadtpark bis Gaudenzdorfer Knoten - bis 1915 Einwölbung bis Steggasse
Foto: Gebietsbetreuung 4-5
Blick über das Wiental (Foto: Gebietsbetreuung 4-5)
Wienfluss-Hochwässer: Ursachen und Auswirkungen
Abflussverhalten der Wien
Rasches Ansteigen des Wasserspiegels bei Regenfällen
Rasches Abklingen des Hochwassers nach dem Regen
Ursache
"Wiener Sandstein" (Untergrund Ursprungsgebiet Wienerwald)

Rasche Sättigung des Untergrundes bei Regen
Niederschläge fließen ab: Ansteigen des Gesamtabflusses, Hochwässer in den Wienerwaldbächen
Auswirkungen
Wienfluss führt bei Niederwasser 200 Liter pro Sekunde ab, bei extremen Hochwasserfällen 450.000 Liter und mehr (2.000-fache Niederschlagsmenge)
Niederschläge können im städtischen Einzugsgebiet nicht versickern - vermischen sich in der Kanalisation mit Abwässern
Kanäle der westlichen Stadtteile münden in die Wiental-Sammelkanäle: völlige Überlastung
Sammelkanäle entlasten (schon bei kleinen Regenfällen) über Regenüberläufe Mischwasser in den Wienfluss
Wienfluss - © Gaube
Der Wienfluss auf Höhe der U-Bahn Station Schönbrunn.
Entlang des Wienflusses wurde die Kanalisation 1831 als Reaktion auf eine Choleraepidemie errichtet (Geschichte der Wiener Kanalisation). Die Wienflusssammelkanäle sind heute noch in Betrieb und naturgemäß hydraulisch überfordert und in schlechtem Bauzustand. Als Lösung wird ein Entlastungskanal, der Wiental Kanal gebaut. Dieser wird im Flussbett des Wienflusses errichtet und wird über keine Regenüberläufe mehr verfügen.
Der Wienfluss wird zum saubersten Stadtfluss Europas
Seit 1997 arbeitet die MA 30 - Wien Kanal an der Verbesserung der Wasserqualität des Wienflusses.
Als 1830 mit dem Bau der beiden Wienfluss Sammelkanäle - unter Historikern bekannt als Cholerakanäle - begonnen wurde, galt als oberste Prämisse die Abwässer rasch und schnell abzuleiten, Hochwässer zu verhindern, und so die Bevölkerung vor den gefürchteten Seuchen zu schützen. Dies funktioniert bis heute trotz zunehmender Versieglung und Verbauerung. Um jedoch die Lebensqualität in der Millionenstadt Wien weiterhin zu steigern, wird heute auf Hochtouren daran gearbeitet die Umweltbelastung weitestgehend zu reduzieren. Künftig sollen keine Mischwasserausleitungen in den Wienfluss mehr erfolgen. Möglich wird dies durch den Wiental Kanal.
Der Wiental Kanal - ein internationales Musterprojekt
Der Wiental Kanal wird den Wienfluss vor Verunreinigungen durch das bestehende Kanalsystem schützen und ihn damit zu einem der saubersten Stadtflüsse einer Millionenstadt machen.
Mit dem Wiental Kanal zeigt Wien, dass es in der Umweltpolitik neue, zukunftsweisende Wege geht und in höchstem Maße vorausschauend und verantwortungsvoll auch für zukünftige Generationen handelt.
Mit dem Wiental Kanal wird das Wiener Kanalsystem zu einem der modernsten Kanalsysteme Europas.
Daten und Fakten
Der Wiental Kanal erstreckt sich in seiner bestehenden Form (Erster Bauabschnitt, Bauzeit 1997 bis 2001) in einer Länge von etwa 800 Metern vom Donaukanal in Höhe der Urania bis zum Stadtpark.

Der zweite Bauabschnitt begann im Mai 2003 im 5. Wiener Gemeindebezirk im Bereich des Ernst-Arnold-Parks und wird an das bestehende Kanalstück am Stadtpark anschließen. Dieser Bauabschnitt wird eine Länge von 2,69 Kilometern haben und voraussichtlich im Dezember 2005 abgeschlossen werden.

Die übrigen Bauabschnitte sind derzeit in Planung. Die Fertigstellung wird mit 2015 angestrebt. Der gesamte Wiental Kanal wird nach Fertigstellung eine Länge von 12 Kilometern aufweisen. Die Gesamtkosten belaufen sich voraussichtlich auf rund 400 Millionen EUR.
aus
Websercice der Stadt Wien
wien.at vereinigt umfangreiche Informationen und Dienste zu allen Lebensbereichen der Stadt Wien sowie zahlreiche weitere Services
www.wien.gv.at
Wiental Kanal ist Meilenstein für den Gewässerschutz
Technische Meisterleistung verbessert Wasserqualität des Wienflusses
Wien (RK). "Wien setzt sein ambitioniertes Gewässerschutzprogramm weiter zügig um. Die Fertigstellung des Wiental Kanals ist dabei ein echter Meilenstein für den Gewässerschutz und damit für die Lebensqualität in Wien", betonte die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima am Dienstag im Mediengespräch des Bürgermeisters: "Der neue Kanal sorgt gemeinsam mit der 2005 abgeschlossenen Erweiterung der Hauptkläranlage Simmering, dem Kanalbau am Liesingbach und der innovativen Wiener Kanalnetzsteuerung für eine deutliche Steigerung der Qualität der Wiener Gewässer." Ein besonderes Anliegen für Sima, die beim Wiental Kanal auch als Tunnelpatin fungierte: "Ich bin sehr froh, dass die schwere und gefährliche Arbeit unter Tage ohne Unfälle abgelaufen ist. Mein Dank gilt allen Beteiligten für den erfolgreichen Abschluss des Projekts."
rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/
rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/
Seit Mai 2003 liefen die Arbeiten an den Bauabschnitten 2 + 3 des Wiental Kanals: Ein 136 Meter langer und 1.090 Tonnen schwerer "Bohrwurm" (Erddruckschildmaschine) bohrte dann nach Abschluss der Baumeisterarbeiten ab Herbst 2004 vom Stadtpark in rund 30 Meter Tiefe den "Ulli"-Tunnel mit 8,6 Metern Durchmesser Richtung Ernst- Arnold-Park in Wien-Margareten. Nach dem Durchbruch zum Zielschacht im April 2005 erfolgte die Anbindung des Wiental Kanals an die schon bestehenden Wienfluss-Sammelkanäle und der Einbau technischer Einrichtungen. Im September geht der neue Kanal in Betrieb, die Stadt Wien investierte in die Bauabschnitte 2 + 3 des Wiental Kanals 82,7 Millionen Euro.****
Sichere Abwasserentsorgung für künftige Generationen
Der erste Abschnitt des Wiental Kanals wurde bereits 1997 begonnen und 2001 fertig gestellt. Die Trasse verläuft vom Donaukanal auf der Höhe Urania dem Wienfluss folgend bis zum Stadtpark. Bei der Urania schließt der Wiental Kanal an den Rechten Hauptsammelkanal-Entlaster an, der das Abwasser bis zur Hauptkläranlage Simmering transportiert. Sima: "Mit dem neuen Kanal wird künftig verhindert, dass mit Regen verdünntes Schmutzwasser aus den bestehenden Kanälen in den Wienfluss gelangt. Der Wiental Kanal ist ein internationales Vorzeigeprojekt, wir gehen damit zukunftsweisende Wege und sorgen dafür, dass auch für künftige Generationen Entsorgungssicherheit auf der einen und Gewässerschutz auf der anderen Seite garantiert ist. Mit dem Wiental Kanal bleibt die Stadt Wien ihrer Linie treu: Wir investieren in den Umweltschutz, denn Investitionen in die Umwelt sind Investitionen für die Zukunft."
Technische Meisterleistung in Rekordgeschwindigkeit
Die Bauabschnitte 2 + 3 des Wiental Kanals stellten die Techniker der Stadt Wien und der beteiligten Firmen vor große Herausforderungen. Damit es an der Oberfläche zu keinen Beeinträchtigungen kommt, spielten sich die Bauarbeiten für das Kanalprojekt im Wesentlichen im Untergrund ab. Zu verdanken ist dies der Erddruck-Schildmaschinen-Technologie, der 126 Meter lange "Bohrwurm" wurde im Stadtpark-Startschacht zusammengebaut.

Mehr als 7 Monate wühlte sich die Maschine durch den Wiener Untergrund, 120 Tunnelexperten arbeiteten am neuen Kanal. Der Wiener "Bohrwurm" arbeitete im Turbobetrieb - bis zu 36 Meter pro Tag gelten als weltweite Rekordgeschwindigkeit bei Erddruckschildmaschinen über 7 Meter Durchmesser. Auf seinem Weg zum Ernst-Arnold-Park fraß die 1.090 Tonnen schwere Erddruckschildmaschine 150.000 Kubikmeter Erde. Allein das Schneidrad - mit insgesamt 141 Schälmessern, 24 Schneidrollen und 16 Räumwerkzeugen - wog 120 Tonnen. Das abgegrabene Erdreich wurde zu Brei verarbeitet und von einer Schnecke an die Oberfläche transportiert. Gleichzeitig erfolgte die Auskleidung der schon gegrabenen Teile der Kanalröhre mit Stahlbetonteilen. Insgesamt waren 10.400 Einzelbausteine, so genannte Tübbinge, dafür nötig.
Herausforderung U-Bahn-Querung
rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/
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Das schwierigste Stück der Tunnelarbeiten - die Querung der U-Bahnlinie 1 unter dem Karlsplatz - ging planmäßig über die Bühne. Die tiefbautechnische Herausforderung, einen Tunnel mit einem Außendurchmesser von immerhin 8,6 Meter nur 3 Meter unterhalb der U-Bahnlinie 1 im Bereich des Karlsplatzes durchzuführen, wurde von den Tiefbauspezialisten der MA 30 - Wien Kanal und der bauausführenden Firma Arge Porr Tunnelbau/Bilfinger Berger erfolgreich bewerkstelligt. Um Setzungen vorzubeugen, musste dieser Bereich mit Injektionsbohrungen, die mit einer Betonmischung ausgefüllt wurden, gestützt werden ("Soil- Verfahren"). 90 dieser Bohrungen waren erforderlich, um die Bauarbeiten am Kanal sicher fortsetzen zu können. Während der Injektionen kontrollierte ein aufwändiges Lasermess-System etwaige Verschiebungen der U-Bahn-Röhren. Dank der sorgfältigen Vorbereitung konnte diese schwierige Passage in nur wenigen Tagen gemeistert werden - ohne Störung des U-Bahn-Verkehrs.
Vom 3. Mann ins 3. Jahrtausend
Rund 98 % der Wiener Haushalte sind an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen, ein Spitzenwert im internationalen Vergleich. Das Wiener Kanalnetz muss jährlich mit 220 Millionen Kubikmeter Abwasser fertig werden, das entspricht 1,5 Millionen randvoll gefüllten Badewannen täglich. Rund 2.300 Kilometer Straßenkanäle (das entspricht etwa der Entfernung Wien-Moskau) und rund 6.300 Kilometer Hauskanäle leiten das Abwasser zur erweiterten Hauptkläranlage Simmering, wo es auf höchstem technischen Niveau biologisch gereinigt wird.

Mit dem Wiental Kanal bekommt das Wiener Kanalnetz einen technisch innovativen Zuwachs, erstmals wurde in Wien ein Entlastungskanal unter einem Flussbett errichtet. Der insgesamt 3,5 Kilometer lange Wiental Kanal kann bis zu 110.000 Kubikmeter Abwasser speichern. Hintergrund für das Umweltschutz-Projekt: Die Wienfluss-Sammelkanäle waren bei starkem Regen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gestoßen. Durch den Regen verdünntes Kanalwasser, so genanntes Mischwasser, gelangte in den Wienfluss. Mit dem neuen Wiental Kanal gehört das der Vergangenheit an. Er dient als Stauraum, nach Abklingen der Regenfälle kann das Wasser durch die "Wiener Kanalnetzsteuerung" - einem aufwändigen elektronischen Steuer- und Pumpsystem ausgestattet, das vollautomatisch in Aktion tritt - kontrolliert zur Hauptkläranlage Simmering abgeleitet werden.

Der 2005 abgeschlossene Ausbau der Hauptkläranlage und der Bau des Liesingtal Kanals sind weitere Beiträge zur Steigerung der Wasserqualität der Donau, des Donaukanals, der Liesing und des Wienflusses auf Gewässergüte 2. Durch die sinnvolle Doppelnutzung des Kanalsystems als Speicher und Abwasserabfluss ersparte sich die Stadt Wien den Bau von Überlaufbecken und damit rund 52 Millionen Euro.
Technische Daten zum Wiental-Kanal
Gesamtlänge: 3.500 Meter
Speichervolumen: 110.000 m3
Bauabschnitt 1 (Urania bis Stadtpark):
800 Meter Länge,
errichtet 1997-2001
Baukosten: 16,1 Millionen Euro
Bauabschnitte 2 + 3 (Stadtpark bis Ernst-Arnold-Park):
2.700 Meter Länge
(Tunnellänge 2.600 Meter),
errichtet 2003-2006
Innen-Durchmesser: 7,5 Meter
Außen-Durchmesser: 8,6 Meter
Baukosten: 82,7 Millionen Euro
Rückfragehinweis:
Mag. Karl Wögerer
Tel. 4000/81359
E-Mail: woe@ggu.magwien.gv.at 
(RK vom 29.08.2006)
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