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Würstelstand
Wo die Wurst am besten schmeckt |
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Bild: Ein klassischer Wiener Würstelstand in der
Kupferschmiedgasse
© Verlag Christian Brandstätter - Duncan J. D. Smith |
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Fastfood ist zwar sehr praktisch in diesen hektischen Zeiten, doch ein
kulturelles Erlebnis oder die Gelegenheit, sich mit dem Nachbarn auszutauschen, bietet es
selten. In Wien aber gibt es an vielen Straßenecken genau das, vom frühen Vormittag bis
zum Abend und noch später. Die kulinarische Institution des Würstelstands mit seinem
bunten Retro-Styling aus den Fünfzigerjahren, den Schiebefenstern und der Chromtheke ist
ein willkommener, tröstlicher und unersetzlicher Teil des modernen Wien. Die 300 oder
mehr Würstelstände in der Hauptstadt bieten einen Lobgesang auf die bescheidene Wiener
Wurst und gleichzeitig Wiens ältestes Fastfood. Die Kundschaft kennt keine sozialen und
ökonomischen Grenzen: Hier stehen der arme Student und der vom Shopping Erschöpfte neben
dem Manager, dem Büroangestellten und dem Nachtschwärmer; Mann und Frau, Jung und Alt,
alle genießen sie ihren herzhaften nichtvegetarischen Imbiss.
Von den etwa zwanzig erhältlichen Wurstsorten verkauft jeder Stand etwa ein halbes
Dutzend, von den üblichen (etwa die dünnen heißen Frankfurter die in Frankfurt
übrigens Wiener heißen und Bratwurst, gekocht als Burenwurst populär) bis zur
weniger bekannten dicken Käsekrainer, einer Schweinswurst mit Käsestücken, den dünnen,
scharfen ungarischen Debrezinern und der geräucherten Tirolerwurst. Dazu gibt es heißen
Leberkäse, der weder Leber noch Käse enthält und meist scheibenweise in einer Semmel
verzehrt wird. Gelegentlich wird er aus Pferdefleisch hergestellt; eine weitere Variante
enthält tatsächlich Käse. Die Wurst wird traditioneller Weise aufgeschnitten auf einem
Pappteller serviert, zusammen mit einem Zahnstocher, einer Semmel oder Brot, süßem oder
scharfem Senf und Essiggurken; das alles wird mit einem Kohlensäuregetränk oder Bier
hinuntergespült. Kunden, die im Gehen essen wollen, sollten sich für eine Art Hotdog
entscheiden, ein Würstchen in einem gehörig mit Ketchup angefeuchteten, in eine
Serviette gewickelten Brötchen.
Etwas feinere, aber nicht weniger wienerische kleine Mahlzeiten erhält man beim
berühmten Buffet Trzesniewski in der Dorotheergasse1, wo von uniformierten Kellnerinnen
Roggenbrot-Sandwiches mit den verschiedensten Aufstrichen den Gästen serviert werden, die
sie mit einem kleinen Glas Bier (einem so genannten Pfiff) hinunterspülen. In den kühlen
Herbst- und kalten Wintermonaten gibt es auch zahlreiche Stände, an denen heiße
Kastanien (Maroni), Bratkartoffeln, Kartoffelpuffer mit und ohne Knoblauch und Glühwein
oder Punsch verkauft werden das Beste gegen kalte Nasen und Erfrierungen an den
Fingern! Vor allem in den wunderhübschen Christkindlmärkten (zum Beispiel am
Rathausplatz, auf der Freyung, am Spittelberg und vor dem Schloss Schönbrunn), deren
lange Geschichte bis 1298 zurückreicht, kann man viele dieser Stände finden. |
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| auszugsweise aus |
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| Duncan J. D. Smith; Nur in Wien |
Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten, geheimen Plätzen und
versteckten Sehenswürdigkeiten
Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer
Fotografien von Duncan J. D. Smith
Die Straßen Wiens sind mit Kultur gepflastert, die Straßen anderer Städte mit
Asphalt. Karl Kraus (1874-1936)
Wien ist sicherlich eine der großartigsten und zugleich homogensten Hauptstädte in
Europa. Und es ist eine der faszinierendsten. Die Überfülle an Reiseführern, die es zu
kaufen gibt, präsentiert dem nicht allzu anspruchsvollen Besucher eine märchenhafte (und
leicht zugängliche) Fülle an Museen, Kirchen, Palais und kulinarischen Lokalitäten, und
sie erzählen von der Geschichte der Stadt seit den Zeiten der Römer über jene des
Habsburgerreiches bis zur Gegenwart. |
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mit freundlicher Genehmigung |
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| Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. |
| Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen |
| www.brandstaetter-verlag.at |
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| Würstelbuden |
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Was wäre Wien ohne den Würstelstand?
Obwohl es die ersten Würstelbuden bereits 1134 in Regensburg gegeben haben soll, ist der
Würstelstand in Wien schon vor langer Zeit zu einem festen Bestandteil des kulinarischen
Angebotes geworden. Standorte typischer Würstelbuden zu nennen ist müssig, denn man
stösst fast an jeder Ecke auf eine. |
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Man nennt sie spöttisch und in Anlehnung an das noble
Hotel auch "Kleines Sacher" und genehmigt sich zu jeder Tages- und Nachtzeit
gerne eine der beliebten Spezialitäten.
"A klasse Hasse" ist, frei übersetzt, eine erstklassige
heiße Wurst. Aber welche wählt man aus dem reichhaltigen Angebot
?
Darfs eine Burenwurst sein, die der Wiener liebevoll Burenhäutl nennt?
Vielleicht auch ein knackiges Paar Frankfurter, die im Ausland Wiener
heißen, oder eventuell Debreziner, die mit ihrem feurigen Innenleben
an die Monarchie und deren lukullische Hinwendung zu Ungarn erinnern?
Eine "Waldviertler" mit deftigem Räuchergeschmack ist auch
nicht zu verachten! Vielleicht genehmigt man sich aber auch eine Käsekrainer
oder knusprige Bratwüstel, oder man triftet in die unbegreiflichen
Weiten des Wiener Geschmackes ab und widmet sich genussvoll einem
Leberkäse, der weder Leber noch Käse beinhaltet, sondern ein g'schmackiges
Gemisch aus Schweinefleisch, Rindfleisch und geheimen Gewürzen ist.
Hat man seine Wahl getroffen, dann wird man unweigerlich mit einer
Gewissensfrage konfrontiert:
"Süss oder scharf?" Damit ist die gewünschte Art Senf gemeint.
Bei einem guten Würstelstand ist aber damit alleine die Art und Weise der Darreichung des
Würstels noch lange nicht geklärt. Jetzt kommen erst die Standardfragen:
"Schneiden oder im Ganzen?"
"Wolln's Gurkerln auch?"
"Brot oder Semmel?"
"Wolln's a Scherzerl?"
"Eventuell ein bisserl Kren?"
"Was darfs zu trinken sein?"
"Schmeckt's?"
Bei einem gutgehenden Würstelstand gehen pro Tag rund 500 Würstel über die Theke. Und
wer isst die? Der Herr Minister neben der biederen Hausfrau, der Schulbub neben seinem
Lehrer, der Herr Kanzleirat neben einem Rockmusiker, der berühmte Schauspieler neben
einem Fan, der Wiener neben den Touristen.
Das Publikum am Würstelstand ist gemischt, aber voller Freundlichkeit und Eintracht.
Und weil man als echte Wienerin auch gerne eine Empfehlung abgibt, bekenne ich, dass meine
Stammwürstelstände am Hohen Markt und vor der Oper stehen. Aber es gibt noch zumindest
999 andere, wo man beherzt in die "klasse Hasse" beissen kann.
aus http://www.ostbahnfini.com/ueber_wurst.htm |
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Burenhäutel, Burenhäudl Burenwurst. Wurstspezialität, die nirgendwo besser
schmeckt als an Wiener Würstelständen |
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Die Burenwurst, da liegt sie. Krumm,
rot, verschwitzt. Ist nicht schön. Ist nicht fein. Ist so nichts Besonderes,
dass sie schon wieder etwas Besonderes ist, nähmlich ein verderbliches
Heiligtum der Wiener neben Schnitzel, Schweinsbratl und anderen Kameradschaftsgerichten.
Ist so populär, dass nicht eimal über ihren Namen Klarheit besteht:
Die etwas attraktivere Legende berichtet von holländischen Soldaten,
die sie am Ende des letzten Jahrunderts aus dem Burgenkrieg ins Land
geschleppt hätten wie eine ansteckende Krankheit. Die etymologisch
verlässlichere Herkunftsgeschichte verweist allerdings auf das babylonische
Sprachgewirr der k. u. k. Monarchie, derzufolge die sogenannte "Klobasse"
(das Fleischhauersynonym für Burenwurst) auf das slowakische "Kolbasz"
hindeutet, was "Bauer" heißt.
Bauernwurst, Burenwurst, völlig wurst. Im Inländersprachgebiet wird
sie sowieso nur "Heiße" oder bestenfalls "Burenheidl"
(=Burenhaut) gerufen oder sprachlos zum Verzehr preisgegeben. Damit
kommen wir zum heikelsten Thema unserer Führung. Ja, die Burenwurst
besteht aus Fleisch. Auch.
Sie gehört zur Gattung der Bratwürste, denen die "Landesinnung
Wien der Fleischer" immerhin die Güteklasse 3b) verlieh. Damit
liegt sie qualitätsmäßig im hinteren Mittelfeld, und nur ein Präuße
würde feststellen, dass hinter dem hinteren Mittelfelde nichts mehr
kommt außer ausgemusterten Speckschwartln.
Die Wurstmasse setzt sich aus 55 Teilen Brät, 25 Teilen Speck und 20 Teilen Salzstoß
zusammen, auf 100 Teile Wurstmasse kommen 3 Teile Kartoffelstärke, und was Salzstoß
bedeutet, soll unser kleines Geheimis bleiben, denn nur ihre vielen kleinen Geheimnisse
machen die Burenwurst so pikant.
von Christian Seiler
aus http://community.reflex.at/~martin.haberfellner/ |
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