| Zentralfriedhof |
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| Der Eröffnung des Wiener
Zentralfriedhofes im Jahre 1874 gingen bewegte Kontroversen voraus, da
er der erste wirklich interkonfessionelle Friedhof war, und es war
umstritten, ob es dennoch klare Abgrenzungen zwischen den Konfessionen
geben und ob eine Einweihung durchgeführt werden sollte. Nachdem ein
Kompromiß gefunden wurde, blieb der Zentralfriedhof noch einige Zeit im
Mittelpunkt von Diskussionen: Die Fertigstellung der Bauwerke ging nur
schleppend voran, den deutschen Architekten Mylius und Bluntschi wurde
Vernachlässigung der Bauaufsicht vorgeworfen, die Anreise der Trauernden
erwies sich vor allem im Winter als beschwerlich, da es noch keine
Bahnverbindung gab. |
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| 1898 wurde Max Hegle mit der Gestaltung der Kirche und der Leichenhallen
beauftragt. Die 1911 eingeweihte Kirche wurde zu Ehren des in ihr
beigesetzten Bürgermeisters Lueger Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche
genannt und gilt als eines der wichtigsten Jugendstilgebäude Wiens. Sie
bildet in der geometrischen Anordnung der Alleen das Zentrum. |
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| Der Zentralfriedhof ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, sondern er
gibt auch ein vielseitiges Bild von den sozialen kulturellen und
historischen Bezugspunkten unserer Gesellschaft: durch die rund um die
Kirche angebrachten Ehrengräber von anerkannten Persönlichkeiten und
durch die Denkmäler und Gemeinschaftsgräber, die an die Opfer
historischer Ereignisse erinnern, von der Revolution 1848 bis zu den
Welt- und Bürgerkriegen unseres Jahrhunderts. |
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| Text auszugsweise aus Michael Totschnig: Wien und der Tod |
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Der Zentralfriedhof |
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Nach den schlichten und auf ein Minimum
reduzierten „Sparbegräbnissen“ unter Kaiser
Josef II. versuchte in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts das wohlhabende Bürgertum, es
den Adeligen gleichzutun, und inszenierte
prunkvolle Trauerfeiern und Begräbnisse; der
seither viel zitierte Begriff der „schönen
Leich“ war geboren. Auch heute noch stößt die
schöne Leich auf das Interesse der Wiener
Bevölkerung, so sind Staatsbegräbnisse von
Politikern sowie Beerdigungen von
Persönlichkeiten aus anderen Schaffensbereichen
für viele Menschen Anlass, diesen prominenten
Verstorbenen eine letzte Ehre zu erweisen. Wird
beispielsweise ein Bundespräsident beigesetzt,
so ist die Straße, die, zu beiden Seiten
flankiert von Ehrengräbergruppen, vom
Hauptportal zur Präsidentengruft führt,
Schauplatz von langen Trauerzügen. Aber auch von
Vertretern der zeitgenössischen Popkultur wird
mitunter in großem Rahmen Abschied genommen: Im
Februar 1998 wohnten der feierlichen Beisetzung
von Popstar Falco in einem ehrenhalber
gewidmeten Grab tausende Menschen bei. |
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Bestattungen auf dem Zentralfriedhof werden in
den meisten Fällen von der „Bestattung Wien“
durchgeführt, einem Unternehmen der im Eigentum
der Stadt Wien befindlichen Wiener Stadtwerke
Holding AG. Bis vor wenigen Jahren war die
Bestattung Wien noch Monopolist, aber nachdem im
Jahr 2002 das Wirtschaftsministerium den
Bedarfsnachweis für Bestattungsunternehmen
ersatzlos gestrichen hat, eröffnete im
darauffolgenden Jahr der Bestatter „Pax“ als
erster Konkurrent eine Niederlassung in der
Simmeringer Hauptstraße. Bei der Gestaltung von
Verabschiedungen haben die Hinterbliebenen viele
Freiräume, von der (teils unkonventionellen)
Auswahl der Musik während der Trauerfeier bis
hin zur Möglichkeit, das Geleit des Sarges von
der Aufbahrungshalle zur Grabstelle mittels
einer historischen, sechsspännigen Trauerkutsche
durchführen zu lassen. |
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Die Verwaltung des Friedhofs fällt in die
Zuständigkeit der Friedhöfe Wien GmbH (ehemals
Wiener Magistratsabteilung 43, „Städtische
Friedhöfe“), zu der unter anderem die
untergeordneten Stellen „Städtische
Friedhofsgärtnerei“ und „Städtische
Steinmetzwerkstätte“ zählen, letztere müssen
sich jedoch gegen eine Vielzahl an
konkurrierenden Friedhofsgärtnereien und
Steinmetzbetriebe behaupten, die sich entlang
der Simmeringer Hauptstraße in der Nähe
angesiedelt haben. |
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Der Zentralfriedhof wurde im Laufe seiner
Geschichte insgesamt sieben Mal erweitert
(zuletzt 1921) und beherbergt derzeit (2006)
etwa 330.000 Grabstellen mit rund drei Millionen
Verstorbenen. Zum Zeitpunkt seiner Eröffnung
galt er als die größte Friedhofsanlage Europas,
seine aktuelle Gesamtfläche von knapp 2,5 km²
wird nur von dem 4 km² großen Hamburger Friedhof
Ohlsdorf übertroffen.
Eine der letzten gestalterischen Neuerungen
stellt der vom Architekten Christof Riccabona
entworfene und 1999 eröffnete Park der Ruhe und
Kraft dar. Es handelt sich um einen
geomantischen Landschaftspark, der in fünf
unterschiedlich gestaltete Bereiche gegliedert
ist und zur körperlichen wie geistigen
Entspannung und Besinnung einladen soll. |
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Entwicklung der konfessionellen
Abteilungen |
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Der Zentralfriedhof in seiner heutigen Form
besteht einerseits aus dem interkonfessionellen
„Hauptfriedhof“, der jedem Verstorbenen,
ungeachtet der Glaubensrichtung, als letzte
Ruhestätte zur Verfügung steht, andererseits aus
den verschiedenen konfessionellen Friedhöfen und
Abteilungen.
Der überwiegende Teil des Hauptfriedhofs besteht
seit jeher aus katholischen Gräbern. Darüber
hinaus bestehen mittlerweile Abteilungen und
Friedhöfe folgender weiterer Konfessionen:
buddhistisch
evangelisch
islamisch (alte, neue und islamisch-ägyptische
Abteilung)
jüdisch (alter und neuer Friedhof)
orthodox (russisch, griechisch, rumänisch, etc.)
Auch nach den verschiedenen Erweiterungen macht
der Hauptfriedhof sowohl nach Fläche als auch
nach Anzahl der Grabstätten mit Abstand den
größten Teil des gesamten Friedhofsareals aus.
Während der evangelische und neue jüdische
Friedhof räumlich klar abgegrenzt sind und über
eigene Eingangsportale an der Außenmauer
verfügen, bestehen die vergleichsweise kleinen
orthodoxen und islamischen Abteilungen und der
buddhistische Friedhof wie Enklaven an
verschiedenen Stellen innerhalb des
interkonfessionellen Teils des
Friedhofsgeländes. |
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Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der
„Zentralfriedhof“ sowohl mit dem gesamten
Friedhofsareal, als auch dem
interkonfessionellen Hauptfriedhof
gleichgesetzt, weshalb im Gegensatz zu den
konfessionellen Friedhöfen und Abteilungen für
den Hauptfriedhof keine Bezeichnungen wie
„katholischer Friedhof“ oder „katholische
Abteilung“ üblich sind. |
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Dieser Bericht basiert auf einem Artikel der |
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Zentralfriedhof Impressionen |
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